Heim­kehr un­ter Trä­nen

Frie­dens­no­bel­preis­trä­ge­rin Ma­la­la ist erst­mals seit 2012 wie­der in Pa­kis­tan

Märkische Oderzeitung Eberswalde - - Aus Aller Welt - Von Zia Khan Chris­ti­ne-Fe­li­Ce röhrs

und Islamabad. Vor mehr als fünf Jah­ren schos­sen Ta­li­ban in Pa­kis­tan ei­nem Mäd­chen in den Kopf: Ma­la­la hat­te sich für Mäd­chen­bil­dung ein­ge­setzt. Sie über­leb­te. Jetzt kehrt die Frie­dens­no­bel­preis­trä­ge­rin zum ers­ten Mal heim.

Am Don­ners­tag­mor­gen war Ma­la­la Yousaf­zai über­ra­schend am Flug­ha­fen in Islamabad an­ge­kom­men und un­ter Po­li­zei­schutz in ein Ho­tel ge­bracht wor­den. Noch am Mor­gen wur­de sie von Pre­mier Sh­ahid Khaqan Ab­ba­si emp­fan­gen. Am Abend traf sie Ak­ti­vis­ten der Zi­vil­ge­sell­schaft und Ver­wand­te, die aus ih­rer Hei­mat, dem Swat-Tal, an­ge­reist wa­ren. Am Frei­tag traf sie wie­der Fa­mi­lie und Freun­de.

„Wir sind so glück­lich, dass wir sie wie­der zu Hau­se ha­ben“, sag­te ihr Cou­sin Mahmud ul Has­san. Aus Si­cher­heits­grün­den kön­ne Ma­la­la nicht nach Hau­se ins Swat-Tal in Nord­pa­kis­tan rei­sen, wo die Ta­li­ban 2009 zwar ver­trie­ben wur­den, Ex­tre­mis­ten aber wei­ter Ein­fluss ha­ben. Ei­ne Qu­el­le aus dem Bü­ro des Mi­nis­ter­prä­si­den­ten sag­te al­ler­dings, der Pre­mier ha­be Ma­la­la ei­ne „Es­kor­te so groß wie mei­ne ei­ge­ne“an­ge­bo­ten, falls sie doch nach Swat fah­ren wol­le.

Im Ok­to­ber 2012 hat­ten mas­kier­te Kämp­fer der Ta­li­ban im Swat-Tal Ma­l­a­las Schul­bus an­ge­hal­ten und ihr in den Kopf ge­schos­sen. Ma­la­la war da­mals 15 Jah­re alt. Sie hat­te sich seit Jah­ren für Schul­bil­dung für Mäd­chen und ge­gen das grau­sa­me Re­gime der Is­la­mis­ten in ih­rer Hei­mat aus­ge­spro­chen. Die Ta­li­ban be­dro­hen Ma­la­la auch heu­te noch, wes­halb sie in Groß­bri­tan­ni­en lebt. Weil sie sich selbst nach dem At­ten­tat wei­ter für die Rech­te von Mäd­chen und Frau­en, vor al­lem im Bil­dungs­be­reich, ein­setz­te, wur­de ihr 2014 der Frie­dens­no­bel­preis zu­er­kannt. Im April 2017 wur­de sie die jüngs­te UN-Frie­dens­bot­schaf­te­rin al­ler Zei­ten.

Ma­la­la ist zu­nächst nur für vier Ta­ge zu­rück­ge­kehrt. Bei ei­nem Emp­fang im Amts­sitz des Mi­nis­ter­prä­si­den­ten sag­te sie am Don­ners­tag mit Trä­nen in den Au­gen: „Ich kann nicht glau­ben, dass es wirk­lich pas­siert – ich ha­be in den ver­gan­ge­nen Jah­ren so oft da­von ge­träumt, wie­der in mei­ne Hei­mat zu­rück­zu­keh­ren.“

Sie wer­de sich wei­ter für die Bil­dung von jun­gen Men­schen in Pa­kis­tan ein­set­zen, ver­sprach Ma­la­la. Mi­nis­ter­prä­si­dent Sh­ahid Khaqan Ab­ba­si sag­te: „Ich bin sehr glück­lich, un­se­re Toch­ter hier will­kom­men zu hei­ßen“: „Du bist die stärks­te der pa­kis­ta­ni­schen Stim­men ge­gen Ex­tre­mis­mus.“(dpa)

Fo­to: AFP/Aa­mir Que­re­shi

Herz­li­ches Will­kom­men: Ei­ne Jour­na­lis­tin macht am Frei­tag in Pa­kis­tan ein Sel­fie mit Ma­la­la Yousaf­zai (r.).

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