Alt­mai­er für Ta­rif­bin­dung

Märkische Oderzeitung Eberswalde - - Vorderseite - (dik)

Berlin. Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Pe­ter Alt­mai­er (CDU) will die Ta­rif­bin­dung in der deut­schen Wirt­schaft stär­ken. „Wer als Ar­beit­ge­ber ta­rif­ge­bun­den ist, auf den ist eher Ver­lass, al­so kann er auch eher von ei­nem Teil der bü­ro­kra­ti­schen Auf­la­gen be­freit wer­den“, sag­te Alt­mai­er. Das kri­ti­sier­te FDP-Frak­ti­ons­vi­ze Micha­el Theu­rer: In ei­ner frei­heit­li­chen De­mo­kra­tie kön­ne der Or­ga­ni­sa­ti­ons­grad der Ge­werk­schaf­ten und die Mit­glied­schaft in Ar­beit­ge­ber­ver­bän­den nicht ver­ord­net wer­den.

Lud­wig Er­hard hat als Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter ziem­lich gro­ße Schu­he hin­ter­las­sen. Für Pe­ter Alt­mai­er sind sie noch deut­lich ein paar Num­mern zu groß. Sei­ne neu­es­te Idee: Er möch­te die Ta­rif­bin­dung der Un­ter­neh­men er­hö­hen. Es ist schon die Fra­ge, ob das sei­ne Auf­ga­be ist oder eher die der Ar­beit­ge­ber und Ge­werk­schaf­ten. Aber wahr­haft atem­be­rau­bend ist sein Satz, wer als Ar­beit­ge­ber ta­rif­ge­bun­den sei, „auf den ist eher Ver­lass“, und er kön­ne von bü­ro­kra­ti­schen Auf­ga­ben be­freit wer­den.

Da fällt ei­nem als ers­tes VW ein. Mehr ta­rif­ge­bun­den als die Wolfs­bur­ger kann ein Un­ter­neh­men kaum sein. Der Die- selskan­dal spricht da­ge­gen, dass auf den Kon­zern Ver­lass ist. Daim­ler hat we­gen des Lk­wKar­tells ei­ne Mil­li­ar­den-Stra­fe ge­zahlt. Selbst die Dro­ge­rie­markt-Ket­te Schle­cker hat­te ei­nen Ta­rif­ver­trag. Das sind al­les nicht ge­ra­de Bei­spie­le da­für, dass ta­rif­ge­bun­de­ne Un­ter­neh­men be­son­ders ver­läss­lich sind.

Au­ßer­dem: An wel­che „bü­ro­kra­ti­sche Auf­la­gen“denkt Alt­mai­er? Sol­len ta­rif­ge­bun­de­ne Un­ter­neh­men ei­ne ein­fa­che­re Steu­er­er­klä­rung ab­ge­ben? Sol­len bei ih­nen die Min­dest­lohn­Kon­trol­len la­xer aus­fal­len? Alt­mai­er soll­te mehr über sei­ne Ide­en nach­den­ken, statt un­aus­ge­go­re­nen Un­sinn zu er­zäh­len.

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