SPD strei­tet um Hartz IV

Kurz nach der Re­gie­rungs­über­nah­me ent­brennt ein neu­er Streit über Hartz IV

Märkische Oderzeitung Eberswalde - - Vorderseite - Von Ge­orG is­Mar

Ber­lin. In der SPD ver­schärft sich zwei Wo­chen nach dem Start der gro­ßen Ko­ali­ti­on der Rich­tungs­streit um die Grund­si­che­rung Hartz IV. Nach­dem der kom­mis­sa­ri­sche SPD-Chef Olaf Scholz be­tont hat­te, am Hartz-IVGrund­prin­zip der­zeit nicht rüt­teln zu wol­len, ge­riet er so­fort par­tei­in­tern un­ter Druck. Meh­re­re pro­mi­nen­te SPD-Po­li­ti­ker warn­ten ihn vor Denk­ver­bo­ten. Ähn­lich wie zu­vor be­reits Ber­lins Re­gie­rungs­chef poch­te am Frei­tag auch SPD-Vi­ze Ralf Steg­ner auf die Ein­füh­rung ei­nes so­li­da­ri­schen Grund­ein­kom­mens. (dpa)

Ber­lin. Ir­gend­wann wird Hu­ber­tus Heil in sei­ner Pres­se­kon­fe­renz ge­fragt, war­um er be­harr­lich den Be­griff „Hartz IV“ver­mei­de. Ganz ein­fach, sagt der neue Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter: Der Fach­be­griff sei halt „Grund­si­che­rung für Ar­beit­su­chen­de“. Schon nach zwei Wo­chen Re­gie­ren mit der Uni­on bohrt die SPD wie­der in ih­rer al­ler­tiefs­ten Wun­de.

Vor 15 Jah­ren hielt SPD-Kanz­ler Ger­hard Schrö­der im Bun­des­tag sei­ne be­rühm­te Re­de, die in die Ar­beits­markt­re­for­men der Agen­da 2010 mün­de­te, ba­sie­rend auf Vor­schlä­gen ei­ner Kom­mis­si­on un­ter Lei­tung von Ex-VW-Ma­na­ger Pe­ter Hartz. Die Zu­sam­men­le­gung von Ar­beits­lo­sen- und So­zi­al­hil­fe wur­de im Vier­ten Ge­setz für mo­der­ne Di­enst­leis­tun­gen am Ar­beits­markt ge­re­gelt, dar­aus wur­de im Volks­mund „Hartz IV“. Der Re­gel­satz be­trägt heu­te 416 Eu­ro im Mo­nat; die Leis­tung wird von den Steu­er­zah­lern fi­nan­ziert.

Ber­lins Re­gie­ren­der Bür­ger­meis­ter Micha­el Mül­ler (CDU) hat mit sei­nem Vor­schlag für ein „so­li­da­ri­sches Grund­ein­kom­men“von 1200 Eu­ro im Mo­nat für al­le, die zu ge­mein­nüt­zi­ger, so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ger Ar­beit be­reit sind, die De­bat­te über Hartz-IV-Al­ter­na­ti­ven aus­ge­löst.

Und ein Di­lem­ma der SPD of­fen­bart: Wäh­rend Heil so­wie Vi­ze­kanz­ler und Fi­nanz­mi­nis­ter Olaf Scholz in Ru­he re­gie­ren wol­len, ver­ur­sacht der Wie­der­ein­tritt in die un­ge­lieb­te gro­ße Ko­ali­ti­on star­ke Flieh­kräf­te. Ein­mal mehr als Wil­ly Brandt hat die SPD nun An­ge­la Mer­kel zur Kanz­le­rin ge­wählt. Das Ver­spre­chen lau­te­te: Wir er­neu­ern par­al­lel zur Re­gie­rungs­ar­beit die Par­tei. Nicht we­ni­ge ver­ste­hen dar­un­ter auch: Ab­schied von Hartz IV, das für vie­le zur Chif­fre für ein un­wür­di­ges Le­ben am Ran­de des Mi­ni­mums ge­wor­den ist. Doch Scholz hat klar ge­macht: Er will der­zeit nicht über ei­ne Hartz-IV-Ab­kehr re­den.

Er ist nach dem Rück­tritt von Mar­tin Schulz bis zum Son­der­par­tei­tag am 22. April in Wiesbaden auch kom­mis­sa­ri­scher Par­tei­chef, dann soll dort Andrea Nah­les ge­wählt wer­den. So der Plan. Aber den Un­mut man­ches Ge­nos­sen über „die da oben in Ber­lin“spie­gelt Si­mo­ne Lan­ge wie­der, Ober­bür­ger­meis­te­rin in Flens­burg. Sie hat ge­gen Nah­les ih­ren Hut in den Ring ge­wor­fen. „Es ist ein fa­ta­ler Feh­ler, das so ab­zu­wür­gen“, sagt Lan­ge zu Scholz. Man müs­se of­fen re­den über ei­ne Ab­schaf­fung und ei­ne grund­le­gen­de Re­form der So­zi­al­ge­setz­ge­bung. (dpa)

Fo­to: epd/Chris­ti­an Ditsch

Um Aus­gleich be­müht: Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil (SPD) will Hartz IV än­dern, aber nicht ab­schaf­fen.

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