„Frei­er Han­del nutzt al­len“

Au­to­mo­bil-Prä­si­dent Bern­hard Mat­tes ist im Streit mit den USA zu Zu­ge­ständ­nis­sen be­reit

Märkische Oderzeitung Eberswalde - - Wirtschaft - Die­ter Kel­ler to­reb­Ko Do­ro­thee

Seit vier Wo­chen ist Bern­hard Mat­tes Prä­si­dent des Ver­bands der Au­to­mo­bil­in­dus­trie. Für den frü­he­ren Deutsch­lan­dChef von Ford gibt es kei­ne Schon­frist: Mit den USA droht ein Han­dels­kon­flikt, der nur auf­ge­scho­ben ist. Im In­ter­view mit und

äu­ßert er sich dar­über eben­so wie über mög­li­che Fahr­ver­bo­te für Die­sel-Pkw.

Herr Mat­tes, mit den USA droht ein Han­dels­krieg, los­ge­tre­ten von US-Prä­si­dent Do­nald Trump. Wie ge­fähr­lich kann das für die deut­sche Au­to­in­dus­trie wer­den?

Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten sind ei­ner un­se­rer wich­tigs­ten Ex­port­märk­te. Gleich­zei­tig sind die USA für un­se­re Her­stel­ler der dritt­größ­te aus­län­di­sche Stand­ort. Wir ha­ben dort un­se­re Pro­duk­ti­on seit 2013 um 180 000 Fahr­zeu­ge auf über 800 000 ge­stei­gert und ge­gen­über 2009 so­gar na­he­zu ver­vier­facht. Zu­sam­men mit den Zu­lie­fe­rern be­schäf­ti­gen wir weit mehr als 110 000 Mit­ar­bei­ter. Über die Hälf­te un­se­rer US-Pro­duk­ti­on ex­por­tie­ren wir in Län­der au­ßer­halb des Naft­aRaums, al­so au­ßer­halb der USA, Me­xi­kos und Ka­na­das. Das al­les hat sich ent­wi­ckelt auf Ba­sis ei­nes frei­en, fai­ren und wett­be­werbs­ori­en­tier­ten Han­dels. Er ist das Bes­te für Wohl­stand und wirt­schaft­li­ches Wachs­tum auf bei­den Sei­ten. Da­für plä­die­ren wir auch für die Zu­kunft. Jeg­li­che Be­schrän­kun­gen durch Han­dels­bar­rie­ren und Zöl­le lau­fen dem zu­wi­der. Ver­steht das Trump nicht, oder war­um prü­gelt er so gern die deut­schen Au­to­bau­er?

Wir müs­sen im­mer wie­der auf die Fak­ten hin­wei­sen. Un­se­re In­dus­trie leis­tet ei­nen er­heb­li­chen Bei­trag auch für die au­to­mo­bi­le Han­dels­bi­lanz der USA. Wir kön­nen nur die Po­li­ti­ker er­mun­tern, die jetzt ver­han­deln, ei­nen Weg zu fin­den, der frei­en und fai­ren Han­del auch künf­tig ge­währ­leis­tet.

Er­staun­li­cher­wei­se ver­lan­gen die USA nur 2,5 Pro­zent Ein­fuhr­zoll für Au­tos, die EU da­ge­gen zehn Pro­zent.

Bei Pkw ist das so, bei leich­ten Nutz­fahr­zeu­gen ist es um­ge­kehrt. Der EU-Au­ßen­zoll gilt üb­ri­gens nicht nur für die USA, son­dern für al­le an­de­ren Län­der, die kein Frei­han­dels­ab­kom­men mit der EU ha­ben.

Hal­ten Sie es für mög­lich, die zehn Pro­zent zu sen­ken?

Wir plä­die­ren für nach­hal­ti­ge und ver­läss­li­che Ver­ein­ba­run­gen, die WTO-kon­form sein müs­sen. Grund­sätz­lich sind wir da­für, ge­gen­sei­tig Han­dels­hür­den ab­zu­bau­en. Hier­für bie­ten sich bi­la­te­ra­le Ver­hand­lun­gen über ein Han­dels­ab­kom­men an.

Fah­ren Sie ei­nen Die­sel?

Als Di­enst­au­to ha­be ich ein Hy­bridfahr­zeug. Pri­vat fah­re ich ei­nen Die­sel und ei­nen Ben­zi­ner.

Kön­nen Sie die Ängs­te von Au­to­be­sit­zern ver­ste­hen, dass sie dem­nächst nicht mehr in In­nen­städ­te fah­ren kön­nen und dass ihr Fahr­zeug deut­lich an Wert ver­liert?

Na­tür­lich kann ich sie ver­ste­hen. Des­we­gen ar­bei­ten In­dus­trie und Po­li­tik mit Hoch­druck dar­an, Fahr­ver­bo­te zu ver­mei­den. Wir tun viel zur Ver­bes­se­rung der Luft­qua­li­tät. Da­zu ge­hö­ren Soft­ware-Up­dates für über 5 Mil­lio­nen Pkw, Um­stiegs­prä­mi­en für äl­te­re Die­sel und die Be­tei­li­gung deut­scher Her­stel­ler mit 250 Mil­lio­nen Eu­ro am Fonds Nach­hal­ti­ge Mo­bi­li­tät für die Stadt.

Wer­den die Au­to­bau­er um Hard­ware-Nach­rüs­tun­gen her­um­kom­men?

Um­bau­ten an den Mo­to­ren dau­ern lan­ge und füh­ren da­zu, dass die Fahr­zeu­ge mehr ver­brau­chen. Des­we­gen set­zen wir auf die ge­nann­ten Lö­sun­gen. Ins­ge­samt ist die Luft­qua­li­tät hier­zu­lan­de gut, die NO -Be­las­tung im Stra­ßen­ver­kehr ist von 1990 bis 2015 um 70 Pro­zent ge­sun­ken. Es be­steht kein flä­chen­de­cken­des Pro­blem, son­dern es geht um et­wa 20 Städ­te, in de­nen der NO -Jah­res­grenz­wert an den Mess­stel­len spür­bar über­schrit­ten wird. Mit die­sen Städ­ten ar­bei­ten wir ge­zielt zu­sam­men, um hier mög­lichst rasch zu wei­te­ren Ver­bes­se­run­gen zu kom­men.

Und wenn es doch zu Fahr­ver­bo­ten kommt?

Aus un­se­rer Sicht gibt es in­tel­li­gen­te­re Maß­nah­men zur Re­duk­ti­on von Stick­oxi­den. Da­zu ge­hö­ren et­wa die Verste­ti­gung und Di­gi­ta­li­sie­rung des Ver­kehrs und die Er­neue­rung der Bu­sund Ta­xi­flot­ten. Die Soft­wareUp­dates brin­gen im Schnitt 25 bis 30 Pro­zent Re­du­zie­rung der Stick­oxi­de. Wenn all das kon­se­quent um­ge­setzt wird, müss­te es mög­lich sein, Fahr­ver­bo­te zu ver­mei­den.

Mit Russ­land droht nach der Aus­wei­sung von Di­plo­ma­ten ei­ne neue Eis­zeit. Müs­sen Sie da­mit rech­nen, dass das auf die Ge­schäf­te der deut­schen Au­to­mo­bil­in­dus­trie durch­schlägt?

Der rus­si­sche Markt hat enor­mes Po­ten­zi­al, aber der­zeit muss es vor al­lem um die Lö­sun­gen der po­li­ti­schen Fra­gen ge­hen. Nach ei­ner län­ge­ren Pha­se des Rück­gangs hat das Pkw-Ge­schäft zu­letzt wie­der Fahrt auf­ge­nom­men. 2017 gab es ein Plus von 12 Pro­zent, auch der Start ins Jahr 2018 ist po­si­tiv. Die deut­schen Her­stel­ler ha­ben in Russ­land ei­nen Markt­an­teil von knapp 20 Pro­zent. Sie ver­stär­ken ih­re Prä­senz vor Ort mit ei­ge­nen Wer­ken, um den An­for­de­run­gen der lo­ka­len Pro­duk­ti­on ge­recht zu wer­den.

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