Ak­ti­ons­tag zu Ge­sund­heits­ri­si­ken

Deut­scher Lun­gen­tag klärt über Ge­sund­heits­ri­si­ken durch Fe­in­staub und Ab­ga­se auf

Märkische Oderzeitung Schwedt - - Vorderseite - Von Da­nie­la WinDolff

An­ger­mün­de.

Am Sonn­abend fin­det be­reits zum 21. Mal bun­des­weit der Deut­sche Lun­gen­tag statt., der a be­gan­gen wird.Im An­ger­mün­der Kran­ken­haus geht es un­ter dem Mot­to. „Di­cke Luft – Ge­fahr für die Lun­ge“um Auf­klä­rung.

An­ger­mün­de. „Di­cke Luft – Ge­fahr für die Lun­ge“, un­ter die­sem Mot­to steht der dies­jäh­ri­ge Deut­sche Lun­gen­tag, der an die­sem Sonn­abend zum 21. Mal bun­des­weit be­gan­gen wird. An die­ser Auf­klä­rungs­kam­pa­gne der Deut­schen Atem­wegsli­ga be­tei­ligt sich auch das An­ger­mün­der Kran­ken­haus.

Dass Rau­chen die Lun­ge schä­digt, muss nie­man­dem mehr er­klärt wer­den. War­nun­gen und ab­schre­cken­de Bil­der auf Zi­ga­ret­ten­schach­teln, Rauch­ver­bot in öf­fent­li­chen Ein­rich­tun­gen, Gast­stät­ten, Zü­gen usw. sor­gen für um­fas­sen­de Auf­klä­rung und Nicht­rau­cher­schutz. Dass den­noch die Zahl der Rau­cher, vor al­lem un­ter Ju­gend­li­chen, noch hoch ist, ist auch ei­ne Fra­ge der per­sön­li­chen Ein­sicht.

Doch Ge­fah­ren für die Lun­ge lau­ern auch au­ßer­halb von Rau­cher­ecken. Nach­rich­ten über Ab­gas-Skan­da­le, die Über­schrei­tung von Fe­in­staub-Be­las­tun­gen in Groß­städ­ten und das Feh­len se­riö­ser In­for­ma­ti­ons­an­ge­bo­te zu den Aus­wir­kun­gen von Luft­schad­stof­fen ha­ben die Deut­sche Atem­wegsli­ga ver­an­lasst, den dies­jäh­ri­gen 21. Deut­schen Lun­gen­tag un­ter das Mot­to zu stel­len: „Di­cke Luft – Ge­fahr für die Lun­ge“. Bun­des­weit fin­den da­zu Ver­an­stal­tun­gen statt, so auch in die­ser Wo­che im Kran­ken­haus An­ger­mün­de, wo der lei­ten­de Ober­arzt der Kli­nik für In­ne­re Me­di­zin, Dr. El­mar Grimm in ei­nem öf­fent­li­chen Vor­trag an­hand zahl­rei­cher Fak­ten und Da­ten er­läu­tert, wel­che Schad­stof­fe un­se­re Atem­luft und da­mit Lun­ge und Ge­sund­heit be­las­ten. Das An­ge­mün­der Kran­ken­haus ist auf die Be­hand­lung von Lun­gen- und Atem­wegs­er­kran­kun­gen spe­zia­li­siert und seit zwei Jah­ren Mit­glied im Netz­werk für Lun­gen­er­kran­kun­gen Nord­os­t­Bran­den­burg, das in­zwi­schen 33 Mit­glie­der in drei Land­krei­sen hat, dar­un­ter wei­te­re Kran­ken­häu­ser, Arzt­pra­xen, The­ra­peu­ten und Selbst­hil­fe­grup­pen. Ziel ist ein ge­mein­sa­mes flä­chen­de­cken­des und um­fas­sen­des me­di­zi­ni­sches Ver­sor­gungs­an­ge­bot auf dem Fach­ge­biet der Lun­gen­heil­kun­de, in dem al­le da­für nö­ti­gen Kom­pe­ten­zen ver­ei­nigt sind, wel­che dem Pa­ti­en­ten wie aus ei­ner Hand zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den kön­nen.

Die Lun­ge als le­bens­wich­ti­ges Or­gan voll­bringt täg­lich Höchst­leis­tun­gen. „Mit mehr als 17 000 Atem­zü­gen am Tag schafft sie es, zir­ka 12 000 Li­ter Luft auf­zu­neh­men und mit dem ent­hal­te­nen Sau­er­stoff rund 7200 Li­ter Blut zu ver­sor­gen“, er­klärt Dr. El­mar Grimm. „Lei­der ver­wöh­nen wir sie nur sel­ten mit sau­be­rer Luft am Meer oder im Hoch­ge­bir­ge. Statt­des­sen sind wir häu­fig di­cker Luft aus­ge­setzt, der wir uns kaum ent­zie­hen kön­nen.“Luft­ver­schmut­zung ge­hö­re zu den sechs wich­tigs­ten Ge­sund­heits­ri­si­ken ne­ben Man­gel­er­näh­rung, Ta­bak- oder Al­ko­hol­kon­sum. Zu den häu­figs­ten Ur­sa­chen für di­cke Luft ge­hö­ren Staub und Fe­in­staub, Die­sel­ruß, Am­mo­ni­ak und Schwe­fel­di­oxid, aber auch Ozon­be­las­tun­gen. Zu ho­he Be­las­tun­gen kön­nen zu chro­ni­scher Bron­chi­tis, Atem­not, Asth­ma, All­er­gi­en, Lun­gen­krebs und zu Herz­er­kran­kun­gen füh­ren. Welt­weit ge­hen 3,3 Mil­lio­nen To­des­fäl­le im Jahr auf das Kon­to der Luft­ver­schmut­zung, am häu­figs­ten be­trof­fen ist Asi­en. In der EU sind es im­mer­hin noch 180 000, in Deutsch­land 35 000, ob­wohl schon vie­le Maß­nah­men ge­trof­fen wer­den. Die ärgs­ten Luft­ver­schmut­zer in Eu­ro­pa sind Kraft­fahr­zeu­ge, Flug­zeu­ge, Kreuz­fahrt­schif­fe, In­dus­trie­an­la­gen, Koh­le­kraft­wer­ke und – die in­dus­tri­el­le Land­wirt­schaft, vor al­lem durch Mas­sen­tier­hal­tung und che­mi­sche Dün­gung, die für ho­he Am­mo­niak­be­las­tun­gen in der Luft ver­ant­wort­lich sind, die im Ge­gen­satz zu vie­len an­de­ren Luft­schad­stof­fen in Deutsch­land zu­nimmt, er­klärt der Ober­arzt.

Dass Be­woh­ner an ei­ner viel­be­fah­re­nen Stra­ße im Ber­li­ner Prenz­lau­er Berg ge­fähr­de­ter sind, als in ei­nem ucker­mär­ki­schen Dorf, liegt zwar auf der Hand. Den­noch hält die ge­sun­de Land­luft nicht im­mer was sie ver­spricht. Wer häu­fig Gül­le­dämp­fen, Ne­bel von Pflan­zen­schutz­gif­ten oder auch fei­nem Ge­trei­destaub aus­ge­setzt ist, lebt eben­so ge­fähr­lich.

Den­noch ge­hört die Ucker­mark zu den Re­gio­nen mit der ge­sün­des­ten Luft. Mess­sta­tio­nen in Schwedt und Ebers­wal­de über­wa­chen stän­dig die Schad­stoff­be­las­tun­gen. Der Deut­sche Lun­gen­tag will durch In­for­ma­ti­on und Auf­klä­rung auch das öf­fent­li­che Be­wusst­sein schär­fen, wel­chen Bei­trag man für ge­sün­de­re Luft leis­ten kann. Das Rau­chen auf­zu­ge­ben, ist das ei­ne. Öf­ter mal das Au­to ste­hen zu las­sen, den Fleisch­kon­sum vor al­lem aus Mas­sen­tier­hal­tung zu über­prü­fen, Bio­land­wirt­schaft zu un­ter­stüt­zen und Ur­laub in ge­sun­der See­luft zu ma­chen, statt in smog­be­las­te­te Groß­städ­te zu rei­sen, sind klei­ne, wirk­sa­me Schrit­te. Die Po­li­tik steht in der Ver­ant­wor­tung, da­für die Rah­men­be­din­gun­gen zu schaf­fen. Der An­ger­mün­der Chef­arzt und Lun­gen­spe­zia­list Dr. Chris­toph Arnt­zen be­tont: „Für uns hat das The­ma Vor­beu­gung im Lun­gen­netz­werk eben­so viel Ge­wicht wie mo­derns­te Be­hand­lung von Er­kran­kun­gen.“

Die Lun­ge ver­sorgt täg­lich rund 7200 Li­ter Blut mit fri­schem Sau­er­stoff Auch die Land­luft ist zu­neh­mend mit Schad­stof­fen der Land­wirt­schaft be­las­tet

Foto: dpa/Ju­li­an Stra­ten­schul­te

Vor­sicht: Zi­ga­ret­ten­rauch schä­digt das emp­find­li­che Ge­we­be und auch die Blut­ge­fä­ße. Doch auch an­de­re Luft­schad­stof­fe ge­fähr­den die Lun­ge.

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