Frust der Bau­ern wächst

Dür­re-Hilfs­pro­gramm des Bun­des ent­wi­ckelt sich zu ei­nem bü­ro­kra­ti­schen Un­ge­tüm

Märkische Oderzeitung Schwedt - - Aus Aller Welt - Von mathi­as haus­Ding KRUSCHEL ER­KLÄRT´S Mehr zum The­ma un­ter: www.moz.de/agrar

Pots­dam. In Bran­den­burgs Bau­ern­schaft wächst der Är­ger über die Bun­des­agrar­mi­nis­te­rin. Denn Be­an­tra­gung und Aus­zah­lung der Dür­reh­il­fen ent­wi­ckeln sich zur bü­ro­kra­ti­schen Hän­ge­par­tie.

Hen­rik Wen­dorff ist ein ru­hi­ger, stets um Aus­gleich be­müh­ter Mensch. Aber für das Ver­hal­ten von Bun­des­mi­nis­te­rin Ju­lia Klöck­ner von der CDU hat er nur we­nig Ver­ständ­nis. „Sie ist eben dem Wein­bau in Rhein­land-Pfalz ver­bun­den, und da gibt es in die­sem Jahr ei­ne Re­kord­ern­te“, er­in­nert Bran­den­burgs Bau­ern­prä­si­dent. Dass das ex­tre­me Wetter in an­de­ren Lan­des­tei­len nicht die­se po­si­ti­ven Aus­wir­kun­gen hat­te, son­dern Be­trie­be we­gen Ern­te­aus­fäl­len in Not brin­ge, spie­le für Klöck­ner of­fen­bar kei­ne grö­ße­re Rol­le.

An­ders sei es kaum zu er­klä­ren, wie die Mi­nis­te­rin mit dem The­ma Dür­reh­il­fen um­ge­he, so Wen­dorff. „Sie hat öf­fent­lich ih­re Hilfs­be­reit­schaft er­klärt, be­kommt es aber nicht hin“, kri­ti­siert der Bau­ern­chef. „Wir er­hal­ten die un­ter­schied­lichs­ten Aus­künf­te, wie es lau­fen soll. Da si­ckert hier und da mal ei­ne In­for­ma­ti­on durch. Das ist nicht trans­pa­rent.“

Klöck­ner hat­te vor drei Wo­chen er­klärt, dass die Bau­ern bun­des­weit mit ins­ge­samt 340 Mil­lio­nen Eu­ro rech­nen kön­nen – je zur Hälf­te vom Bund und von den je­wei­li­gen Län­dern. Die­se Auf­tei­lung sei Teil eins ei­nes bü­ro­kra­ti­schen Pro­blems, das man ja ge­ra­de ver­mei­den woll­te, sagt Wen­dorff. Denn nun müss­ten die Län­der ih­re Haus­hal­te um­krem­peln, wo­mög­lich Nach­trags­etats er­ar­bei­ten.

Noch grö­ße­re Sor­gen be­rei­ten ihm je­doch die Kri­te­ri­en für ei­ne Aus­zah­lung der Hil­fen. „Es dürf­te für klei­ne wie gro­ße Be­trie­be schwie­rig wer­den, über­haupt et­was zu be­kom­men.“Die Hür­den sei­en sehr hoch, der Nach­weis der Be­dürf­tig­keit in Klöck­ners Sin­ne mit enor­mem Auf­wand ver­bun­den.

Wen­dorff denkt hier nicht nur an die Be­trie­be, die um­fang­rei­che An­trä­ge stel­len müss­ten, son­dern auch an das be­kann­ter­ma­ßen per­so­nell knapp be­setz­te Agrar­mi­nis­te­ri­um in Pots­dam, das die­se Un­ter­la­gen dann zu prü­fen ha­be. Be­denk­lich sei zu­dem, dass für den An­trag der be­trieb­li­che Jah­res­ab­schluss 2018 maß­geb­lich sein soll, der meist erst im Herbst 2019 vor­lie­ge.

„Un­se­re Pro­ble­me wer­den von Tag zu Tag grö­ßer. Wir ver­lie­ren lang­sam den Mut und den Glau­ben“, be­tont Wen­dorff. Ei­ne zü­gi­ge Aus­zah­lung von Hilfs­gel­dern sei vor al­lem für die Tier­hal­ter wich­tig. „Die Tie­re ge­ben näm­lich das Tem­po vor. Wenn kein Geld für Fut­ter da ist, müs­sen sie ab­ge­schafft wer­den.“Auch beim Bau­ern­bund Bran­den­burg als Ver­tre­tung der klei­ne­ren Fa­mi­li­en- be­trie­be ist die Em­pö­rung groß. Dort lehn­te man Klöck­ners Hilfs­plan von An­fang an ab. „Das ist ein Kon­junk­tur­pro­gramm für Be­ra­ter­fir­men, die nun die An­trä­ge schrei­ben“, kri­ti­siert Bau­ern­bund-Ge­schäfts­füh­rer Rein­hard Jung. Er be­fürch­tet, dass Be­trie­be die Al­ters­vor­sor­ge an­grei­fen und Im­mo­bi­li­en ver­kau­fen müs­sen, be­vor sie als „be­dürf­tig“gel­ten. „Ein­fa­cher und ge­rech­ter wä­re es, sich an­zu­schau­en wo es mo­na­te­lang nicht ge­reg­net hat und dort al­len Be­trie­ben et­was Geld zu ge­ben.“

Ver­wir­rend ist auch, wie vie­le Sum­men der­zeit kur­sie­ren. Der Lan­des­bau­ern­ver­band be­zif­fert die Dür­re-Ein­bu­ßen in der Mark auf 370 Mil­lio­nen Eu­ro, das Mi­nis­te­ri­um nennt 260 Mil­lio­nen, hat aber nur 104 Mil­lio­nen nach Ber­lin ge­mel­det, wo nun er­klärt wird, dass Bran­den­bur­ger Bau­ern ma­xi­mal 46 Mil­lio­nen Eu­ro be­kom­men könn­ten. Ein Spre­cher des Bran­den­bur­ger Agrar­mi­nis­te­ri­ums er­klärt: Man ha­be mit den 104 Mil­lio­nen Eu­ro je­ne Schä­den ge­mel­det, bei de­nen es um Exis­tenz­si­che­rung ge­he. Da Klöck­ner ei­ne „Voll­kas­ko­ab­si­che­rung“ab­leh­ne, sei man schließ­lich bei den 46 Mil­lio­nen ge­lan­det.

(Mit Ad­ler­au­gen)

Weil es in man­chen Tei­len Deutsch­lands in die­sem Jahr mo­na­te­lang fast gar nicht ge­reg­net hat, ha­ben die Bau­ern sehr we­nig ge­ern­tet. Auch Fut­ter für die Kü­he fehlt jetzt. Des­halb for­dern die Bau­ern jetzt schnel­le Dür­reh­il­fen vom Staat. Die Bun­des­re­gie­rung will aber erst ein­mal in Ru­he prü­fen, wie groß die Not tat­säch­lich ist. Die Bau­ern sind nicht da­mit ein­ver­stan­den, dass es so lan­ge dau­ert.

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