Ein Heim für Kat­zen

Lu­no­wer baut seit Jah­ren an mehr­stö­cki­ger Wohl­fühl­oa­se für Mie­zen / Der­zeit lebt nur ei­ne Be­woh­ne­rin dar­in

Märkische Oderzeitung Eberswalde - - Vorderseite - Von Mar­co Marschall

Lu­now. Be­geh­ba­rer Kratz­baum oder Miez-Haus – seit Jah­ren wer­kelt Bernd Lo­renz an ei­ner Wohl­fühl­oa­se für sei­ne tie­ri­schen Mit­be­woh­ner.

Lu­now. Bernd Lo­renz mag es aus­ge­fal­len. Da­bei ist er gar kein Pa­ra­dies­vo­gel. In Lu­now hat er ein Kat­zen­haus der Ex­t­ra­klas­se ge­baut – mit Tun­nel­gän­gen, Pool, Klet­ter­hal­le, Wohn­zim­mer und Aus­sichts­turm. War­um? Weil er es kann.

Sieg­fried und Roy dürf­ten sich in der Lü­ders­dor­fer Stra­ße 18 wohl­füh­len. Das Ge­höft von Bernd Lo­renz hat in Tei­len durch­aus Las-Ve­gas-Cha­rak­ter. Die Fas­sa­de sei­nes Ei­gen­heims, in dem der 55-jäh­ri­ge mit sei­ner äl­te­ren Schwes­ter lebt, trägt statt Putz Flie­sen und er­in­nert an ein ori­en­ta­li­sches Bad. Im Vor­gar­ten tum­meln sich al­ler­hand Fi­gu­ren. Un­ter an­de­rem ein ton­nen­schwe­rer Dra­che und ein Ti­ger aus ech­tem Mar­mor. Im Wohn­haus hat der ge­lern­te Fach­ver­käu­fer für In­dus­trie­han­del die Wän­de mit ver­schie­den­far­bi­gen Glas­mu­scheln ver­ziert. Im Ein­gang wird man von ei­ner Schau­fens­ter­pup­pe mit li­la Haa­ren be­grüßt – die li­mi­tier­te Auf­la­ge ei­ner Nach­tel­fe aus dem Com­pu­ter­spiel „World of War­craft“, wie der Haus­herr er­klärt. Das ha­be er nie ge­spielt. Doch er mag die aus­ge­fal­le­nen Fi­gu­ren. Kit­schig wür­de er sein In­te­ri­eur nicht nen­nen. „Lie­ber bunt“, sagt der Mann, der schon von Kind­heit an in Lu­now lebt. Das Haus ge­hör­te einst sei­nen El­tern.

Ei­gent­li­cher Hin­gu­cker ist al­ler­dings das mit le­bens­gro­ßen Lö­wen ge­schmück­te Ge­bäu­de in zwei­ter Rei­he. Die gol­de­ne Raub­kat­ze, die an der Spit­ze thront ist ei­gent­lich ein Ve­ne­zia­ni­scher Lö­we. We­gen der Wind­ver­hält­nis­se in so luf­ti­ger Hö­he hat Bernd Lo­renz ihm si­cher­heits­hal­ber die Flü­gel ab­mon­tiert. Die Tie­re wei­sen auch auf den Zweck des Gan­zen hin: es han­delt sich um ein Kat­zen­haus. Und zwar ei­nes, das nicht nur äu­ßer­lich in Stau­nen ver­setzt.

„Mei­ne frü­he­re Part­ne­rin hat tür­ki­sche Van-Kat­zen ge­züch­tet“, er­klärt der Er­bau­er. Zu Spit­zen­zei­ten ha­ben mehr als 20 Tie­re in den Räu­men ge­lebt. Das ist 15 Jah­re her. Der­zeit hat die schwar­ze Cas­sy als ein­zi­ge Kat­ze des Lu­no­wers al­le Ge­schos­se für sich al­lein.

Gleich un­ten am Ein­gang be­fin­det sich ge­wis­ser­ma­ßen der Pool. Da die tür­ki­schen Ras­se­kat­zen von da­mals auch als Schwimm­kat­zen be­zeich­net wer­den und kein Was­ser scheu­en, hat Bernd Lo­renz den Be­reich so ge­baut, dass er ge­flu­tet wer­den kann. Vom Kat­zen­bad geht es in ein Wohn­zim­mer mit Pols­ter­mö­beln und So­fa­kis­sen. Über ei­ne Lei­ter er­reicht der Be­su­cher die zwei­te Eta­ge – ei­ne Art Klet­ter­park. Wuls­ti­ge Stäm­me, die durch den hell­brau­nen An­strich fast künst­lich wir­ken. An vie­len Stel­len fin­den sich holz­far­be­ne Dra­chen­fi­gu­ren.

Die Tür vom Klet­ter­park führt auf ei­ne Ter­ras­se. Der Haus­gast läuft auf Git­ter­plat­ten. Roh­re sind mit Me­tall­stre­ben ver­bun- den. Zink und Alu­mi­ni­um. Die vor­he­ri­ge Ei­sen­kon­struk­ti­on hat Bernd Lo­renz we­gen Rost er­setzt. „Das hält al­les“, ver­si­chert er. Und tat­säch­lich macht das Ge­rüst ei­nen sta­bi­len Ein­druck. Zehn­tau­sen­de Schrau­ben sei­en dar­in ver­baut.

Von der Ter­ras­se ge­langt man über zwei Lei­tern in die Spit­ze – dort­hin, wo der Ve­ne­zia­ni­sche Lö­we steht. Von die­ser Platt­form reicht der Blick übers Dorf bis hin­ter die Oder. Weit hin­ten am Ho­ri­zont lässt sich der Kirch­turm der pol­ni­schen Kle­in­stadt Ce­dy­nia er­ah­nen. Ob die Po­len mit dem Fern­glas wohl auch die Lu­no­wer Lö­wen se­hen kön­nen?

„Rei­se­bus­se aus den USA und den Nie­der­lan­den wa­ren schon hier“, be­rich­tet Bernd Lo­renz über die in­ter­na­tio­na­le Trag­wei­te sei­ne Schaf­fens. Noch im­mer baut er akri­bisch am fast lee­ren Kat­zen­haus, durch das

sich die Tie­re nicht über Lei­tern, son­dern in ei­nem Tun­nel­sys­tem von Raum zu Raum be­we­gen. Es en­det oben in ei­nem ver­glas­ten Aus­guck auf dem Dach.

„Ich bin ein Per­fek­tio­nist“, sagt der Bast­ler. Je­der Mil­li­me­ter müs­se stim­men, sonst rei­ße er al­les wie­der ab. Das meis­te aber, was er hand­werk­lich an­packt, ge­lin­ge. Wo­her das kommt, kann sich der Hob­by­me­teo­ro­lo­ge selbst nicht er­klä­ren. Er nimmt

sich Zeit fürs Bau­en, lebt spar­sam, leis­tet sich kei­ne Ur­laubs­rei­sen. Sein Kat­zen­haus ist seit 1999 stück­wei­se ge­wach­sen.

Nächs­tes Pro­jekt des Lu­no­wers ist ein gro­ßer Brun­nen mit Lö­wen­kopf als Was­ser­spei­er im Vor­gar­ten. Der Roh­bau steht schon. Noch aber gibt es am Kat­zen­haus zu viel zu tun.

Fo­tos (3): Tho­mas Burck­hardt

Die Lö­wen von Lu­now: Auf drei Eta­gen zie­ren die Raub­kat­zen aus Plas­tik das Kat­zen­haus und sind schon von Wei­tem zu se­hen. Ei­ne Fi­gur wiegt et­wa 100 Ki­lo.

Rein durchs Rohr: Der Tun­nel­ein­gang auf dem Dach ist ei­ner der We­ge ins Kat­zen­haus. Links gibt es ei­nen Aus­guck.

Fau­chen­de Haus­da­me: Bernd Lo­renz hat Kat­ze Cas­sy im Klet­ter­raum fürs Foto ein­ge­fan­gen, der so viel Auf­merk­sam­keit nicht be­hagt.

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