Gast­ge­ber Russ­land star­tet mit 5: 0-Sieg

Bun­des­trai­ner Löw muss sich im Mit­tel­feld zwi­schen Reus, Drax­ler und Özil ent­schei­den

Märkische Oderzeitung Eberswalde - - Vorderseite - (dpa)

Mos­kau. Mit ei­nem kur­zen, aber far­ben­fro­hen Fest und ei­nem Show - Ac t des bri­ti­schen Pop­stars Rob­bie Wil­li­ams zu­sam­men mit Opern­sän­ge­rin Ai­da Ga­ri­ful­li­na ist am Don­ners­tag imLu­sch­ni­ki- Sta­di­on von Mos­kau die 21. Fuß­ball-Welt meis­ter­schaft er­öff­net wor­den. Der rus­si­sche Staats-Chef Wla­di­mir Pu­tin sprach vor rund 80 000 Zu­schau­ern von ei­nem Fei­er­tag für den Welt­sport: „Die Lie­be zum Fuß­ball ver­bin­det uns al­le zu ei­ner Mann­schaft.“

Und der sport­li­che Auf­takt hät­te für die Gast­ge­ber kaum bes­ser ver­lau­fen kön­nen. Die rus­si­sche Mann­schaft setz­te sich im ers­ten Spiel des Tur­niers ge­gen Sau­di-Ara­bi­en un­er­war­tet deut­lich mit 5:0 durch. Die deut­sche Mann­schaft be­strei­tet ihr ers­tes Spiel am Sonn­tag in Mos­kau ge­gen Me­xi­ko.

Mos­kau. Die Start­elf der deut­schen Fuß­ball-Na­tio­nal­mann­schaft für das ers­te Spiel am Sonn­tag ge­gen Me­xi­ko steht. Nur im of­fen­si­ven Mit­tel­feld rin­gen mit Mar­co Reus, Julian Drax­ler und Me­sut Özil drei Spie­ler um zwei Plät­ze.

Die Zah­len spre­chen klar für Me­sut Özil. 90 Län­der­spie­le hat er für die deut­sche Na­tio­nal­mann­schaft, de­ren Tri­kot er be­reits seit dem Jahr 2009 trägt, be­strit­ten. Er ist Welt­meis­ter und ei­ne fes­te Grö­ße in den Plan­spie­len des Bun­des­trai­ners, der auch in schwä­che­ren Pha­sen stets zu ihm hielt. Er spiel­te bei Re­al Madrid, wech­sel­te für die hor­ren­de Ab­lö­se­sum­me von rund 50 Mil­lio­nen Eu­ro zum FC Ar­senal. Die brei­te Gunst des Pu­bli­kums, wie sie et­wa die Kol­le­gen Manuel Neu­er, Tho­mas Mül­ler und To­ni Kroos er­fah­ren, konn­te der 29 Jah­re al­te Mit­tel­feld­spie­ler je­doch nur sel­ten ge­nie­ßen. Vor dem ers­ten WM-Auf­tritt der deut­schen Aus­wahl am Sonn­tag ge- gen Me­xi­ko wirkt Özil kör­per­lich und men­tal an­ge­schla­gen. Er ist der ein­zi­ge Welt­meis­ter, der wa­ckelt.

„Er hat über­haupt kei­ne Pro­ble­me“, sag­te Joa­chim Löw, als er in Mos­kau nach dem kör­per­li­chen Zu­stand des Spie­lers ge­fragt wur­de. Ga­ran­tie auf den Platz in der Start­for­ma­ti­on woll­te er ihm al­ler­dings kei­ne ge­ben. Özil muss sich mit den Kol­le­gen Mar­co Reus und Julian Drax­ler um ei­nen der noch zwei of­fe­nen Plät­ze im of­fen­si­ven Be­reich des Mit­tel­felds mes­sen. Löw schürt den Kon­kur­renz­kampf be­wusst, weil Özil sich in den ver­gan­ge­nen Wo­chen mit hart­nä­cki­gen Schmer­zen im Rü­cken und am Knie plag­te – vor al­lem je­doch mit der äu­ßerst kon­tro­vers dis­ku­tier­ten Af­fä­re um die Fo­tos, für die er und Mit­spie­ler Il­kay Gün­do­gan mit dem tür­ki­schen Prä­si­den­ten Er­do­gan po­sier­ten.

Özil hielt sich in die­ser An­ge­le­gen­heit be­deckt. Er sah kei­nen Grund, sich zu er­klä­ren und hat an­ge­kün­digt, dass er wei­ter schwei­gen wird, was selbst im Kreis der Na­tio­nal­mann­schaft und an der Spit­ze des Deut­schen Fuß­ball-Bun­des für Un­ver­ständ­nis sorg­te. Oliver Bier­hoff, der Ma­na­ger der deut­schen Aus­wahl, ließ an­klin­gen, dass die De­bat­te um die Er­do­gan-Fo­tos durch­aus „ein klei­ner Aspekt“sei, den Löw in die Wahl sei­ner ers­ten Elf ein­flie­ßen lässt. Für den Bun­des­trai­ner zäh­len auch die jüngs­ten Ein­drü­cke. „Sie sind wich­tig, um zu se­hen: Wer ist be­reit, von An­fang an zu spie­len?“Viel­leicht ver­sucht Özil, sonst kein Meis­ter der kon­trol­lier­ten Kör­per­spra­che, im Trai­ning des­halb be­wusst po­si­tiv zu wir­ken. Doch kann der als höchst sen­si­bel be­kann­te Pro­fi den Wir­bel der ver­gan­ge­nen Wo­chen ein­fach ab­schüt­teln?

Löw scheint Zwei­fel zu he­gen, wie sein Kol­le­ge Tho­mas Schaaf, der Özil von 2008 bis 2010 in der Bun­des­li­ga trai­nier­te: „Ich ken­ne Me­sut aus sei­ner Bre­mer Zeit“, sag­te er dem Online-Por­tal Deich­gru­be. „Er wird die Kri­tik nicht ein­fach so ab­schüt­teln kön­nen.“Ge­lingt es Özil den­noch, den Bun­des­trai­ner zu über­zeu­gen, wird er wie ge­wohnt die Rol­le im zen­tra­len Mit­tel­feld, di­rekt hin­ter Mit­tel­stür­mer Ti­mo Wer­ner über­neh­men. Für Reus und Drax­ler blie­be nur der Platz auf dem lin­ken Flü­gel, den ei­ner von ih­nen be­set­zen wird. Löw hält gro­ße Stück auf den flin­ken Dort­mun­der Reus, der beim 2:1 zu­letzt im Test­spiel ge­gen Sau­diA­ra­bi­en ei­ner der Bes­ten war.

Foto: dpa

Wa­ckeln­der Welt­meis­ter: Me­sut Özil

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