Der frü­he­re FBI-Chef ver­schärft Kri­tik an Trump

Co­mey hält US-Prä­si­den­ten für „un­ge­eig­net“

Märkische Oderzeitung Schwedt - - Vorderseite - Gün­ther Marx

Washington.

Der im Mai von Do­nald Trump ge­feu­er­te FBIChef Ja­mes Co­mey hat in ei­nem Fern­seh­in­ter­view aufs Schärfs­te mit dem US-Prä­si­den­ten ab­ge­rech­net. Trump sei „mo­ra­lisch un­ge­eig­net“, Prä­si­dent zu sein, sag­te der 57-Jäh­ri­ge dem Sen­der ABC News. Das In­ter­view war Co­meys ers­tes Me­di­en­ge­spräch vor der Ver­öf­fent­li­chung sei­nes Bu­ches „A Hig­her Loyal­ty: Truth, Lies and Le­a­dership“(deut­scher Ti­tel: „Grö­ßer als das Amt: Auf der Su­che nach der Wahr­heit – der Ex-FBI-Di­rek­tor klagt an“).

Nach An­sicht Co­meys könn­te Russ­land im Be­sitz von kom­pro­mit­tie­ren­dem Ma­te­ri­al über Trump sein. Er hält es auch für mög­lich, dass der Prä­si­dent die Jus­tiz be­hin­dert ha­be. Es ge­be da­für „si­cher­lich ei­ni­ge Hin­wei­se“, er­klär­te Co­mey. Trotz­dem hof­fe er nicht, dass Trump sei­nes Am­tes ent­ho­ben wird, denn da­durch wä­re das Volk „aus dem Schnei­der“. Die Ame­ri­ka­ner sei­en an der Wahl­ur­ne da­zu ver­pflich­tet, ih­re Wer­te selbst zu stim­men. (dpa)

Wä­ren die üb­li­chen Maß­stä­be für Moral und In­te­gri­tät nicht ins Rut­schen ge­kom­men, ein Mann wie Do­nald Trump hät­te nie ins Amt des US-Prä­si­den­ten ge­wählt wer­den kön­nen; oder er wä­re un­ter dem Druck der Öf­fent­lich­keit längst zu­rück­ge­tre­ten. Letz­te­res aber wird wohl nicht pas­sie­ren, auch wenn Ja­mes Co­mey, der von Trump ge­schass­te FBI-Di­rek­tor, sich in sei­nem Ent­hül­lungs­buch al­le Mü­he gibt. Die Öf­fent­lich­keit kennt oh­ne­hin das Ge­ba­ren des Man­nes im Wei­ßen Haus von vie­len Auf­trit­ten und noch mehr un­säg­li­chen Tweets. Das Merk­wür­di­ge dar­an ist, dass die so­ge­nann­te moral ma­jo­ri­ty, die mo­ra­li­sche Mehr­heit, wie sie sich sieht, dar­an kei­nen An­stoß nimmt – sie ist kon­ser­va­tiv und bi­bel­fest, aber der Star im Wei­ßen Haus darf sich dank sei­ner Pro­mi­nenz al­les er­lau­ben. Und er macht Po­li­tik, mit dem größ­ten Mi­li­tär­ar­se­nal der Welt in der Hand, wie ein an­ge­be­ri­scher, ra­bau­ken­haf­ter Stamm­tisch­bru­der. Wo sind die Gren­zen? Abrech­nun­gen à la Co­mey, so gru­se­lig-fas­zi­nie­rend sie zu le­sen sind, wer­den Trump ver­mut­lich nicht zu Fall zu brin­gen. Die Ge­fahr für ihn liegt ein­zig dar­in, dass ihm im Lau­fe der Zeit die „Trum­pis­ten“ab­han­den­kom­men, weil er sie ent­täuscht.

Fo­to: AP/dpa

Män­ner, die sich nicht mö­gen: US-Prä­si­dent Do­nald Trump (l.) und der frü­he­re FBI-Di­rek­tor Ja­mes Co­mey

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