Das Tem­po noch stei­gern

Märkische Oderzeitung Eberswalde - - Wirtschaft - Kommentar Hel­mut ScHnei­der

Gleich drei für die Geld­po­li­tik wich­ti­ge Nach­rich­ten sind jetzt zu­fäl­lig zu­sam­men­ge­trof­fen. Die US-No­ten­bank Fed hat den Leit­zins er­neut leicht auf jetzt na­he 2,0 Pro­zent er­höht; in Eu­ro­pa ist die In­fla­ti­ons­ra­te im Mai auf 1,9 und in Deutsch­land so­gar auf 2,2 Pro­zent ge­stie­gen. Und drit­tens be­schleu­nigt die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) den lang­sa­men Aus­stieg aus der Po­li­tik des bil­li­gen Gel­des.

Das war auch das min­des­te, was man von Draghi & Co er­war­ten muss­te. Dass in der Eu­ro­zo­ne der Leit­zins un­ver­än­dert bei Null bleibt, ist pro­ble­ma­tisch, weil sich das Um­feld in­zwi­schen ver­än­dert hat – sie­he US-Zins­er­hö­hung und stei­gen­de In­fla­ti­on in Eu­ro­pa.

Über Drag­his Nied­rig- bis Null­zin­sen ist ge­nug ge­schrie­ben und auch über­trie­ben ge­klagt wor­den, zu­min­dest in Deutsch­land. Sie wa­ren gleich­wohl rich­tig, sind es aber in­zwi­schen nicht mehr. Denn wenn die Zin­sen zwi­schen USA und Eu­ro­pa im­mer mehr aus­ein­an­der drif­ten, zieht dies Ka­pi­tal aus Eu­ro­pa weg nach Über­see.

Zwei­tens zeich­net sich ab, dass die In­fla­ti­on mit­tel­fris­tig nicht mehr deut­lich fal­len wird, weil das die Ener­gie­kos­ten ver­mut­lich auch nicht tun wer­den und die Kon­junk­tur in Eu­ro­pa eher an­zieht. Die EZB zieht ganz lang­sam die Zü­gel an. Zu lang­sam – aber sie hat es in der Hand, das Tem­po noch zu stei­gern. Wo­hin die Rei­se geht, ist we­nigs­tens klar.

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