EU for­dert neu­en An­lauf für Sy­ri­en-ver­hand­lun­gen

Neue bri­ti­sche Vor­wür­fe an die Adres­se Mos­kaus

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - Vorderseite -

Luxemburg. Nach den Luft­an­grif­fen ge­gen mut­maß­li­che Che­mie­waf­fen-ein­rich­tun­gen in Sy­ri­en hat die EU zur Rück­kehr an den Ver­hand­lungs­tisch auf­ge­ru­fen. Es müs­se „die Dy­na­mik der ge­gen­wär­ti­gen Si­tua­ti­on ge­nutzt wer­den, um den Pro­zess zur po­li­ti­schen Lö­sung des Sy­ri­en-kon­flikts wie­der­zu­be­le­ben“, er­klär­ten die Eu-au­ßen­mi­nis­ter am Mon­tag.

Die Uni­on ge­he da­von aus, dass die Luft­an­grif­fe „spe­zi­fi­sche Maß­nah­men wa­ren, die al­lei­ne das Ziel hat­ten, den wei­te­ren Ein­satz von Che­mie­waf­fen (...) durch das sy­ri­sche Re­gime (...) zu ver­hin­dern“, er­klär­ten die 28 Eu-au­ßen­mi­nis­ter in Luxemburg. Da­mit blie­ben sie hin­ter der teils kla­ren Un­ter­stüt­zung durch ein­zel­ne Mit­glied­staa­ten oder die Na­to vom Wo­che­n­en­de zu­rück.

Groß­bri­tan­ni­en warf Russ­land und Sy­ri­en un­ter­des­sen vor, den Ex­per­ten der Or­ga­ni­sa­ti­on für das Ver­bot Che­mi­scher Waf­fen (OPCW) den Zu­gang zum Schau­platz des mög­li­chen Gift­gas­an­griffs zu ver­wei­gern. Der rus­si­sche Au­ßen­mi­nis­ter Ser­gej La­w­row wies den Vor­wurf zu­rück und er­neu­er­te sei­ne Ver­si­on, der An­griff ha­be nie statt­ge­fun­den.

Jetzt aber wirk­lich: Im Sy­ri­enKon­flikt soll die Di­plo­ma­tie zu Höchst­form auf­lau­fen. Es wer­den po­li­ti­sche Pro­zes­se auf­ge­setzt, Ge­sprächs­for­ma­te be­ra­ten und Un-re­so­lu­tio­nen ein­ge­bracht. Ganz vor­ne mit da­bei sind die Eu­ro­pä­er. Doch was ge­nau soll ei­gent­lich noch ver­han­delt wer­den? Der Krieg in Sy­ri­en je­den­falls ist ent­schie­den. Macht­ha­ber Ba­schar alas­sad hat ihn – mit tat­kräf­ti­ger Hil­fe Russ­lands – so gut wie ge­won­nen. Ver­lo­ren ha­ben die ge­tö­te­ten, ver­letz­ten und ver­trie­be­nen Men­schen in dem kriegs­zer­stör­ten Land. Ver­lo­ren hat aber auch die in­ter­na­tio­na­le Kri­sen­di­plo­ma­tie. Ins­be­son­de­re die EU, die doch so gern über ih­re ge­wach­se­ne Ver­ant­wor­tung in der Welt phi­lo­so­phiert, steht wie­der ein­mal bla­miert da.

Von ei­ner ge­mein­sa­men Au­ßen­und Si­cher­heits­po­li­tik, an de­ren klei­nen und gro­ßen Stell­schrau­ben nun schon seit Jah­ren in Brüs­sel mit Hin­ga­be ge­dreht wird, war im Sy­ri­en-kon­flikt nicht viel zu se­hen. Im Ge­gen­teil: Zu se­hen be­kam die Welt­öf­fent­lich­keit am Wo­che­n­en­de viel­mehr, dass sich zwei von 28 Eu-staa­ten an den jüngs­ten Us-luft­an­grif­fen be­tei­lig­ten. Von ge­mein­sa­men Be­ra­tun­gen, Ab­stim­mun­gen oder gar Er­klä­run­gen der Eu­ro­pä­er da­ge­gen kei­ne Spur. An For­ma­ten für Lö­sungs­ver­su­che im Sy­ri­en-kon­flikt hat es in den letz­ten Jah­ren nicht ge­man­gelt. Doch ei­ne ent­schei­den­de Stim­me war die EU nir­gends.

Für wirk­li­che Ein­fluss­nah­me in ei­nem Kon­flikt die­ser Di­men­si­on fehlt es Eu­ro­pa zum ei­nen an Ge­wicht. Zum an­de­ren hat die EU nie zu ei­ner ein­heit­li­chen Sy­ri­en-stra­te­gie ge­fun­den. Erst ging es um ei­ne fried­li­che Re­vo­lu­ti­on, dann um die Zu­kunft As­sads, spä­ter um ein En­de der Flücht­lings­kri­se. Und im­mer wie­der schei­ter­ten ge­mein­sa­me Stel­lung­nah­men an der Fra­ge, wie streng mit Mos­kau ins Ge­richt zu ge­hen sei. Dass die Eu­ro­pä­er mit ih­rer stra­te­gi­schen Leer­stel­le nicht al­lein auf der Welt sind, mag ein schwa­cher Trost sein. Nicht ein­mal der Druck der Flücht­lings­kri­se ver­moch­te es, die Eu­ro­pä­er zu ent­schlos­se­nen Ak­tio­nen zu­sam­men­zu­schwei­ßen. Statt­des­sen zer­strit­ten sich die Eu-staa­ten über die Be­wäl­ti­gung der Fol­gen: die Ver­tei­lung und Ver­sor­gung von Mil­lio­nen ver­zwei­fel­ter Kriegs­op­fer. Den­noch ist das Lin­dern von Not wei­ter das na­he­lie­gends­te Be­tä­ti­gungs­feld für die Eu­ro­pä­er im Sy­ri­en-kon­flikt. Die EU könn­te sich so zu­min­dest als hu­ma­ni­tä­re Su­per­macht pro­fi­lie­ren.

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