Maf­fay for­dert Rück­tritt nach Echo-Ver­ga­be

Chem­nitz zeigt im Mu­se­um Gun­zen­hau­ser den welt­größ­ten Be­stand an Wer­ken des Ma­lers und Gra­fi­kers

Märkische Oderzeitung Fürstenwalde - - Vorderseite - Von SI­mo­na Block

Berlin. Nach der um­strit­te­nen Echo-Ver­lei­hung an die Rap­per Kol­le­gah und Fa­rid Bang hat der Sän­ger Pe­ter Maf­fay ei­nen Rück­tritt der Ver­ant­wort­li­chen ge­for­dert. „Zur Ta­ges­ord­nung jetzt über­zu­ge­hen, geht nicht“, schrieb Maf­fay am Mon­tag auf sei­ner Face­book-Sei­te. Die Rap­per wa­ren für ei­nen Song aus­ge­zeich­net wor­den mit den Zei­len: „Mein Kör­per de­fi­nier­ter als von Au­schwit­zinsas­sen“und „Ma­che wie­der mal ‚nen Ho­lo­caust, komm‘ an mit dem Mo­lo­tow“. Die Ver­lei­hung sei ei­ne „Ohr­fei­ge für das de­mo­kra­ti­sche Ver­ständ­nis in un­se­rem Land“, sag­te Maf­fay wei­ter. (dpa)

Chem­nitz. Im Chem­nit­zer Mu­se­um Gun­zen­hau­ser wird seit Ta­gen groß um­ge­räumt. Mit­ar­bei­ter neh­men al­le Kunst von den Wän­den. Selbst Wer­ke von Ale­xej von Jaw­lens­ky, Ernst-Lud­wig Kirch­ner, Erich He­ckel, Karl Schmidt-Rott­luff, Kon­rad Fe­lix­mül­ler und Ga­b­rie­le Mün­ter ma­chen Platz für ei­nen ganz Gro­ßen: Ma­ler Ot­to Dix (1891–1969).

„Die hier aus­ge­stell­ten Ar­bei­ten ge­hen ins De­pot“, sagt Ku­ra­tor Stephan Dah­me. Sämt­li­che Räu­me des Hau­ses wer­den mit der Kunst des be­deu­ten­den Ma­lers und Gra­fi­kers ge­füllt, die der Mün­che­ner Ga­le­rist und Samm­ler Al­f­red Gun­zen­hau­ser (1926– 2015) zu­sam­men­trug. Es ist die ers­te Prä­sen­ta­ti­on des welt­weit größ­ten Kon­vo­luts von Di­xWer­ken und Herz­stücks der Gun­zen­hau­ser-Samm­lung von Kunst des 20. Jahr­hun­derts. Fast 400 Wer­ke, die bis auf Du­pli­ka­te aus dem De­pot ans Licht kom­men. „Wir zei­gen den ge­sam­ten Dix-Be­stand in­klu­si­ve al­ler Ar­bei­ten auf Pa­pier, die bis­her we­ni­ger zu se­hen wa­ren“, sagt In­grid Mös­sin­ger, schei­den­de Ge­ne­ral­di­rek­to­rin der Kunst­samm­lun­gen Chem­nitz, zu de­nen das Gun­zen­hau­ser ge­hört.

Die Aus­stel­lung „300 X DIX“ist das Abschiedsgeschenk der aus Stutt­gart (Ba­den-Würt­tem­berg) stam­men­den Kunst­his­to­ri­ke­rin und ei­ne Re­ve­renz an den Stif­ter. „Gun­zen­hau­ser hat­te ei­ne Pas­si­on für Dix“, sagt sie. Er ha­be mit sehr gu­tem Au­ge für Qua­li­tät Ar­bei­ten des Künst­lers in ei­ner Zeit er­wor­ben, wo er noch er­schwing­lich war, er­klärt Ku­ra­tor Dah­me. „Er hat mit gu­tem Blick für we­nig Geld ge­kauft.“

Das Kon­vo­lut, ei­nes der um­fang­reichs­ten mu­sea­len Be­stän­de des zen­tra­len Prot­ago­nis­ten der Neu­en Sach­lich­keit, um­fasst Ar­bei­ten al­ler Schaf­fens­pha­sen und künst­le­ri­schen Tech­ni­ken. Ge­mäl­de, Pa­s­tel­le, Aqua­rel­le, Zeich­nun­gen und Druck­gra­fik bie­ten ei­nen re­prä­sen­ta­ti­ven Qu­er­schnitt durch Dix’ künst­le­ri­sche Ent­wick­lung – vom ex­pres­sio­nis­ti­schen Früh­werk, der Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Da­da­is­mus und der auf­kom­men­den Neu­en Sach­lich­keit bis zur Mit­te der 1920er-Jah­re und den gro­ßen sym­bo­li­schen Land­schaf­ten aus sei­ner Zeit der in­ne­ren Emi­gra­ti­on.

Statt chro­no­lo­gi­scher Re­tro­spek­ti­ve ent­schie­den sich die Chem­nit­zer für ei­ne the­ma­ti­sche Prä­sen­ta­ti­on: Land­schaft, Por­trät, Krieg und Tod, Re­li­gi­on, Emo­tio­na­les, Zir­kus. „Das gab es noch nie“, sagt Mös­sin­ger. Das er­mög­li­che ei­nen an­de­ren Blick auf das Werk von Dix, zu des­sen Le­ben auch Chem­nitz ge­hö­re. „Nach­dem er sei­ne Stel­lung an der Dres­de­ner Kunst­aka­de­mie ver­lo­ren hat­te, ha­ben ihn hie­si­ge Samm­ler auf­ge­fan­gen und ihm über die schwie­ri­gen Zei­ten hin­weg­ge­hol­fen“, be­rich­tet Mös­sin­ger.

Ne­ben dem zur Mu­se­ums­grün­dung 2007 über­ge­be­nen Be­stand wer­den zum ers­ten Mal auch die et­wa 60 Dix-Ar­bei­ten ge­zeigt, die erst En­de 2015 aus dem Nach­lass von Gun­zen­hau­ser da­zu­ka­men. Da­zu ge­hö­ren be­deu­ten­de Ge­mäl­de wie der „Sonn­tags­spa­zier­gang“von 1922. „Mit mei­nen Kunst­wer­ken ha­be ich re­gel­recht ge­lebt, sie blick­ten mich täg­lich von al­len ver­füg­ba­ren Wän­den an“, hat­te der Stif­ter zur Er­öff­nung sei­nes Mu­se­ums über die ei­ge­ne Samm­lung ge­schrie­ben. Dem kön­nen Be­su­cher bald auf vier Eta­gen nach­spü­ren.

Vor al­lem bei der emp­find­li­chen Gra­fik ge­be es kaum an­de­re Ge­le­gen­hei­ten zur Be­trach­tung. „Be­stimm­te Blät­ter wer­den spä­ter nicht mehr zu se­hen sein“, sagt Mös­sin­ger, die En­de April nach mehr als 20 Jah­ren im Amt in den Ru­he­stand geht. „Man wird Ot­to Dix ganz an­ders wahr­neh­men“, sagt sie. Die Schau ist ihr Abschiedsgeschenk an die selbst er­nann­te „Stadt der Mo­der­ne“und soll Chem­nitz im öf­fent­li­chen Be­wusst­sein mit dem Künst­ler ver­bin­den. „Wir kön­nen uns auf Schmidt-Rott­luff und Dix stüt­zen.“(dpa)

29.4.–2.9., Di–So 11–18 Uhr, Mu­se­um Gun­zen­hau­ser, Stoll­ber­ger Str. 2, Chem­nitz

Die Aus­stel­lung ist das Abschiedsgeschenk der schei­den­den Che­fin der Kunst­samm­lun­gen Vie­le Ar­bei­ten sind auch zum ers­ten Mal über­haupt in der Stadt zu se­hen

Fo­to: dpa/Se­bas­ti­an Will­now

Aus dem De­pot ans Licht ge­holt: Mit­ar­bei­ter des Chem­nit­zer Mu­se­ums Gun­zen­hau­ser hän­gen das Ge­mäl­de „Mäd­chen am Sonn­tag“von Ot­to Dix aus dem Jah­re 1921 an ei­ne Wand.

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