Sie­ger oh­ne Zu­stim­mung

Al-Si­si tri­um­phiert bei den Wah­len in Ägyp­ten, doch vie­le gin­gen gar nicht erst hin

Märkische Oderzeitung Eberswalde - - Nachrichten - Von Mar­tin Geh­len

Kairo. Nicht ein­mal die Hälf­te der Ägyp­ter hat bei der Prä­si­den­ten­wahl ih­re Stim­me ab­ge­ge­ben. Da­bei zog das Re­gime am Nil al­le Re­gis­ter. Die Stra­ßen wa­ren ge­pflas­tert mit Pla­ka­ten von Prä­si­dent Ab­del Fat­tah al-Si­si. Ar­me Ägyp­ter er­hiel­ten für ihr Kreuz auf dem Stimm­zet­tel Le­bens­mit­tel­pa­ke­te oder Geld­schei­ne.

Staat­li­che An­ge­stell­te und Be­leg­schaf­ten von Be­trie­ben wur­den ge­mein­sam in Bus­sen zur Ab­stim­mung chauf­fiert. Nicht­wäh­lern da­ge­gen droh­te der Spre­cher der Na­tio­na­len Wahl­kom­mis­si­on mit ei­ner Geld­bu­ße. Das ägyp­ti­sche Staats­fern­se­hen in­sze­nier­te die drei­tä­gi­ge Ab­stim­mung als gut be­such­tes, fröh­li­ches Volks­fest mit Tanz und Ge­sang, wäh­rend Au­gen­zeu­gen in den Wahl­lo­ka­len in der Re­gel nur ei­nen mä­ßi­gen An­drang be­ob­ach­te­ten.

Die Stra­te­gie des Macht­ap­pa­ra­tes mit ih­rer Mi­schung aus Wer­ben, Dro­hen und Be­ste­chen nutz­te am En­de nur be­dingt. Nach ers­ten in­of­fi­zi­el­len Er­geb­nis­sen, die in Ägyp­tens Staats­pres­se ver­öf­fent­licht wur­den, stimm­te gut ein Drit­tel der 60 Mil­lio­nen Wahl­be­rech­tig­ten für Si­si. Er er­hielt mehr als 96 Pro­zent der ab­ge­ge­be­nen gül­ti­gen Stim­men. Le­dig­lich 720 000 Ägyp­ter mach­ten ihr Kreuz beim Ali­bi-Kon­kur­ren­ten Mous­sa Mosta­fa Mous­sa, ei­nem ob­sku­ren Ar­chi­tek­ten und Bau­stoff­händ­ler, der ei­gent­lich auch Si­si un­ter­stützt.

Of­fen­bar zwei Mil­lio­nen Men­schen schrie­ben da­ge­gen aus Pro­test an­de­re Na­men auf die Zet­tel und mach­ten die­se da­mit un­gül­tig. Das amt­li­che En­d­er­geb­nis soll am Mon­tag be­kannt ge­ge­ben wer­den. Die gan­ze Wahl sei zu „ei­ne Mil­li­on Pro­zent“de­mo­kra­tisch ge­we­sen, er­klär­te ein Spre­cher des Si­si-La­gers ge­gen­über der BBC.

Ob die An­ga­ben der Be­hör­den zu Wahl­be­tei­li­gung und Er­geb­nis tat­säch­lich der Rea­li­tät ent­spre­chen, ist nach der jahr­zehn­te­lang üb­li­chen Pra­xis von Fäl­schun­gen und Ma­ni­pu­la­tio­nen in Ägyp­ten frag­lich. Bei der ers­ten Si­si-Wahl 2014 lag die Be­tei­li­gung of­fi­zi­ell bei 47,4 Pro­zent, wäh­rend west­li­che Di­plo­ma­ten und er­fah­re­ne aus­län­di­sche Wahl­be- ob­ach­ter wie die ame­ri­ka­ni­sche Car­ter-Stif­tung sie auf höchs­tens 20 bis 25 Pro­zent ta­xier­ten. Da­mals hat­ten sich vor al­lem Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler un­ter 30 Jah­ren fast kom­plett ver­wei­gert.

Im Vor­feld hat­te Si­si al­le ernst­haf­ten Mit­be­wer­ber aus­schal­ten las­sen. 14 ägyp­ti­sche Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen rie­fen dar­auf­hin die ei­ge­ne Be­völ­ke­rung auf, die­se „Far­ce ei­ner Ab­stim­mung“zu boy­kot­tie­ren. Die Herr­schen­den hät­ten „selbst die Min­dest­an­for­de­run­gen für ei­ne freie und fai­re Wahl zer­tram­pelt“, schrie­ben sie zur Be­grün­dung.

Fo­to: dpa/Ge­had Ham­dy

Er­folg­rei­che Ab­ga­be: Ei­ne ägyp­ti­sche Wäh­le­rin zeigt nach ih­rer Stimm­ab­ga­be das Sie­ges­zei­chen. Trotz vie­ler Ver­spre­chen für Wäh­ler und Straf­an­dro­hun­gen für Nicht-Wäh­ler blieb die Be­tei­li­gung sehr nied­rig.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.