Zu nah am Was­ser

Kli­ma­wan­del macht Ko­los­sen auf der Os­ter­in­sel zu schaf­fen

Märkische Oderzeitung Eberswalde - - Meinungen Und Hintergrund - Ina Mat­thes Nach­ge­forscht

Ei­ne Tauch­rei­se auf ein Süd­see­Atoll ist ein teu­rer Spaß. Et­li­che tau­send Eu­ro. Die Prei­se stei­gen, sagt der Mann im Rei­se­bü­ro. Weil die In­seln ver­sin­ken. Fah­ren Sie hin, so lan­ge es noch geht.

Wenn der Mee­res­spie­gel bis 2100 um et­wa ei­nen Me­ter steigt, wie be­fürch­tet, wird es eng für fla­che Ei­lan­de. Die er­he­ben sich oft nur we­ni­ge Me­ter über die Wel­len. Selbst für her­aus­ra­gen­de­re In­seln wird der Kli­ma­wan­del zum Pro­blem. Zum Bei­spiel die Os­ter­in­sel. Ein aus­ge­frans­tes Drei­eck im Pa­zi­fik. Die ab­ge­le­gens­te be­wohn­te In­sel über­haupt. 1722 stieß der Hol­län­der Ja­cob Rog­ge­veen auf das Fast-Nichts im Nir­gend­wo. Zu Os­tern. Die­sem Zu­fall ver­dankt die 21 Ki­lo­me­ter lan­ge In­sel ih­ren Na­men. Ei­nen be­rühm­ten Na­men. Denn die­ser Spu­cke­rest gro­ßer Vul­ka­ne ist um­zin­gelt von Lang­na­sen – den Moai. Das sind bis zu zehn Me­ter ho­he, min­des­tens 500 Jah­re al­te Fi­gu­ren. Platz­hal­ter ei­ner un­ter­ge­gan­ge­nen Zi­vi­li­sa­ti­on. Die nun auch vom Un­ter­gang be­droht sind – we­gen an­schwel­len­der Ozea­ne.

Aus­tra­li­sche Wis­sen­schaft­ler ha­ben sich die Sa­che ge­nau an­ge­se­hen und die New York Ti­mes war auch da und schlägt Alarm. Zwar er­hebt sich die Os­ter­in­sel bis zu 507 Me­ter aus dem Oze­an, aber stei­gen­de Was­ser na­gen an ih­ren Rän­dern. Sie schwem­men Strän­de weg, un­ter­gra­ben Steil­küs­ten. Erst vor kur­zem ist ein brei­tes Stück Kliff ab­ge­rutscht, na­he an ei­nem der Ze­re­mo­ni­en­plät­ze der Alt­vor­de­ren. Die ka­men wahr­schein­lich vor mehr als tau­send Jah­ren mit Ka­nus auf die In­sel. Da­mals gab es dort tro­pi­sche Wäl­der, For­scher fan­den Fos­si­li­en. Das Holz nutz­ten die Ur­ein­woh­ner ver­mut­lich auch für ih­re Sta­tu­en. Die Ko­los­se be­weg­ten sie über die In­sel – kei­ner weiß wie. Viel­leicht mit Hil­fe der Baum­stäm­me. Je­den­falls ha­ben sie den Platz für die grim­mi­gen Wäch­ter nicht nach­hal­tig ge­wählt – die meis­ten ste­hen an der Küs­te. Be­son­ders für den Sü­den der In­sel sieht es nicht gut aus. For­scher be­fürch­ten, dass Strän­de über­flu­tet wer­den, Steil­küs­ten weg­bre­chen. Weil mit dem Was­ser­an­stieg die Wucht der Wel­len wächst. Was al­so tun mit den Ko­los­sen – sie ins Lan­des­in­ne­re ver­schie- ben? Archäo­lo­gen hal­ten da­von nicht viel. Sie möch­ten mehr über die St­ein­män­ner und ih­re Schöp­fer er­fah­ren, da ist der Stand­ort wich­tig. Au­ßer­dem ge­hört die In­sel zum Welt­kul­tur­er­be. Das kann man nicht ein­fach um­räu­men. Wenn aber Sta­tu­en ins Was­ser fal­len, dann geht das ins Geld. Die 6000 Ein­hei­mi­schen le­ben vom Tou­ris­mus. Im Som­mer kom­men täg­lich um die 5000 Be­su­cher. Die wol­len die gro­ßen Köp­fe se­hen – mit den Na­sen über Was­ser. Des­halb bau­en die In­su­la­ner ei­ne Mau­er ge­gen die Wel­len.

Ob das reicht? Man­che Be­woh­ner blei­ben ge­las­sen. Was soll ih­nen schon pas­sie­ren? Wenn es ei­nen Ort gibt, der das Schei­tern von Zi­vi­li­sa­ti­on zeigt, dann die­ser. Be­reits die frü­hen Sied­ler sorg­ten wohl für ei­ne Über­be­völ­ke­rung. Bis zu 20 000 Men­schen könn­ten zu je­ner Zeit auf der In­sel ge­lebt ha­ben, als die Moai ent­stan­den. De­ren Schöp­fer holz­ten die Wäl­der ab. Das Land wur­de kahl und karg. Die Men­schen be­krieg­ten sich, fra­ßen ein­an­der auf. Al­te In­schrif­ten er­zäh­len da­von. Die Über­le­ben­den wur­den schließ­lich von den Hol­län­dern ent­deckt, ver­seucht, ver­sklavt und ver­schleppt. 1880 wa­ren 111 In­su­la­ner üb­rig. Und 900 lang­na­si­ge Lu­lat­sche.

Fo­to: dpa/Bernd Ku­bisch

Gro­ße Köp­fe, grim­mi­ger Blick: Die Moai zie­hen Tau­sen­de Tou­ris­ten auf die Os­ter­in­sel.

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