EU blickt in Sy­ri­ens Zu­kunft

Au­ßen­mi­nis­ter pla­nen Wie­der­auf­bau un­ter UN-Man­dat / „Ver­ständ­nis“für Ra­ke­ten­an­griff

Märkische Oderzeitung Fürstenwalde - - Nachrichten - Von Chris­ti­an Kerl

Luxemburg. In der EU tut man sich schwer mit ei­ner klar un­ter­stüt­zen­den Hal­tung zu den US-ge­führ­ten Luft­an­grif­fen ge­gen mut­maß­li­che Che­mie­waf­fen­ein­rich­tun­gen in Sy­ri­en. Statt­des­sen nimmt man ei­ne mög­li­che Nach­kriegs­ord­nung und ei­ne eu­ro­päi­sche Wie­der­auf­bau­hil­fe in den Blick.

In der EU wer­den die Ra­ke­ten­an­grif­fe von Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en und den USA auf sy­ri­sche Che­mie­waf­fen­an­la­gen nicht un­ein­ge­schränkt un­ter­stützt, die Atta­cke spal­tet die Ge­mein­schaft der 28. Doch die Au­ßen­mi­nis­ter der EU be­müh­ten sich bei ei­nem Tref­fen in Luxemburg am Mon­tag gleich­wohl, Ge­schlos­sen­heit zu de­mons­trie­ren: Die EU, da ist man sich ei­nig, will bei der Wie­der­be­le­bung des po­li­ti­schen Frie­dens­pro­zes­ses in Sy­ri­en und der Re­gi­on jetzt ei­ne star­ke Rol­le spie­len – schließ­lich hat­ten sich die Eu­ro­pä­er in dem Kon­flikt von Be­ginn an für Di­plo­ma­tie statt Mi­li­tär ein­ge­setzt.

In ei­ner Sy­ri­en-Er­klä­rung blie­ben die Au­ßen­mi­nis­ter bei der Be­wer­tung der Ra­ke­ten­an­grif­fe deut­lich ver­hal­te­ner als die Na­to oder et­wa auch Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel: Die EU äu­ßert of­fi­zi­ell nun le­dig­lich „Ver­ständ­nis“für das Vor­ge­hen der drei Na­toStaa­ten, von „Un­ter­stüt­zung“ist nicht die Re­de – ein Tri­but an Vor­be­hal­te un­ter den Au­ßen­mi­nis­tern, von de­nen ei­ni­ge mo­nier­ten, es ha­be ein UN-Man­dat für die Atta­cken ge­fehlt.

Die maß­geb­lich von Frank­reichs Prä­si­dent Em­ma­nu­el Ma­cron vor­an­ge­trie­be­ne Initia­ti­ve für neue Ver­hand­lun­gen wird un­ter­stützt. Au­ßen­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) sag­te, al­le zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mög­lich­kei­ten soll­ten ge­nutzt wer­den, um ei­ne po­li­ti­sche Lö­sung des Kon­flikts zu er­mög­li­chen. Nicht nur für ihn ist da­bei klar: „Oh­ne Russ­land wird man die­sen Kon­flikt nicht lö­sen kön­nen.“Oh­ne Sy­ri­ens Macht­ha­ber Ba­schar alAs­sad schon, wie der Mi­nis­ter eben­falls klar mach­te: Nie­mand kön­ne sich vor­stel­len, dass As­sad Teil ei­ner lang­fris­ti­gen Lö­sung sein kön­ne, nach­dem er Che­mie­waf­fen ge­gen die ei­ge­ne Be­völ­ke­rung ein­set­ze.

Die EU-Au­ßen­be­auf­trag­te Fe­de­ri­ca Mo­g­her­i­ni setzt gro­ße Hoff­nun­gen auf ei­ne Sy­ri­enKon­fe­renz kom­men­de Wo­che in Brüs­sel, zu der die EU und die Ver­ein­ten Na­tio­nen ein­ge­la­den ha­ben. Die Kon­fe­renz, bei der es um Un­ter­stüt­zung für die sy­ri­sche Zi­vil­be­völ­ke­rung geht, sol­le für po­li­ti­sche Ge­sprä­che ge­nutzt wer­den.

Den EU-Di­plo­ma­ten schwebt ei­ne Stu­fen­lö­sung vor: Ein Waf- fen­still­stand soll sehr schnell hu­ma­ni­tä­re Hil­fe für die Sy­rer er­mög­li­chen, dann soll es ei­ne po­li­ti­sche Über­gangs­pha­se ge­ben, in der auch mit Ver­fas­sungs­än­de­run­gen De­mo­kra­tie und Rechts­staat­lich­keit wie­der her­ge­stellt wer­den sol­len. Am En­de des Pro­zes­ses wür­de es dann Neu­wah­len ge­ben.

Fo­to: AFP/Em­ma­nu­el Dun­and

Wenn Au­ßen­mi­nis­ter ta­gen: Hei­ko Maas (hin­ten Mit­te) mit sei­nen Amts­kol­le­gen aus der EU.

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