Meis­ter Arn­hardt geht in den Ru­he­stand

Fo­to­ate­lier in der Frank­fur­ter Stra­ße schließt nach 30 Jah­ren / Luft­auf­nah­men als Spe­zi­al­ge­biet

Märkische Oderzeitung Fürstenwalde - - Medien -

Fürs­ten­wal­de. Ein Meis­ter geht heu­te, mit ei­ner klei­nen Fei­er, in den Ru­he­stand. Nach 30 Jah­ren schließt das Fo­to­ate­lier Arn­hardt in der Frank­fur­ter Stra­ße in Fürs­ten­wal­de. Fo­tos von Ver­an­stal­tun­gen al­ler Art, von Hoch­zei­ten und an­de­ren Fes­ten, Pass­bil­der, Be­wer­bungs­fo­tos, Fa­mi­li­en­bil­der – all das wur­de von hier ge­lie­fert. „Das ehr­li­che Bild war und ist für mich das Ziel – die Zuf­rie­den­heit mei­ner Kun­den das ers­te Ge­bot“, re­sü­miert KlausDie­ter Arn­hardt.

Der 68-Jäh­ri­ge hat den Be­ruf klas­sisch ge­lernt. Nach­dem der Nord­häu­ser erst Käl­te- und Kli­ma­tech­ni­ker ge­wor­den war, schul­te er mit 30 um, lern­te „wis­sen­schaft­li­cher Fo­to­graf“, mach­te we­nig spä­ter sei­nen Meis­ter. Zu sei­nen ers­ten Ar­beits­plät­zen ge­hör­te das Stadt­thea­ter Nord­hau­sen. Bald ver­schlug es ihn nach Berlin, wo das Di­enst­leis­tungs­kom­bi­nat ein Fo­to­la­bor ein­rich­te­te und ei­nen Chef such­te. Arn­hardt war ge­ra­de Meis­ter ge­wor­den, das pass­te. Ne­ben­bei ar­bei­te­te er als Do­zent an ei­ner Wirt­schafts­aka­de­mie. Au­ßer­dem wur­de er Bild­re­por­ter für meh­re­re Zei­tun­gen. Und für den Künst­ler­klub „Die Mö­ve“. Dort wur­de zu DDR-Zei­ten für fast al­le be­deu­ten­den aus­län­di­schen Künst­ler, die in Berlin gas­tier­ten, ein Emp­fang ge­ge­ben, von und mit DDR-Künst­lern. So be­kam er He­len Schnei­der, Udo Jür­gens, Igor Ois­trach, Ma­ri­an­ne Wün­scher, Ur­su­la Ka­rus­seit und vie­le an­de­re vor die Lin­se.

„Das war ei­ne schö­ne Zeit“, sagt er. „Aber 1988 fing der Är­ger an.“Die po­li­ti­sche La­ge wirk­te sich aus, Arn­hardt woll­te weg aus Berlin. „Vie­le gin­gen in den Wes­ten. Ich ging in den Os­ten. Ich konn­te Fa­mi­lie und Freun­de nicht ver­las­sen.“Ein Freund wuss­te zu be­rich­ten, dass die ÖVW (Ört­li­che Ver­sor­gungs­wirt­schaft) in Fürs­ten­wal­de ei­nen Fo­to­gra­fen sucht. Dort war Arn­hardt 1986 schon ge­we­sen, um für ei­ne Zei­tung ei­nen „vor­bild­li­chen Hand­wer­ker, das LDPDMit­glied Ger­not Al­ter“zu fo­to­gra­fie­ren. Zwei Jah­re spä­ter zog er in das Ate­lier in der Frank­fur­ter Stra­ße, wo schon seit 1930 Fo­to­gra­fen ih­re Di­ens­te an­bie­ten. Zum Bei­spiel ar­bei­te­te dort Frie­da En­gel, nach der 2016 in Fürs­ten­wal­de ei­ne Stra­ße be­nannt wur­de. „Am ers­ten Tag hat­te ich 13 Hoch­zei­ten“, er­in­nert er sich.

In den fol­gen­den Jah­ren wur­de er im­mer mehr zum Fürs­ten­wal­der, ar­bei­te­te bei den Mu­se­ums­freun­den mit, lie­fer­te Fo­tos für Bild­bän­de, do­ku­men­tier­te den Ab­zug der so­wje­ti­schen Trup­pen. Da­bei stieg er, der ei­gent­lich gro­ße Hö­hen­angst hat, auch erst­mals in die Luft. Die Fo­tos aus der Vo­gel­per­spek­ti­ve wa­ren sein Spe­zi­al­ge­biet. Für ei­ne MOZ-Se­rie be­flog er die gan­ze Re­gi­on. In­zwi­schen nutzt er auch ei­ne Droh­ne für Luft­auf­nah­men, und er plant ei­nen neu­en Bild­band. Und noch man­ches an­de­re. So das Auf­ar­bei­ten von tau­sen­den ar­chi­vier­ten Auf­nah­men, wo­für bis­lang kei­ne Zeit war. „Die Fo­to­gra­fie und die Be­schäf­ti­gung mit ih­rer Ge­schich­te wer­den mich wei­ter be­glei­ten“, sagt er. Und auf die Fra­ge, was ei­nen gu­ten Fo­to­gra­fen aus­macht, ant­wor­tet der Meis­ter: „Man muss ein se­hen­der Mensch sein.“(us)

Fo­to: Uwe Stemm­ler

Nimmt Ab­schied von sei­nem Ar­beits­platz: der Fürs­ten­wal­der Fo­to­graf Klaus-Die­ter Arn­hardt

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.