Op­fer ei­ner tra­gi­schen Ver­wechs­lung

Neue Hin­wei­se im Fall der ver­schwun­de­nen me­xi­ka­ni­schen Lehr­amts­stu­den­ten

Märkische Oderzeitung Schwedt - - Nachrichten - Von san­dra Weiss

Pue­b­la.

Drei­ein­halb Jah­re nach dem Ver­schwin­den der 43 Lehr­amts­stu­den­ten in Me­xi­ko deu­ten neue In­di­zi­en auf ei­ne tra­gi­sche Ver­wechs­lung im Streit um ei­ne der wich­tigs­ten Dro­gen­hoch­bur­gen des Lan­des hin. Am Abend des 26. Sep­tem­ber 2014 ka­per­ten links­ra­di­ka­le Lehr­amts­stu­den­ten in Igua­la im Bun­des­staat Gu­er­re­ro meh­re­re Bus­se, um zu ei­ner Pro­test­ver­an­stal­tung in die Haupt­stadt zu fah­ren. Dar­auf­hin be­gann ei­ne blu­ti­ge Ver­fol­gungs­jagd, an der so­wohl Kil­ler von Dro­gen­kar­tel­len als auch Po­li­zis­ten be­tei­ligt wa­ren, und die mit dem Tod von neun Stu­den­ten und Pas­san­ten und dem Ver­schwin­den von 43 en­de­te. Wie die Zei­tung „Re­for­ma“be­rich­te­te, wur­de die Ope­ra­ti­on in der Tat­nacht durch me­xi­ka­ni­sche Dro­gen­bos­se der Grup­pe „Gu­er­re­ros Un­i­dos“von den USA aus ge­steu­ert. Ei­ner von ih­nen wur­de 2013 in Chi­ca­go fest­ge­nom­men und ver­wan­del­te sich vor ei­nem US-Ge­richt in ei­nen Kron­zeu­gen.

Den „Re­for­ma“vor­lie­gen­den Zeu­gen­aus­sa­gen und be­schlag­nahm­ten Han­dy-Kon­ver­sa­tio­nen zu­fol­ge kon­trol­lier­ten die Gu­er­re­ros Un­i­dos in Igua­la die Pro­duk­ti­on und den Trans­port von Dro­gen nach Chi­ca­go, der zwei­mal täg­lich in Ge­heim­fä­chern in Über­land­bus­sen statt­fand. In ei­nem der von den Stu­den­ten ge­ka­per­ten Bus­se be­fand sich dem­nach ei­ne La­dung He­ro­in, oh­ne dass die Stu­den­ten dies wuss­ten – ei­ne Hy­po­the­se, die schon in­ter­na­tio­na­le Er­mitt­ler auf­ge­wor­fen hat­ten, be­vor die me­xi­ka­ni­sche Re­gie­rung sie aus dem Land warf. Die Dro­gen­bos­se in Chi­ca­go und ih­re Kil­ler vor Ort hiel­ten die Stu­den­ten für An­ge­hö­ri­ge des geg­ne­ri­schen Kar­tells der „Ro­jos“und ih­re Ak­ti­on für den Ver­such ei­ner feind­li­chen Über­nah­me. Des­halb ord­ne­ten sie die bru­ta­le Jagd an – mit Hil­fe staat­li­cher Stel­len, dar­un­ter den Po­li­zei­trup­pen drei­er Ge­mein­den, die vom Kar­tell kon­trol­liert wur­den.

Die Ent­hül­lun­gen wer­fen ein fa­ta­les Licht auf die Ver­wick­lung staat­li­cher Stel­len in das Dro­gen­ge­schäft und die Ver­tu­schung des Ta­ther­gangs. Un­klar ist wei­ter­hin der Ver­bleib der ver­mut­lich noch in der Tat­nacht er­mor­de­ten Stu­den­ten. An­geb­lich wur­den sie ver­brannt und in Müll­sä­cken in ei­nen Fluss ge­wor­fen. Spä­ter deck­ten die in­ter­na­tio­na­len Er­mitt­ler je­doch auf, dass An­ge­hö­ri­ge der Staats­an­walt­schaft selbst Hand an­ge­legt hat­ten und auch die Streit­kräf­te in­vol­viert wa­ren. Die Er­mitt­ler durf­ten sei­ner­zeit we­der Pro­to­kol­le ein­se­hen noch die Uni­for­mier­ten ver­neh­men. Sie for­dern drin­gend neue Un­ter­su­chun­gen.

Fo­to: AFP/Pe­dro Par­do

Ein Ge­mein­de­po­li­zist steht Wa­che: Im me­xi­ka­ni­schen Bun­des­staat Gu­er­re­ro, ei­nem der ärms­ten des Lan­des, ha­ben sich Bür­ger in Ge­mein­de­po­li­zei ge­nann­ten Mi­li­zen or­ga­ni­siert, um den Kampf ge­gen das or­ga­ni­sier­te Ver­bre­chen auf­zu­neh­men.

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