To­te Flie­gen im Wein er­schnüf­feln

Die US-ame­ri­ka­ni­sche Har­vard-Uni­ver­si­tät hat mal wie­der die bi­zarrs­ten For­schungs­pro­jek­te aus­ge­zeich­net

Märkische Oderzeitung Eisenhüttenstadt - - Aus Aller Welt - Von Chris­ti­na hors­ten

Bos­ton. Nie­ren­stei­ne per Ach­ter­bahn raus­schleu­dern: Zehn wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en, die „erst zum La­chen und dann zum Den­ken an­re­gen“, sind an der Har­vard-Uni­ver­si­tät mit den so­ge­nann­ten Ig-No­bel­prei­sen aus­ge­zeich­net wor­den.

Die tra­di­tio­nell schril­le Ga­la mit mehr als 1000 Zu­schau­ern fand in der Nacht zum Frei­tag be­reits zum 28. Mal statt. Die un­do­tier­ten Aus­zeich­nun­gen sol­len „das Un­ge­wöhn­li­che fei­ern und das Fan­ta­sie­vol­le eh­ren“. Zwi­schen­durch flie­gen Pa­pier­flie­ger durch die Luft, es gibt Sket­che und bi­zar­re Kurz-Opern. Der Ig-No­bel­preis („igno­b­le“heißt auf Deutsch un­wür­dig) wur­de dies­mal in Form ei­nes Pa­pier­her­zens ver­lie­hen.

Wis­sen­schaft­ler aus den USA be­ka­men den Preis in der Ka­te­go­rie Me­di­zin, weil sie ver­sucht hat­ten, durch Ach­ter­bahn­fah­ren Nie­ren­stei­ne schnel­ler aus­zu­schei­den. „Die ei­gent­li­che An­er­ken­nung ge­bührt aber ei­nem mei­ner Pa­ti­en­ten“, sag­te Da­vid War­tin­ger in sei­ner Dan­kes­re­de. Die­ser sei bei ei­nem Be­such in ei­nem Ver­gnü­gungs­park im­mer wie­der Ach­ter­bahn ge­fah­ren und ha­be da­nach je­weils ei­nen Nie­ren­stein aus­ge­schie­den. Dar­auf­hin hät­ten er und sein Kol­le­ge Marc Mit­chell sich der wis­sen­schaft­li­chen Er­for­schung des The­mas an­ge­nom­men.

For­scher aus Deutsch­land, Schwe­den, Ko­lum­bi­en, Frank­reich und der Schweiz er­hiel­ten den Preis in der Ka­te­go­rie Bio­lo­gie für den Nach­weis, dass WeinEx­per­ten rie­chen kön­nen, ob in

ih­rem Wein­glas ei­ne Flie­ge er­trun­ken ist. Sie wüss­ten nicht, war­um Men­schen in der La­ge sind, die­sen Ge­ruch zu er­ken­nen, aber sie wüss­ten, dass der Ge­ruch der to­ten Flie­ge den Wein ver­dirbt, sag­te der Wis­sen­schaft­ler Paul Be­cher.

Wis­sen­schaft­ler aus Deutsch­land, Schwe­den, Ru­mä­ni­en, Dä­ne­mark, den Nie­der­lan­den, Groß­bri­tan­ni­en, In­do­ne­si­en und Ita­li­en wur­den in der Ka­te­go­rie Anthropologie aus­ge­zeich­net,

weil sie in ei­nem Zoo nach­ge­wie­sen hat­ten, dass Schim­pan­sen Men­schen et­wa ge­nau­so oft und ge­nau­so gut imi­tie­ren wie Men­schen Schim­pan­sen.

For­scher aus Ka­na­da, Chi­na, Sin­ga­pur und den USA er­hiel­ten den Preis in der Ka­te­go­rie Wirt­schaft für ih­re Un­ter­su­chung, ob es ef­fek­tiv für Ar­beit­neh­mer ist, Voo­doo-Pup­pen ge­gen über­grif­fi­ge Chefs zu ver­wen­den. Die Ant­wort sei Ja, sag­te Wis­sen­schaft­le­rin Lin­die Hanyu Liang.

„Die Men­schen füh­len sich viel bes­ser da­nach, sie füh­len sich, als ob Ge­rech­tig­keit wie­der­her­ge­stellt wor­den ist.“Zu­dem dank­te sie ih­rem frü­he­ren Chef, „weil er mir al­les dar­über bei­ge­bracht hat, wie man mit über­grif­fi­gen Chefs um­geht“.

Wis­sen­schaft­ler aus Por­tu­gal be­ka­men den Preis in der Ka­te­go­rie Che­mie, weil sie ana­ly­sier­ten, wie gut sich mensch­li­che Spu­cke als Putz­mit­tel eig­net. „Mensch­li­che Spu­cke ist wirk­lich

ein gu­tes Putz­mit­tel, zu­min­dest für ei­ni­ge Ober­flä­chen“, sag­te Pau­la Ro­mao.

In der Ka­te­go­rie Ernährung wur­de ein Wis­sen­schaft­ler aus Groß­bri­tan­ni­en ge­ehrt, der be­rech­ne­te, dass die Ka­lo­ri­en­auf­nah­me bei ei­ner Ernährung aus­schließ­lich mit Men­schen­fleisch deut­lich ge­rin­ger ist als die Ka­lo­ri­en­auf­nah­me bei den meis­ten an­de­ren tra­di­tio­nel­len Er­näh­rungs­wei­sen mit Fleisch.

(dpa)

Fo­to: dpa/Ale­xey Eli­se­ev/Im­pro­bable Re­se­arch

For­schungs­ar­beit für sen­si­ble Schnüff­ler: Die Lau­da­to­ren und ech­ten No­bel­preis­trä­ger Eric S. Mas­kin (2.v.l.–r.) Wolf­gang Ket­ter­le, Micha­el Ros­bash und Oli­ver Hart ver­su­chen sich bei der Ver­lei­hung des Ig-No­bel­prei­ses am Wein-Flie­gen-Test.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.