Po­li­ti­ke­rin be­sucht Kran­ken­haus

Lan­des­po­li­ti­ke­rin folgt ei­ner Ein­la­dung ins Kran­ken­haus Ei­sen­hüt­ten­stadt / Wach­sen­de Bü­ro­kra­tie kri­ti­siert

Märkische Oderzeitung Eisenhüttenstadt - - Vorderseite - Von Ja­neT nei­ser

Ei­sen­hüt­ten­stadt. Die ge­sund­heits­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Lin­ken, Bet­ti­na Fort­u­n­a­to hat sich am Frei­tag vor Ort ein Bild vom Ei­sen­hüt­ten­städ­ter Kran­ken­haus ge­macht.

Ei­sen­hüt­ten­stadt. Um die Zu­kunft des Kran­ken­hau­ses Ei­sen­hüt­ten­stadt ist es am Frei­tag bei ei­nem Ar­beits­be­such der lin­ken Lan­des­po­li­ti­ke­rin Bet­ti­na Fort­u­n­a­to ge­gan­gen. Sie wur­de mit Sor­gen und Her­aus­for­de­run­gen in dem kom­mu­na­len Haus kon­fron­tiert.

„Doch, ich schät­ze sie nach die­sen an­dert­halb St­un­den“, sagt Dr. med. Er­can Kert­men aus dem Ei­sen­hüt­ten­städ­ter Kran­ken­haus in Rich­tung Bet­ti­na Fort­u­n­a­to. Und er macht das nicht an ih­rer po­li­ti­schen Hal­tung fest, son­dern an ei­nem für ihn ganz ent­schei­den­den Punkt: „Sie kön­nen zu­hö­ren.“Das sei nicht selbst­ver­ständ­lich. Die ge­sund­heits­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Land­tags­frak­ti­on Die Lin­ke war der Ein­la­dung der Lan­des­kran­ken­haus­ge­sell­schaft Bran­den­burg (LKB) ins Städ­ti­sche Kran­ken­haus ge­folgt. Und sie nahm sich Zeit, lausch­te den Aus­füh­run­gen der Ärz­te und des Kran­ken­hausGe­schäfts­füh­rers.

Das Land ste­he zu al­len Kran­ken­häu­sern in Bran­den­burg, be­teu­ert Bet­ti­na Fort­u­n­a­to. „Al­le sol­len er­hal­ten wer­den.“Un­ter an­de­rem des­halb sol­len 20 Mil­lio­nen Eu­ro zu­sätz­lich für In­ves­ti­tio­nen in den Kran­ken­häu­sern zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den. Das sei er­freu­lich, kom­men­tier­te Dr. Det­lef Trop­pens, Vor­sit­zen­der der LKB, die Än­de­rungs­an­trä­ge von SPD und Lin­ken für den Bran­den­bur­ger Dop­pel­haus­halt. Doch die In­ves­ti­ti­ons­mit­tel, die das Land je­des Jahr für die 53 Kli­ni­ken be­reit­stel­le, wür­den seit Jah­ren de­fi­ni­tiv nicht aus­rei­chen. „Be­nö­tigt wer­den rund 180 Mil­lio­nen Eu­ro“, teilt die LKB mit. Da­mit be­ste­he bis­lang ei­ne För­der­lü­cke von 100 Mil­lio­nen Eu­ro. Die Fol­ge die­ser Po­li­tik mit dem eng ge­schnall­ten Gür­tel: Not­wen­di­ge In­ves­ti­tio­nen in me­di­zin­tech­ni­sche und bau­li­che An­la­gen müs­sen ver­scho­ben, Kre­di­te auf­ge­nom­men wer­den. Und die Be­triebs­ge­win­ne rei­chen oft nicht aus. Das ge­he am En­de auf Kos­ten der Pa­ti­en­ten und Mit­ar­bei­ter.

Till Froh­ne, Ge­schäfts­füh­rer des Kran­ken­hau­ses, kri­ti­siert zu­dem, dass man vom Bund im­mer wie­der Kos­ten für Neu­es auf­ge­bür­det be­kä­me, was beim Pa­ti­en­ten, wenn über­haupt, dann nur

ru­di­men­tär an­kom­men wür­de. Zu­dem dür­fe es nicht da­zu kom­men, dass ir­gend­wann für Kran­ken­häu­ser in der Pe­ri­phe­rie die sel­ben Vor­ga­ben gel­ten wür­den wie für die Cha­rité. „Das wol­len wir ja ge­ra­de nicht zu­las­sen“, si­cher­te Bet­ti­na Fort­u­n­a­to zu. Sie sei zu­ver­sicht­lich, dass man so et­was ver­hin­dern kön­ne. „Ich bin stur“, mein­te sie mit ei­nem Lä­cheln. Und an­de­re im Land­tag sei­en es auch.

Für Dr. med. Er­can Kert­men steht fest: „Es wird der­zeit viel zu viel über Land­ärz­te ge­re­det. In der sta­tio­nä­ren Me­di­zin knirscht es auch.“Und wenn ein Kran­ken­haus wie das in Ei­sen­hüt­ten­stadt ir­gend­wann nicht mehr da sein soll­te, dann gä­be es auch die Re­gi­on nicht mehr. „Kran­ken­häu­ser wie die­ses müs­sen ge­stützt

wer­den, um die Re­gi­on zu hal­ten.“An ei­nem sol­chen Haus hän­gen auch Ar­beits­plät­ze und es er­folgt ei­ne ärzt­li­che Aus­bil­dung. All das wür­de weg­fal­len, wenn das Kran­ken­haus ver­schwin­det. Ein zwei­ter Punkt, der ihm wich­tig ist: „Die Bü­ro­kra­tie ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auf­ge­blüht.“Den Pa­ti­en­ten aber brin­ge es gar nichts, dass die Ärz­te und das Pfle­ge­per­so­nal im­mer mehr Zeit in die Bü­ro­kra­tie ste­cken müss­ten.

„Wir müs­sen ge­mein­sam Kon­zep­te fin­den“, plä­dier­te Bet­ti­na Fort­u­n­a­to. Dr. Jens-Uwe Schreck, Ge­schäfts­füh­rer der LKB, stimm­te ihr da zu, sprach von gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen, mach­te aber klar: „Die In­ves­ti­ti­ons­kos­ten zu fi­nan­zie­ren, das ist die Pflicht des Lan­des.“

Fo­to: Ger­rit Frei­tag

Rund­gang durchs Kran­ken­haus: Lan­des­po­li­ti­ke­rin Bet­ti­na Fort­u­n­a­to (Die Lin­ke) und Dr. Jens-Uwe Schreck (l.) von der Lan­des­kran­ken­haus­ge­sell­schaft lie­ßen sich von Dr. med Er­can Kert­men (r.) und Kran­ken­haus-Ge­schäfts­füh­rer Till Froh­ne das Haus zei­gen.

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