Freie Schu­len ge­hen leer aus

Fürs­ten­wal­der Haupt­aus­schuss will För­der­geld nur für städ­ti­sche Ein­rich­tun­gen nut­zen / Jetzt ha­gelt es Kri­tik

Märkische Oderzeitung Fürstenwalde - - Vorderseite - Von Man­ja wil­de

Fürs­ten­wal­de. Der Fürs­ten­wal­der Haupt­aus­schuss will 3,66 Mil­lio­nen För­der­gel­der für Schul­sa­nie­run­gen vom Bund al­lein den städ­ti­schen Ein­rich­tun­gen zu­gu­te­kom­men las­sen.

Fürs­ten­wal­de. 3,66 Mil­lio­nen Eu­ro För­der­geld er­hält Fürs­ten­wal­de vom Bund für die Sa­nie­rung von Schu­len im Stadt­ge­biet – 1045 Eu­ro je Schü­ler. Doch ob­wohl 57 Pro­zent die­ser Schü­ler an Schu­len in frei­er Trä­ger­schaft ler­nen, sol­len die­se leer aus­ge­hen. Zu­min­dest laut Vo­tum des Haupt­aus­schus­ses. Es ha­gelt Kri­tik. Die Ver­wal­tung be­schwich­tigt.

„Ich bin scho­ckiert“, sagt Jürgen Hancke, kauf­män­ni­scher Vor­stand der Sa­ma­ri­ter­an­stal­ten. Er hat gut 295 000 Eu­ro aus dem Kom­mu­nal­in­ves­ti­ti­ons­pro­gramm (KInvFG) des Bun­des be­an­tragt, um da­mit Akus­tik und Licht­ver­hält­nis­se in vier Schul­ge­bäu­den in Fürs­ten­wal­de zu ver­bes­sern. „Wir ha­ben geis­tig be­hin­der­te Schü­ler mit schwe­ren au­tis­ti­schen Stö­run­gen. Die Ge­räusch­ku­lis­se ist enorm. Mit dem Geld wol­len wir drin­gen­de Schall­schutz­pro­jek­te an­schie­ben“, ver­deut­licht Hancke. Ins­ge­samt be­lie­fen sich die Kos­ten der Bau­vor­ha­ben auf 164 100 Eu­ro für die Burg­dor­fund 275 900 Eu­ro für die Korcz­ak-Schu­le. „Wir sind mit dem An­trag un­ter­halb der mög­li­chen För­de­rung ge­blie­ben“, be­tont er. Dass nun gar nichts flie­ßen sol­le, ob­wohl er von der Stadt­ver­wal­tung be­reits po­si­ti­ve Si­gna­le er­hielt, ver­steht er nicht.

Der Stadt Fürs­ten­wal­de wur­den für 3502 Schü­ler Mit­tel zu­ge­wie­sen. 57 Pro­zent die­ser Kin­der und Ju­gend­li­chen ler­nen an frei­en Schu­len, der Rest an Schu­len in Trä­ger­schaft der Stadt. Aus­ge­schlos­sen sind Ein­rich­tun­gen des Land­krei­ses (Ober­schu­len, Scholl-Gym­na­si­um und Ober­stu­fen­zen­trum). Der Stadt steht es frei, wie sie die För­der­mit­tel ver­tei­len will.

„Ju­ris­tisch ge­se­hen muss die Stadt freie Trä­ger nicht be­rück­sich­ti­gen“, weiß Hancke. „Schul­po­li­tisch ge­se­hen gibt es aber ei­ne Ge­samt­ver­ant­wor­tung“, fin­det er. Ver­tre­ter des Ka­tho­li­schen Schul­zen­trums Bern­har­di­num, der Rahn Edu­ca­ti­on und der FAW gGm­bH se­hen es genau­so. Aus die­sem Grund hat­ten die Sa­ma­ri­ter­an­stal­ten am Mon­tag kurz­fris­tig ei­ne Pres­se­kon­fe­renz mit den an­de­ren Trä­gern frei­er Schu­len ein­be­ru­fen.

Aus­lö­ser war das Vo­tum des Haupt­aus­schus­ses der Stadt Fürs­ten­wal­de. Der be­schäf­tig­te sich in der ver­gan­ge­nen Wo­che mit den An­trä­gen der frei­en Schu­len. Käm­me­rer Eck­hard

Feh­se sag­te zu Be­ginn, dass er die Vor­la­ge „mit gro­ßem Wi­der­wil­len auf den Weg ge­bracht“ha­be. Er er­in­ner­te dar­an, dass das För­der­geld für die städ­ti­sche Theo­dor-Fon­ta­ne-Grund­schu­le ge­braucht wer­de. Rund 5,4 Mil­lio­nen Eu­ro be­tra­gen die Bau­kos­ten für Er­wei­te­rung und Bar­rie­re­frei­heit. Aus Teil eins des KInvFG flie­ßen 1,6 Mil­lio­nen Eu­ro in das Pro­jekt, aus dem lan­ge in Aus­sicht ge­stell­ten zwei­te Teil soll­te auch ei­ne gro­ße Sum­me kom­men. Als die Stadt mit die­sem Wis­sen ih­ren Haus­halt be­schloss, gab es die Richt­li­nie,

nach der das Land die För­de­rung ver­teilt, noch nicht. Es war nicht klar, dass die Stadt das Geld auch an freie Schul­trä­ger ver­tei­len soll. „Es war nur klar, dass die Stadt 3,66 Mil­lio­nen Eu­ro kriegt“, sagt Iri­na Retzlaff vom För­der­mit­tel­ma­nage­ment der Stadt. Das Geld er­hal­ten nur fi­nanz­schwa­che Kom­mu­nen. Auf den Land­kreis trifft das nicht zu, dar­um be­kom­men des­sen Schu­len kein Geld aus dem Topf.

„Der schwar­ze Pe­ter liegt bei uns“, sag­te Feh­se. Ob­wohl die För­der­richt­li­nie erst An­fang Fe­bru­ar er­schien, müs­sen die För­der­an­trä­ge mit weit fort­ge­schrit­te­ner Pla­nung bis 30. April ein­ge­reicht wer­den. „Es müss­ten al­so Schub­la­den-Pro­jek­te sein“, sag­te der Käm­me­rer. „Das Land zieht uns über den Tisch. Der schwar­ze Pe­ter für Nicht­fi­nan­zie­rung frei­er Schu­len wird uns in die Schu­he ge­scho­ben“, är­ger­te sich Stephan Wen­de (Lin­ke). Er lehn­te ei­nen Kom­pro­miss ab. Der Rest des Gre­mi­ums auch. Nie­mand stimm­te für die Be­schluss­vor­la­ge der Ver­wal­tung (sie­he Kas­ten).

Die Ent­schei­dung ob­liegt aber der Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung, die am 26. April tagt. Bis da­hin, hofft Iri­na Retzlaff, über­den­ken die Ab­ge­ord­ne­ten ih­re Mei­nung. „Wir sind froh über un­se­re Schul­land­schaft“, be­tont sie. Die gro­ße Viel­falt ge­hö­re zu den Stand­ort­vor­tei­len der Stadt. Zu­dem kön­ne die Er­wei­te­rung der Fon­ta­ne-Grund­schu­le an­ders ge­för­dert wer­den. 90 Pro­zent der Kos­ten, so wie beim KInvFG, wür­den beim Al­ter­na­tiv-Pro­gramm aber nicht ge­tra­gen. Um 300 000 Eu­ro wür­de der Ei­gen­an­teil der Stadt stei­gen. „Das müss­te man aber ver­kraf­ten“, sagt Iri­na Retzlaff. Auch Noch-Bür­ger­meis­ter Hans-Ul­rich Hengst ha­be das den frei­en Trä­gern so zu­ge­sagt.

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