Mu­sik aus Russ­land

Zwei­te Auf­la­ge des Piano­dra-fes­tes wid­met sich Russ­land / Or­ga­ni­sa­tor wünscht sich Kon­zert­be­such in Fa­mi­lie

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - Vorderseite -

Das zwei­te Piano­dra-kla­vier­fest vom 4. bis 6. Mai wid­met sich Russ­land. Im mu­si­ka­li­schen Fo­kus der Fest­ta­ge steht der Kom­po­nist Ser­gej Pro­kof­jew.

Das zwei­te Piano­dra-kla­vier­fest vom 4. bis 6. Mai im Lo­gen­saal wid­met sich Russ­land. Im mu­si­ka­li­schen Fo­kus der Fest­ta­ge in Frankfurt steht ins­be­son­de­re der rus­si­sche Kom­po­nist Ser­gej Pro­kof­jew. Sil­via Ficht­ner sprach mit dem Initia­tor und Or­ga­ni­sa­tor von Piano­dra Chris­ti­an Sei­bert.

Herr Sei­bert, Sie ha­ben es al­so wahr ge­macht – Sie eta­blie­ren das Kla­vier­fest als For­mat für Frankfurt und wid­men sich nun Russ­land, rus­si­scher Mu­sik. War das ei­ne Bauch­ent­schei­dung oder ge­ziel­ter An­satz zur Über­win­dung po­li­ti­scher Res­sen­ti­ments?

Es er­gibt sich ganz un­be­ab­sich­tigt ei­ne ge­wis­se Par­al­le­li­tät zum Vor­jahr. Ein Land, ein Volk ist ja nicht im­mer nur so oder so wie es in ei­nem Au­gen­blick der Welt­ge­schich­te er­scheint. Wir ha­ben uns zum Ziel ge­setzt, das Pu­bli­kum mit die­sem Kla­vier­fest im­mer auf ei­ne mu­si­ka­li­sche Rei­se durch ein Land mit­zu­neh­men. Da­zu ge­hört, dass man mit of­fe­nen Au­gen schaut, in die Wei­te und genau­so wie vor die ei­ge­nen Fü­ße. Und wenn wir im vo­ri­gen Jahr in die USA „ge­reist“sind, muss es schon in­tui­tiv die­ses Mal Russ­land sein.

Sie rü­cken ins­be­son­de­re Ser­gej Pro­kof­jew in den Fo­kus. War­um ihn?

Es ist un­ser Kon­zept, das Kla­vier­fest im­mer ei­ner Per­sön­lich- keit zu wid­men. Vo­ri­ges Jahr war es Scott Jo­p­lin, die­ses Jahr Ser­gej Pro­kof­jew. Vor 65 Jah­ren ist er ge­stor­ben, am sel­ben Tag üb­ri­gens wie Sta­lin, nur – wäh­rend al­le Welt dem Dik­ta­tor das letz­te Ge­leit gab, starb der be­rühm­te Kom­po­nist un­be­ach­tet, bei­na­he un­be­merkt. Wir er­in­nern jetzt an ihn und an sein bril­lan­tes künst­le­ri­sches Werk, das er uns hin­ter­las­sen hat.

Der Ti­tel von Piano­dra 2018 ist „Rus­si­sche Wei­ten“. Wie trans­por­tie­ren Sie die in den Frank­fur­ter Lo­gen­saal?

Die­se Wei­ten sol­len sich öff­nen durch die Mu­sik von Ser­gej Pro­kof­jew, von Ser­gej Rach­ma­ni­now, Alex­an­der Skrja­bin, Ni­ko­laj Ka­pus­tin, Alex­an­der Gla­su­now, Dmi­tri Schosta­ko­witsch, Vik­tor Gri­din, Wla­dis­lav So­lotar­jow und Mo­dest Mus­sorg­ski. Und mit Wei­te ver­bin­det Piano­dra im­mer auch un­ter­schied­lichs­te Kon­zert­for­ma­te.

Was kön­nen die Be­su­cher in die­sen un­ter­schied­li­chen For­ma­ten er­war­ten?

Der viel­sei­ti­ge und hier in der Re­gi­on be­kann­te Mu­si­ker Sø­ren Gun­der­mann wirft ge­mein­sam mit dem Cel­lis­ten Mar­tin Klenk bei­spiels­wei­se ei­nen jaz­zi­gen Blick auf Volks­me­lo­di­en Ost­eu­ro­pas. Sø­ren Gun­der­mann und der Per­kus­sio­nist Her­mann Na­eh­ring wid­men sich ge­mein­sam mit dem Mu­sik­jour­na­lis­ten Dirk Löt­fe­ring, der üb­ri­gens al­le Kon­zer­te wie­der mo­de­rie­ren wird, eben­so den mu­si­ka­li­schen Mär­chen. Vie­le Kin­der sind hier­zu­lan­de ja mit Pro­kof­je­ws „Pe­ter und der Wolf“auf­ge­wach­sen, doch man­cher ent­deckt es nun vi­el­leicht ganz neu. Aber in die­sem Kon­zert für Fa­mi­li­en kön­nen die Be­su­cher auch mit­er­le­ben wie in frei­er Im­pro­vi­sa­ti­on der Sound­track zu ei­nem rus­si­schen Zei­chen­trick­film ent­steht. Im Pro­gramm un­se­res Kla­vier­fes­tes steht des Wei­te­ren ei­ne Kon­zert­le­sung mit dem Ti­tel „Kunst ist der Zer­stö­rer des Schwei­gens“. Nicht zu ver­ges­sen un­ser Kin­der­kon­zert „Bil­der ei­ner Aus­stel­lung“. Die meis­ten ken­nen das nur als Orches­ter­werk – in der Be­ar­bei­tung von Mau­rice Ra­vel. Sel­te­ner ist die Ori­gi­nal­fas­sung für Kla­vier so­lo zu hö­ren. Im Vor­feld des spe­zi­el­len Kon­zer­tes für Kin­der gab es ei­nen Work­shop mit Dritt­kläss­lern der Frei­en Wal­dorf­schu­le und der Erich Käst­ner-schu­le in Frankfurt, in dem die Kin­der nach der Mu­sik ih­re ei­ge­nen Bil­der aufs Pa­pier ge­bracht ha­ben. Die klei­ne Ga­le­rie kann dann Be­stand­teil des Kon­zer­tes wer­den.

Sie ha­ben das Fest von zwei auf drei Ta­ge er­wei­tert. Wa­ren zwei Ta­ge nicht schon ge­nug Ar­beit für Sie und Ih­re Hel­fer?

Doch, doch! Aber über drei Ta­ge las­sen sich die Kon­zer­te et­was ent­zer­ren und wir kön­nen die meis­ten An­fangs­zei­ten so le­gen, dass sie fa­mi­li­en­freund­lich sind. Der Kon­zert­be­such in Fa­mi­lie ist ei­nes der Haupt­zie­le un­se­res Kla­vier­fes­tes. Ich per­sön­lich freue mich auch im­mer, wenn ich ins­be­son­de­re Mu­sik­schü­ler in den Kon­zer­ten se­he, da­mit mei­ne ich nicht nur die aus mei­ner Schu­le. Ein gu­tes Kon­zert ist ei­ne Form von le­ben­di­gem Un­ter­richt, ist Bil­dung, die enor­men Spaß ma­chen kann.

Die schö­ne Idee ist das ei­ne, die Fi­nan­zie­rung ei­ne an­de­re. Wen konn­ten Sie er­wär­men, für das Fest die Geld­bör­se zu öff­nen?

Trä­ger ist in die­sem Jahr die Kleist-mu­sik­schu­le, die ich lei­te, in Ko­ope­ra­ti­on mit der Eu­ro­pa­uni­ver­si­tät Vi­a­d­ri­na, die uns den Lo­gen­saal als Ver­an­stal­tungs­ort für al­le Kon­zer­te zur Ver­fü­gung stellt. Als Haupt­för­de­rer konn­te ich die Stadt und den Ro­ta­ry Club Frankfurt (Oder) ge­win­nen, der zur Er­öff­nung auch ei­nen Emp­fang mit Fes­ti­val­ein­füh­rung aus­rich­tet – am 4. Mai, 17 Uhr im Lo­gen­haus. Dank­bar bin ich na­tür­lich auch den pri­va­ten Spen­dern, die, egal, wel­che Sum­me sie ge­ben, ein Zei­chen set­zen für die Stadt, in der sie le­ben. Aber nicht nur Geld ist ent­schei­dend für das Ge­lin­gen von Piano­dra. Schü­ler, El­tern, Mit­ar­bei­ter der Kleist-mu­sik­schu­le, die dem Kla­vier­fest ide­en­reich und in per­so­na ein Ge­sicht ge­ben, brin­gen sich als un­ent­behr­li­che Hel­fer mit ein. Ich kann mich nur wie­der­ho­len: In Frankfurt geht man­ches, wo man wo­an­ders auf tau­be Oh­ren sto­ßen wür­de. Ich le­be gern hier mit mei­ner Fa­mi­lie und ich brin­ge mich gern ein, auch, wenn man manch­mal ein we­nig kämp­fen muss für die Um­set­zung der Idee in die Rea­li­tät.

4. bis 6. Mai; 2. Piano­dra Kla­vier­fest „Rus­si­sche Wei­ten“; al­le Kon­zer­te fin­den im Lo­gen­saal der Vi­a­d­ri­na, Lo­gen­stra­ße 11, statt; Kin­der bis 14 ha­ben in Be­glei­tung ei­nes Er­wach­se­nen frei­en Ein­tritt; Kar­ten bzw. Fes­ti­val­pass an der Kon­zert­kas­se, Kar­ten­re­ser­vie­rung und Vor­ver­kauf: Kleist-mu­sik­schu­le, Tel. 0335 27629356 bzw. on­line un­ter www.kleist­mu­sik­schu­le.net; dort fin­det sich auch das de­tail­lier­te Pro­gramm

Fo­to: Pro­mo

Er­grei­fen­des Künst­ler­por­trät: Der in Russ­land ge­bo­re­ne Pia­nist Dmitry Ro­di­o­nov, der eu­ro­pa­weit als So­list auf­tritt, ist am 5. Mai ab 18 Uhr im Rah­men ei­ner Kon­zert­le­sung über Dmi­tri Schosta­ko­witsch zu er­le­ben. Dirk Löf­te­ring wird aus Ge­sprächs­pro­to­kol­len mit dem Kom­po­nis­ten le­sen, Ro­di­o­nov Kla­vier­wer­ke vor­tra­gen.

Fo­to: Ne­da Na­vaee

Piano­dra-or­ga­ni­sa­tor: Chris­ti­an Sei­bert

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