Rie­sen­see­ro­sen wie­der zu se­hen

Der Bo­ta­ni­sche Gar­ten hat sein Vic­to­ria­haus sa­niert / Der Be­such kos­tet am Er­öff­nungs­wo­chen­en­de nur ei­nen Eu­ro

Märkische Oderzeitung Eberswalde - - Vorderseite - Von Ma­ria neu­en­dorff

Berlin. Der Bo­ta­ni­sche Gar­ten Berlin hat ei­ne sei­ner At­trak­tio­nen zu­rück: Von die­sem Sonn­abend an sind die Rie­sen­see­ro­sen wie­der im für zehn Mil­lio­nen Eu­ro re­no­vier­ten Vic­to­ria­haus zu se­hen.

Berlin. Nach zwölf Jah­ren er­öff­net das glä­ser­ne Vic­to­ria­haus im Bo­ta­ni­schen Gar­ten wie­der. In dem über hun­dert Jah­re al­ten Ge­wächs­haus ist auch die Na­mens­ge­be­rin, die Rie­sen­see­ro­se „Vic­to­ria“, zu se­hen. Be­su­cher kön­nen höchst­wahr­schein­lich am Wo­che­n­en­de er­le­ben, wie sie ih­re ers­ten Blü­ten öff­net.

Wer die Wunder der Na­tur se­hen will, darf nicht hit­ze­emp­find­lich sein. Ei­ne Wand aus hei­ßer Luft stellt sich dem ent­ge­gen, der das en­er­ge­tisch sa­nier­te Vic­to­ria­haus be­tritt. 30 Grad und 80 Pro­zent Luft­feuch­tig­keit herr­schen in dem his­to­ri­schen Glas­haus und las­sen so­fort das T-Shirt am Kör­per kle­ben. „Ich bin ei­gent­lich ei­ne Frost­beu­le. Aber die­ses Kli­ma ist auch für mich ex­trem an­stren­gend“, ge­steht Ros­wi­tha Do­mi­ne.

In schul­ter­ho­her Gum­mi­ho­se steigt die Gärt­ne­rin je­den Mor­gen in das war­me Was­ser des neu­en 75 000-Li­ter-Be­ckens und kon­trol­liert die kreis­run­den grü­nen Blät­ter der Rie­sen­see­ro­se „Vic­to­ria“. Mit ih­rem bis zu zehn Zen­ti­me­ter ho­hen Rand se­hen sie ein biss­chen wie schwim­men­de Ku­chen­for­men aus. Mit ei­nem Durch­mes­ser von bis zu zwei Me­tern könn­ten sie klei­ne Kin­der auf dem Was­ser schau­keln. Al­ler­dings kann man sich auch bö­se an ih­nen schnei­den. „Denn sie ha­ben un­ten spit­ze St­a­cheln, um ge­frä­ßi­ge Fi­sche ab­zu­weh­ren“, er­klärt Ros­wi­tha Do­mi­ne, wäh­rend sie mit Hand­schu­hen ei­nes der Rie­sen­blät­ter für die ers­ten Fo­to­gra­fen wen­det.

Seit 31 Jah­ren ar­bei­tet die Gärt­ne­rin in Dah­lem. Wenn das le­gen­dä­re Ge­wächs­haus, das für rund zehn Mil­lio­nen Eu­ro grund­sa­niert wur­de, am heu­ti­gen Frei­tag mit 500 ge­la­de­nen Gäs­ten ein­ge­weiht wird, ist das auch für sie ein ganz be­son­de­rer Mo­ment. Da­bei hat die 60-Jäh­ri­ge in dem kup­pel­för­mi­gen Glas­bau süd­lich des Gro­ßen Tro­pen­hau­ses schon seit Fe­bru­ar zu tun. Da wur­den die erb­sen­gro­ßen Sa­men der Vic­to­ria ama­zo­ni­ca in das neue Schaubecken ver­pflanzt. Die sel­te­ne Pflan­ze ist nach der bri­ti­schen Queen Vic­to­ria be­nannt, nach­dem sie For­scher im 19. Jahr­hun­dert aus dem Ama­zo­nas-Ge­biet nach Eu­ro­pa brach­ten.

Das Be­son­de­re an der Rie­sen­see­ro­se ist, dass sie sich erst in der Däm­me­rung öff­net und dann auch nur et­wa 48 St­un­den blüht. Dass es schon am Sams­tag­abend so weit sein könn­te, da­von zeu­gen zwei ers­te li­la­far­be­ne Knos­pen, die schon vor­sich­tig aus dem Was­ser lu­gen. „Wenn sie blü­hen, leuch­ten sie weiß und strö­men ei­nen an­ge­nehm fruch­ti­gen Duft aus, der Kä­fer an­lockt“, er­klärt Nils Kös­ter, Ku­ra­tor der tro­pi­schen und sub­tro­pi­schen Samm­lun­gen. Am fol­gen­den Mor­gen schlie­ße sich die Was­ser­pflan­ze wie­der und neh­me die Kä­fer qua­si ge­fan­gen. „Sie wer­den so mit den Pol­len ein­ge­pu­dert. In der zwei­ten Nacht öff­net sich die See­ro­se noch ein­mal, färbt sich ro­sa und ent­lässt ih­re Be­stäu­ber wie­der in die Frei­heit“, be­schreibt der 42-jäh­ri­ge Bo­ta­ni­ker die Vic­to­ria-Blü­te.

Er ist gu­ter Din­ge, dass die Be­su­cher schon am Er­öff­nungs­Wo­chen­en­de mit ver­län­ger­ten Öff­nungs­zei­ten die­ses sel­te­ne Na­tur­schau­spiel er­le­ben kön­nen. An­sons­ten bie­ten bis En­de Au­gust die „Vic­to­ri­a­näch­te“Ge­le­gen­heit, sonn­abends bei re­gu­lä­rem Ein­tritt den nacht­blü­hen­den Pu­bli­kums­ma­gne­ten auch zu spä­ter St­un­de zu be­su­chen. Ne­ben Som­mer­kon­zer­ten und Hör­spiel­ki­no er­zäh­len Ex­per­ten Ge­schich­ten rund um die fas­zi­nie­ren­den Rie­sen­see­ro­sen und ih­re Ver­wandt­schaft. Im Ka­bi­nett des Bo­ta­ni­schen Mu­se­ums wer­den zu­dem 166 Jah­re Ber­li­ner Vic­to­ria-Ge­schich­te in 100 epo­cha­len Bil­dern ge­zeigt.

Doch der Bo­ta­ni­sche Gar­ten hat noch viel mehr zu bie­ten als ih­ren Star. Al­lein im Vic­to­ria­haus gibt es mit über 90 Ar­ten so vie­le Was­ser­pflan­zen wie in kei­nem an­de­ren Pflan­zen­mu­se­um der Welt. Da ist zum Bei­spiel die „wur­zel­lo­se Zwerg­was­ser­li­lie“. Die kleins­te Was­ser­pflan­ze der Welt ist nur we­ni­ge Mil­li­me­ter groß. Die Mi­mo­se da­ge­gen klappt bei Be­rüh­run­gen ein­fach die Fie­der­blätt­chen zu­sam­men, wäh­rend aus dem Pa­py­rus die al­ten Ägyp­ter ihr Pa­pier her­stell­ten.

Zu ent­de­cken gibt es aber auch „Witts Schlan­genk­ak­tus“, die welt­weit ein­zi­ge Kak­tus­art, die meh­re­re Wo­chen un­ter Was­ser le­ben kann. Lo­ki Schmidt ha­be sie einst am Rio Ne­gro ge­sam­melt und mit nach Bonn ge­bracht, be­rich­tet Nils Kös­ter. Da­mals sei die Aus­fuhr noch er­laubt ge­we­sen, erst recht als Kanz­ler­gat­tin. „Heu­te wür­de man da­für wahr­schein­lich gleich im bra­si­lia­ni­schen Knast lan­den.“

Zum gro­ßen Er­öff­nungs­wo­chen­en­de am 16. und 17. Ju­ni kön­nen Be­su­cher zum ein­ma­li­gen Vic­to­ria-Ta­rif von ei­nem Eu­ro den ge­sam­ten Bo­ta­ni­schen Gar­ten be­su­chen. Sonn­abend, 9 bis 24 Uhr (letz­ter Ein­lass 22 Uhr) Sonn­tag 9 bis 20 Uhr, letz­ter Ein­lass 19.15 Uhr) Ein­gän­ge: Kö­ni­gin­Lui­se-Stra­ße 6-8, www.bo­ta­ni­scher-gar­ten-berlin.de

Foto: Mar­kus Ko­sitz­ki

Neue At­trak­ti­on: Ros­wi­tha Do­mi­ne zeigt die bis zu zwei Me­ter gro­ßen Schwimm­blät­ter der Rie­sen­see­ro­se Vic­to­ria im mo­der­ni­sier­ten Ge­wächs­haus.

Foto: dpa/Jens Ka­lae­ne

In neu­em Glanz: Das Vic­to­ria­haus, das le­gen­dä­re Schau­ge­wächs­haus im Bo­ta­ni­schen Gar­ten Berlin, wird nach um­fang­rei­chen Sa­nie­rungs­ar­bei­ten am Wo­che­n­en­de wie­der­er­öff­net.

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