Macht­kampf in Uni­on es­ka­liert

CSU droht Mer­kel mit Al­lein­gang / Lin­ke for­dern we­gen des Streits En­de der Gro­ßen Ko­ali­ti­on

Märkische Oderzeitung Eberswalde - - Vorderseite - (dpa)

Berlin. Streit über die Asyl­po­li­tik gibt es in der Uni­on schon seit 2015. Mit Ver­spä­tung kommt es nun zum Knall: Die CSU droht der Kanz­le­rin of­fen, setzt sie ma­xi­mal un­ter Druck, führt sie öf­fent­lich vor. Lässt sie sich das bie­ten? Es geht um Mer­kels Zu­kunft und die ih­rer Ko­ali­ti­on.

Der Macht­kampf in der Uni­on ist es­ka­liert und be­droht die Exis­tenz der Ko­ali­ti­on von An­ge­la Mer­kel. Im Streit über die Zu­rück­wei­sung von Flücht­lin­gen droh­te Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer (CSU) der Bun­des­kanz­le­rin am Don­ners­tag mit ei­nem Al­lein­gang. Die CSU wies Mer­kels Vor­schlag zu­rück, in den kom­men­den bei­den Wo­chen auf eu­ro­päi­scher Ebe­ne ei­ne Lö­sung für das Pro­blem zu fin­den. Statt­des­sen setz­te die Schwes­ter­par­tei der CDU-Che­fin ein Ul­ti­ma­tum bis Mon­tag und kün­dig­te in­di­rekt an, See­ho­fer kön­ne an­dern­falls ei­gen­mäch­tig ei­ne Zu­rück­wei­sung von Mi­gran­ten an der Gren­ze an­ord­nen.

See­ho­fer kri­ti­siert Mer­kels Asyl­po­li­tik schon seit dem Hö­he­punkt der Flücht­lings­kri­se 2015/2016. Nun for­dert er sie of­fen her­aus. Seit Ta­gen strei­ten CDU und CSU dar­über, ob auch Asyl­be­wer­ber oh­ne Pa­pie­re und sol­che, die be­reits in an­de­ren EU-Län­dern als Asyl­be­wer­ber re­gis- triert sind, nicht mehr über die deut­sche Gren­ze ge­lan­gen dür­fen. Die CSU will die­se künf­tig zu­rück­wei­sen, Mer­kel lehnt dies ab. Le­dig­lich bei der Zu­rück­wei­sung von Per­so­nen, de­ren Asyl­an­trag in Deutsch­land be­reits ab­ge­lehnt wur­de, si­gna­li­sier­te das CDU-Prä­si­di­um am Don­ners­tag Kom­pro­miss­be­reit­schaft: Die­se sol­len bei ei­nem er­neu­ten Ver­such der Ein­rei­se so­fort zu­rück­ge­wie­sen wer­den.

Die Aus­ein­an­der­set­zung spitz­te sich am Don­ners­tag dra­ma­tisch zu. Der Bun­des­tag un­ter­brach sei­ne Be­ra­tun­gen im Plenum für meh­re­re St­un­den. Die Ab­ge­ord­ne­ten von CDU und CSU ka­men in der Zeit zu ge­trenn­ten Be­ra­tungs­sit­zun­gen zu­sam­men. In der CSU-Lan­des­grup­pe ver­kün­de­te See­ho­fer sei­ne Be­reit­schaft, den Kon­flikt auf die Spit­ze zu trei­ben. Er soll er­klärt ha­ben: Soll­te es kei­ne Ei­ni­gung in der Fra­ge ge­ben, wol­le er not­falls per Mi­nis­ter­ent­scheid han­deln.

Mer­kel wie­der­um warb vor den CDU-Ab­ge­ord­ne­ten um Un­ter­stüt­zung für ih­ren Kurs in der Asyl­po­li­tik und bat um Ver­trau­en bis zum EU-Gip­fel am 28. und 29. Ju­ni in Brüssel. Sie wol­le die zwei Wo­chen bis da­hin nut­zen, um mit den am stärks­ten vom Mi­gra­ti­ons­druck be­trof­fe­nen Län­dern bi­la­te­ra­le Ab­kom­men zu schlie­ßen, sag­te sie dem­nach. Ei­nen na­tio­na­len Al­lein­gang lehn­te sie ab.

Die üb­ri­gen Par­tei­en be­äu­gen die Es­ka­la­ti­on mit Sor­ge und ma­chen See­ho­fer zum Teil schwe­re Vor­wür­fe. SPD-Che­fin Andrea Nah­les wies den CSU-Vor­schlag strikt zu­rück und for­der­te ein En­de des Uni­ons-Streits. Die Grü­nen ver­ur­teil­ten See­ho­fers Vor­ge­hen als un­ver­ant­wort­lich. Die­ser miss­brau­che sei­nen Mi­nis­ter­pos­ten als „CSU-Wahl­kampf-Mi­nis­ter“, rüg­te Grü­nen-Frak­ti­ons­chef An­ton Ho­frei­ter. Links­frak­ti­ons­che­fin Sah­ra Wa­genk­necht rief Mer­kel auf, die Ko­ali­ti­on zu be­en­den.

Horst See­ho­fer hat be­stimmt ei­nen Plan. Die Fra­ge ist nur, wo­hin der ihn füh­ren wird. Klar, dass der In­nen­mi­nis­ter und CSU-Chef mit der Kanz­le­rin und CDU-Che­fin An­ge­la Mer­kel in der Flücht­lings­po­li­tik über Kreuz liegt. War­um aber macht er aus­ge­rech­net jetzt die Fra­ge, ob man Flücht­lin­ge an der Gren­ze zu­rück­wei­sen soll­te, zum Knack­punkt der Uni­on?

Al­lei­ne um die Sa­che kann es See­ho­fer nicht ge­hen. Denn im Ko­ali­ti­ons­ver­trag steht, dass ge­nau die­se Streit­fra­ge im eu­ro­päi­schen Rah­men ent­schie­den wer­den soll, al­so so, wie Mer­kel es vor­schlägt. Das heißt aber: Selbst wenn sich See­ho­fer in­ner­halb der Uni­on durch­set- zen soll­te, droh­te ihm das Ve­to der SPD und er be­kä­me sei­nen Wil­len trotz­dem nicht.

Was al­so treibt den Mann und sei­ne Par­tei? Wo­mög­lich hat sich die CSU be­reits in­ner­lich von Gro­Ko und Kanz­le­rin ver­ab­schie­det und fährt das Bünd­nis be­wusst an die Wand. Wo­mög­lich ver­spricht sie sich da­von ei­nen Vor­teil in der baye­ri­schen Land­tags­wahl. Soll­te es so sein, wä­re es ein ris­kan­tes Spiel. Da mag es un­ter den AfD-Wäh­lern zwar vie­le ge­ben, die „Mer­kel muss weg“schrei­en, die meis­ten Deut­schen aber sind im­mer noch zu­frie­den mit ihr und könn­ten es der CSU übel neh­men, wür­de sie die Kanz­le­rin stür­zen.

Foto: dpa/Mat­thi­as Schra­der

Ju­beln­de Gast­ge­ber: Russ­land ist er­folg­reich in die Heim-WM ge­star­tet. Die Mann­schaft be­zwang am Don­ners­tag zum Auf­takt Sau­di-Ara­bi­en mit 5:0. Ju­ri Gas­in­ski (links) er­ziel­te das 1:0 und da­mit den ers­ten Tref­fer die­ser Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft.

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