Recht­lich okay, po­li­tisch fa­tal

Was hin­ter dem Mi­nis­ter­ent­scheid steckt

Märkische Oderzeitung Eberswalde - - Meinungen Und Hintergrund - VON AN­DRÉ BOCHOW UND MA­THI­AS PUD­DIG

Berlin. CDU und CSU strei­ten sich, und wenn es kei­nen Kom­pro­miss gibt, droht See­ho­fer schon, not­falls per Mi­nis­ter­ent­scheid zu han­deln. Schon am Mon­tag kön­ne er sich den Auf­trag des CSU-Vor­stan­des ein­ho­len, sag­te See­ho­fer am Don­ners­tag. Da­bei ist das gar nicht nö­tig, wie Ver­fas­sungs­recht­ler Ul­rich Bat­tis er­klärt. „Mi­nis­ter­ent­schei­de sind das Ta­ges­ge­schäft“, sagt er. Wenn es et­wa um Per­so­na­li­en, die Or­ga­ni­sa­ti­on ei­nes Mi­nis­te­ri­ums und Stra­te­gie­ent­schei­dun­gen geht, dann kann dem Res­sort­chef we­der ein Mi­nis­ter­kol­le­ge noch die Kanz­le­rin rein­re­den.

Nur: In die­sem Fall kommt zu der recht­li­chen Fra­ge noch die po­li­ti­sche. In­nen­mi­nis­ter See­ho­fer wür­de im Fal­le des Fal­les ei­nen Er­lass von Tho­mas de Mai­ziè­re durch ei­nen neu­en er­set­zen. Der hat­te 2015, auf dem Hö­he­punkt der Flücht­lings­kri­se, an­ge­ord­net, dass „aus völ­ker­recht­li­chen oder hu­ma­ni­tä­ren Grün­den oder zur Wah­rung po­li­ti­scher In­ter­es­sen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land“von Ein­rei­se­ver­wei­ge­run­gen ab­ge­se­hen wer­den kann.

Ver­fas­sungs­recht­ler Bat­tis nennt die­sen Punkt gar die „ent­schei­den­de po­li­ti­sche Fra­ge seit 2015“. Und da kommt See­ho­fers Be­fug­nis zum Mi­nis­ter­ent­scheid mit der Richt­li­ni­en­kom­pe­tenz der Kanz­le­rin ins Ge­he­ge. „Die Kanz­le­rin be­stimmt die Richt­li­ni­en der Po­li­tik. Und so ei­ne hoch­po­li­ti­sche Fra­ge soll­te nicht mit ei­nem Mi­nis­ter­ent­scheid ge­löst wer­den“, sagt Bat­tis. Er sieht der­zeit drei mög­li­che Aus­we­ge: ent­we­der See­ho­fer tritt zu­rück, oder er ver­liert sein Ge­sicht, oder die Kanz­le­rin bit­tet Bun­des­prä­si­dent St­ein­mei­er um die Ent­las­sung des In­nen­mi­nis­ters. An ein kon­struk­ti­ves Miss­trau­ens­vo­tum glaubt Bat­tis nicht. „Es kann aber sein, dass die Kanz­le­rin plötz­lich mit ei­ner Min­der­heits­re­gie­rung da­steht.“

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