BER-An­woh­ner kas­sie­ren ab

Im­mo­bi­li­en­ge­schäf­te mit dem Schall­schutz am Flug­ha­fen / No­tar­kam­mer ist ge­warnt

Märkische Oderzeitung Schwedt - - Vorderseite - Von Andre­As Wendt

Schö­ne­feld. Grund­stücks­be­sit­zer im Schall­schutz­ge­biet des BER in Schö­ne­feld (Dah­meSpree­wald) grei­fen für ih­re Im­mo­bi­li­en Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen ab, in­ves­tie­ren das Geld aber nicht, son­dern ver­äu­ßern die Grund­stü­cke oh­ne Lärm­schutz wei­ter. Das Nach­se­hen ha­ben die Käu­fer.

„Das ist ein Pro­blem und es gibt die­se Fäl­le, wenn auch sel­ten“, be­stä­tigt der Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­de der Flug­ha­fen­ge­sell­schaft Ber­lin-Bran­den­burg (FBB), Rai­ner Bret­schnei­der, im In­ter­view mit die­ser Zei­tung. Mit 730 Mil- lio­nen Eu­ro will die FBB den Schall­schutz­frie­den mit sei­nen un­mit­tel­ba­ren Nach­barn her­stel­len – an­spruchs­be­rech­tigt sind der Flug­ha­fen­ge­sell­schaft zu­fol­ge 26 000 Wohn­ein­hei­ten. Für fast 6500 Grund­stü­cke im so­ge­nann­ten Tag­schutz­ge­biet mit enorm ho­hen Schutz­an­for­de­run­gen hat die FBB be­reits ei­ne Ent­schä­di­gung ge­zahlt, die nicht al­le in bau­li­che Schutz­maß­nah­men in­ves­tiert ha­ben.

Nach Aus­sa­gen des BER-Auf­sichts­rats­chefs kom­me es wie­der­holt vor, dass Grund­stücks­be­sit­zer sich die Ent­schä­di­gung aus­zah­len las­sen, da­von aber an­de­re Kre­di­te be­die­nen oder gar in den Ur­laub fah­ren und ih­re Im­mo­bi­lie ver­kau­fen. Die neu­en Ei­gen­tü­mer wüss­ten oft nicht, dass be­reits Geld an den Vor­be­sit­zer ge­zahlt wor­den ist und sei­en er­staunt, dass der An­spruch auf Schall­schutz ver­wirkt sei. „Ich kann nur al­len Käu­fern im Flug­ha­fen­um­feld ra­ten, sich ge­nau zu in­for­mie­ren – et­wa bei der Flug­ha­fen­ge­sell­schaft oder ein­deu­ti­ge Re­ge­lun­gen im No­tar­ver­trag zu ver­lan­gen“, be­tont Bret­schnei­der.

Die bran­den­bur­gi­sche In­fra­struk­tur­mi­nis­te­rin Kath­rin Schnei­der (SPD) hat Bret­schnei­der zu­fol­ge vor­sorg­lich ent­spre­chen­de Hin­wei­se an die No­tar­kam­mer ge­ge­ben, da­mit Haus­käu­fer am BER nicht ins of­fe­ne Mes­ser lau­fen, son­dern bei der Beur­kun­dung auf die be­reits ge­zahl­te Ent­schä­di­gung hin­ge­wie­sen wer­den. „Wich­tig ist, dass die Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen dann auch re­al in Schall­schutz­maß­neh­men um­ge­setzt wer­den. Zwin­gend vor­ge­schrie­ben ist das nicht, aber ich kann nur drin­gend da­zu ra­ten“, warnt Bret­schnei­der. Dass die Zweck­bin­dung für den Schall­schutz nicht stren­ger ge­re­gelt ist, lie­ge im Pl­an­fest­stel­lungs­be­schluss be­grün­det. Die­ser ge­he von der Sou­ve­rä­ni­tät des Bür­gers aus. „Auf die­se Sou­ve­rä­ni­tät set­ze ich auch. Da kann man nicht al­les vor­schrei­ben“, sagt Bret­schnei­der.

Laut Flug­ha­fen­ge­sell­schaft ha­ben An­woh­ner dann An­spruch auf ei­ne Ent­schä­di­gung, wenn die Kos­ten der Schall­schutz­maß­nah­men mehr als 30 Pro­zent des schall­schutz­be­zo­ge­nen Ver­kehrs­wer­tes be­tra­gen – da­mit ist der Wert von Grund­stück und Ge­bäu­de mit zu schüt­zen­den Räu­men ge­meint. Bis En­de Au­gust hat­ten laut FBB 82,4 Pro­zent der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer Schall­schutz be­an­tragt. „Wich­tig ist, dass der Flug­ha­fen den Aus­gleich mit den Bür­gern im Um­feld vor­an­treibt, denn die Re­gi­on braucht den Flug­ha­fen und der BER braucht mög­lichst Frie­den mit dem Um­land“, sagt Bret­schnei­der.

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