Die Di­gi­tal­steu­er muss kom­men

Märkische Oderzeitung Eberswalde - - Meinungen Und Hintergrund - Igor St­eIn­le

Seit Jah­ren rech­nen sich die US-Di­gi­tal­kon­zer­ne trick­reich arm. Trotz Fan­tas­til­li­ar­den-Um­sät­zen zah­len Goog­le, Ama­zon, Face­book und App­le in Eu­ro­pa um ein Viel­fa­ches we­ni­ger Steu­ern als Kon­zer­ne al­ter Schu­le. 70 Mil­li­ar­den Eu­ro ge­hen den EU-Staa­ten so jähr­lich durch die Lap­pen. Was US-Prä­si­dent Do­nald Trump ver­schweigt, wenn er die ach so un­ge­rech­ten Han­dels­be­zie­hun­gen kri­ti­siert: Die US-In­ter­ne­trie­sen leh­nen es ab, sich an den Kos­ten der In­fra­struk­tur zu be­tei­li­gen, die sie hier­zu­lan­de nut­zen. Das muss nicht nur an­ge­gan­gen wer­den, weil es un­ge­recht ist. Es geht um mehr: Um die Fol­gen der Di­gi­ta­li­sie­rung zu be­wäl­ti­gen, ist es un­aus­weich­lich, die Kon­zer­ne zur Kas­se zu bit­ten. Aber wie?

Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel hat­te kürz­lich ei­ne Idee: Man kön­ne die Da­ten be­steu­ern, die die­se Kon­zer­ne nut­zen. In Fach­krei­sen wur­de schon dis­ku­tiert, ob es sich bei der Be­reit­stel­lung von ver­meint­lich kos­ten­lo­sen An­ge­bo­ten wie so­zia­len Netz­wer­ken oder Na­vi­ga­ti­ons­Apps im Tausch für per­sön­li­che Da­ten nicht um ein Ge­schäft han­delt, das der Um­satz­steu­er un­ter­liegt. Es schei­ter­te dar­an, dass Da­ten sich nicht über ei­nen Kamm sche­ren und mit ei­nem Preis ver­se­hen las­sen. Das än­dert nichts dar­an, dass die Di­gi­tal­steu­er her muss. Sie wür­de dem Staat, der mit der Fi­nan­zie­rung von Pfle­ge, Bildung und In­fra­struk­tur über­for­dert ist, wie­der mehr Spiel­raum ver­schaf­fen. Un­ter vor­ge­hal­te­ner Hand re­den So­zi­al­de­mo­kra­ten et­wa schon län­ger da­von, dass neue Ein­nah­me­quel­len her müs­sen, soll der Staat auch im 21. Jahr­hun­dert hand­lungs­fä­hig und die schwar­ze Null un­an­ge­tas­tet blei­ben. Da­bei dürf­ten sie das The­ma ru­hig of­fe­ner an­spre­chen. Denn ei­ne Di­gi­tal­steu­er wä­re auch ei­ne ent­schlos­se­ne Ant­wort auf Straf­zöl­le aus den USA.

Vor al­lem aber wä­re sie ein Sym­bol des Pri­mats der Po­li­tik über die ame­ri­ka­ni­schen Mul­tis. Gut mög­lich, dass sie da­bei nicht nur trick­sen­de US-Rie­sen trifft. Dra­ma­tisch wä­re das nicht. Auch die deut­sche In­dus­trie au­to­ma­ti­siert ih­re Pro­duk­ti­on im­mer­fort und be­nö­tigt im­mer we­ni­ger Men­schen. Das stei­gert ih­re Ge­win­ne auf Kos­ten des So­zi­al­sys­tems. Ver­langt man da­für ei­nen fi­nan­zi­el­len Aus­gleich, wür­de man den Bür­gern ein star­kes Si­gnal ge­ben. Es könn­te lau­ten: Wir las­sen nicht zu, dass Ge­win­ne pri­va­ti­siert wer­den, wäh­rend die Fol­ge­kos­ten der Di­gi­ta­li­sie­rung die Ge­sell­schaft be­zah­len darf.

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