Der­zeit kei­ne gu­te Aus­sicht

Die Ni­ko­lai­kir­che in Jü­ter­bog pro­tes­tiert mit der Schlie­ßung ih­rer Tür­me ge­gen An­fein­dun­gen und Ras­sis­mus

Märkische Oderzeitung Fürstenwalde - - Brandenburg - Von Ja­na Rei­mann-GRohs

Ärz­te for­dern mehr Schutz vor Ge­walt

Die Lan­des­ärz­te­kam­mer Bran­den­burg for­dert mehr Schutz für Ärz­te und an­de­re An­ge­hö­ri­ge von Ge­sund­heits­be­ru­fen vor Ge­walt. Sie müss­ten in den Schutz­be­reich des Pa­ra­gra­fen 115 Straf­ge­setz­buch (Wi­der­stand ge­gen oder tät­li­cher An­griff auf Per­so­nen, die Voll­stre­ckungs­be­am­ten gleich­ste­hen) auf­ge­nom­men wer­den, heißt es in ei­ner Re­so­lu­ti­on, die die Kam­mer­ver­samm­lung jetzt ver­ab­schie­det hat. Hin­ter­grund sei­en sich häu­fen­de ver­ba­le und auch phy­si­sche Über­grif­fe auf Ärz­te so­wie me­di­zi­ni­sches Per­so­nal und Ret­tungs­kräf­te, teil­te die Lan­des­ärz­te­kam­mer mit. (has)

DRK ruft zu Blut­spen­den auf

Pots­dam. Blut­kon­ser­ven in Bran­den­burg sind nach dem En­de der Os­ter­fe­ri­en knapp ge­wor­den. Das Deut­sche Ro­te Kreuz (DRK) ruft des­halb ge­sun­de Men­schen zu Spen­den auf. Die Ver­sor­gungs­la­ge ist „an­ge­spannt bis kri­tisch“, wie die Or­ga­ni­sa­ti­on mit­teil­te. Die Vor­rä­te in den De­pots des DRK-Blut­spen­de­diens­tes Nord-Ost sei­en stark mi­ni­miert. Spen­den sei­en be­son­ders in Hin­blick auf die Fei­er­ta­ge im Mai drin­gend nö­tig. Ter­mi­ne zur Blut­spen­de kön­nen auf der In­ter­net­sei­te des DRK un­ter Ein­ga­be der Post­leit­zahl oder des Or­tes an­ge­se­hen wer­den. (dpa)

Ter­mi­ne im In­ter­net un­ter: www. blut­spen­de-nord­ost.de

79 Ver­letz­te bei Un­fäl­len

Pots­dam. Auf Bran­den­burgs Stra­ßen sind am Wo­che­n­en­de 79 Men­schen bei Ver­kehrs­un­fäl­len ver­letzt wor­den. Ins­ge­samt wur­den zwi­schen Frei­tag und Sonn­tag 453 Un­fäl­len re­gis­triert, bei 65 da­von wur­den Men­schen ver­letzt, teil­te das La­ge­zen­trum der Po­li­zei in Pots­dam am Mon­tag mit. (dpa) Jü­ter­bog. Die Aus­sichts­tür­me der Ni­ko­lai­kir­che von Jü­ter­bog sind bis auf Wei­te­res für die Öf­fent­lich­keit ge­sperrt. Zu die­ser Maß­nah­me sah sich die evan­ge­li­sche Kir­chen­ge­mein­de ge­zwun­gen, um ein Zei­chen ge­gen An­fein­dun­gen, Ras­sis­mus und Frem­den­feind­lich­keit zu set­zen. Aber auch ge­gen An­schul­di­gun­gen, Kir­chen­ver­tre­ter wür­den Straf­ta­ten von Flücht­lin­gen un­ter­stüt­zen.

Die Ni­ko­lai­kir­che in Jü­ter­bog (Tel­tow-Flä­ming) ist ei­ne der be­deu­tends­ten Se­hens­wür­dig­kei­ten und zugleich Wahr­zei­chen der Stadt. Von ih­ren Tür­men aus kann man bei schö­nem Wet­ter bis nach Berlin schau­en. Doch da­mit ist es erst ein­mal vor­bei. Der Ge­mein­de­kir­chen­rat hat die Kirch­tür­me am Mon­tag ge­sperrt. Hin­ter­grund ist ei­ne öf­fent­li­che Hetz­kam­pa­gne ge­gen Pfar­re­rin Mecht­hild Falk.

Geg­ner wer­fen der Kir­chen­frau vor, be­wusst Straf­ta­ten von Flücht­lin­gen ver­schwie­gen zu ha­ben. Falk en­ga­giert sich ge­mein­sam mit an­de­ren Eh­ren­amt­li­chen in ei­ner Hel­fer­grup­pe für Ge­flüch­te­te. Ei­ner ih­rer Schütz­lin­ge soll oh­ne Füh­rer­schein Au­to ge­fah­ren sein. An­statt den jun­gen Mann an­zu­zei­gen, ha­be sie le­dig­lich das Ge­spräch zu ihm ge­sucht, lau­tet ei­ner der Vor­wür­fe, den der „Jü­ter­bo­ger Bür­ger­stamm­tisch“An­fang April auf Face­book er­hob. Zu­dem soll die Pfar­re­rin von se­xu­el­len Hand­lun­gen ei­nes Flücht­lings mit ei­ner Min­der­jäh­ri­gen ge­wusst ha­ben und auch die­sen Fall nicht zur Anzeige ge­bracht ha­ben.

Die Pfar­re­rin be­fin­de sich „auf Ab­we­gen“, schrieb der Bür­ger­stamm­tisch. Und Bür­ger­meis­ter Ar­ne Raue (par­tei­los) kom­men­tier­te dies mit ei­nem Ver­weis auf Pa­ra­graf 258 Straf­ge­setz­buch – den Tat­be­stand der Straf­ver­ei­te­lung, der mit Frei­heits- oder Geld­stra­fe ge­ahn­det wer­de.

len. In ei­ner Dis­kus­si­ons­run­de ih­res Hel­fer­krei­ses soll­ten prä­ven­ti­ve Maß­nah­men dis­ku­tiert wer­den. Ein in­zwi­schen aus­ge­tre­te­nes Mit­glied ha­be die Vor­fäl­le dann öf­fent­lich ge­macht.

„Ich ver­ste­he das Schlie­ßen der Kirch­tür­me als Zei­chen der So­li­da­ri­tät des Ge­mein­de­kir­chen­rats mit sei­ner Pfar­re­rin und hof­fe, dass es zu ei­nem klä­ren­den Ge­spräch zwi­schen Stadt, Ge­mein­de­kir­chen­rat und Pfar­re­rin Falk kommt“, sagt Ge­ne­ral­su­per­in­ten­dant Mar­tin Her­che von der Evan­ge­li­schen Kir­che Ber­linBran­den­burg-schle­si­sche Ober­lau­sitz. Er ste­he „voll hin­ter Pfar­re­rin Falk“.

Für Mecht­hild Falk sind die jüngs­ten Er­eig­nis­se nur der Hö­he­punkt. „Es gibt ei­ne lan­ge Vor­ge­schich­te“, sagt sie. Um städ­ti­sche Un­ter­stüt­zung ih­rer kirch­li­chen Flücht­lings­hil­fe ha­be sie ste­tig rin­gen müs­sen. Jetzt soll­ten sich die Stadt­ver­ant­wort­li­chen „end­lich mal po­si­tio­nie­ren“, for­dert die Pfar­re­rin. Sie wol­le „für die­se Stadt et­was Gu­tes“, be­tont Falk.

„Das Min­des­te, was wir jetzt er­war­ten, ist, dass die fal­schen Be­haup­tun­gen zu­rück­ge­nom­men wer­den“, sagt sie in Rich­tung Bür­ger­meis­ter. Ar­ne Raue selbst hat dar­auf bis­lang nicht re­agiert.

In­des ver­si­chert Bern­hard Gut­sche, ge­schäfts­füh­ren­der Pfar­rer der evan­ge­li­schen Ge­mein­de Jü­ter­bog, dass die Kir­che als Ort des Ge­bets wei­ter­hin ge­öff­net bleibt. Mit der vor­über­ge­hen­den Schlie­ßung der Kirch­tür­me möch­te man auch ein Zei­chen ge­gen Ras­sis­mus set­zen, sagt er.

Erst am ver­gan­ge­nen Frei­tag hat­te ei­ne rechts­na­tio­na­le Kund­ge­bung der Grup­pe „Zu­kunft Hei­mat“in Jü­ter­bog statt­ge­fun­den, bei der laut Falk „frem­den­feind­li­che The­men in die Stadt hin­ein­ge­tra­gen“wor­den sei­en. Aber, be­tont die Pfar­re­rin: „Es läuft auch so vie­les gut in Jü­ter­bog.“

Fo­to: dpa/Bernd Settnik

Durch­blick: Die Ni­ko­lai­kir­che in Jü­ter­bog ist ei­ne der be­lieb­tes­ten Se­hens­wür­dig­kei­ten der Stadt.

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