T 34 und Na­zi-Of­fi­zier

Das Ost­wall-Mu­se­um in Po­len hat für deut­sche Be­su­cher ein ge­wis­ses Ge­schmäck­le

Märkische Oderzeitung Schwedt - - Brandenburg - Von Dietrich SchröDer

Pnie­wo. Vor ei­ner Wo­che be­such­ten rund 50 Le­ser un­se­rer Zei­tung im Rah­men der Rad„Tour de MOZ“den ehe­ma­li­gen deut­schen Ost­wall, der et­wa 70 Ki­lo­me­ter öst­lich der Gren­ze in Po­len ver­läuft. Ne­ben den Aus­ma­ßen der An­la­ge sorg­te auch die Art, wie sie heu­ti­gen Be­su­chern prä­sen­tiert wird, für ei­ni­ges Er­stau­nen.

Kaum hat man sich durch die en­ge Ein­stiegs­lu­ke in das einst mit Ma­schi­nen­ge­weh­ren und Flam­men­wer­fern be­stück­te un­ter­ir­di­sche Pan­z­er­werk ge­quält, läuft ei­nem schon ein Schau­der über den Rü­cken. Die eins­ti­ge Hy­drau­lik der Platt­form, auf der deut­sche Sol­da­ten sich dre­hen konn­ten, um aus ver­schie­de­nen Lu­ken auf an­rol­len­de Pan­zer zu schie­ßen, funk­tio­niert noch. Wäh­rend sich das stäh­ler­ne Ge­rüst über den Köp­fen der Be­su­cher dreht, mur­melt je­mand an­er­ken­nend: „Deut­sche Wert­ar­beit“.

Doch da­mit nicht ge­nug: In ei­nem äu­ßerst na­tu­ra­lis­tisch aus­ge­stat­te­tem Of­fi­zier­s­ka­bi­nett un­ter der Er­de hockt ein deut­scher Wehr­machts­leut­nant und liest die Na­zi-Zei­tung „Völ­ki­scher Be­ob­ach­ter“. Auf sei­nem Schreib­tisch steht ein Foto sei­ner El­tern ne­ben ei­ner Schreib­ma­schi­ne.

Ne­ben­an in der frü­he­ren Mann­schafts-Toi­let­te putzt ein Sol­dat gera­de die La­tri­nen. Und ei­nen Raum wei­ter hän­gen noch die sechs Stahl­bet­ten über­ein­an­der, auf de­nen die Be­sat­zun­gen der Ge­schüt­ze einst ab­wech­selnd schlie­fen. Da­zu übe­r­all Pla­ka­te mit Pa­ro­len aus der Na­zi­zeit.

Gleich ne­ben dem Mu­se­um ist ein un­ge­wöhn­li­cher Ver­gnü­gungs­park ent­stan­den, in dem Kin­der mit Mi­ni­pan­zern schie­ßen kön­nen. Pas­send da­zu wer­den auch noch pol­nisch­spra­chi­ge Bü­cher über die Waf­fen-SS und Spe­zi­al­ein­hei­ten der deut­schen Wehr­macht ver­kauft. Wer möch­te, der kann aber auch auf ei­nem so­wje­ti­schen Mann­schafts­wa­gen ei­ne Run­de über das Ge­län­de dre­hen.

„Das hät­te ich jetzt nicht er­war­tet, dass man hier so lo­cker mit der Ver­gan­gen­heit um­geht“, meint ei­ne der deut­schen Be­su­che­rin­nen. Bis vor we­ni­gen Jah­ren wur­den in je­dem Win­ter so­gar noch die Kampf­hand­lun­gen nach­ge­spielt, bei de­nen im Ja­nu­ar 1945 ei­ne hoff­nungs­los un­ter­be­setz­te Not­be­sat­zung aus deut­schen Sol­da­ten und Volks­sturm­leu­ten drei Ta­ge lang Wi­der­stand ge­gen die an­rü­cken­den so­wje­ti­schen Pan­zer leis­te­te.

„Die­ses von Mi­li­tär-Lieb­ha­bern ver­an­stal­te­te Spek­ta­kel aber wur­de un­ter­sagt, nach­dem die na­tio­nal-kon­ser­va­ti­ve PiS-Par­tei vor drei Jah­ren die Re­gie­rung über­nom­men hat­te“, be­rich­tet ein Mu­se­ums­mit­ar­bei­ter. Denn der da­ma­li­ge Sieg der So­wjets über die Na­zis gilt aus pol­ni­scher Sicht nicht als Be­frei­ung, son­dern als Be­ginn der kom­mu­nis­ti­schen Be­sat­zung Po­lens. Dass der al­te so­wje­ti­sche T 34-Pan­zer noch an der deut­schen Pan­zer­sper­re steht, ist ei­gent­lich auch ein klei­nes Wun­der. Denn in die­sem Jahr sorg­te die PiS-Re­gie­rung da­für, dass al­le Denk­ma­le, die den so­wje­ti­schen Sieg in Po­len noch wür­dig­ten oder gar glo­ri­fi­zier­ten, ver­schwin­den muss­ten. Aus­ge­nom­men da­von sind nur die Grä­ber der so­wje­ti­schen Sol­da­ten, zu de­ren Pfle­ge sich auch Po­len ver­trag­lich ver­pflich­tet hat. Und der Pan­zer am Ost­wall gilt ei­gent­lich auch nicht als Glo­ri­fi­zie­rung, son­dern – so, wie die deut­schen Sol­da­ten – als Zeug­nis der Ge­schich­te.

Fo­tos (3): Dietrich Schröder

Ei­ner der we­ni­gen so­wje­ti­schen Pan­zer, die noch in Po­len zu se­hen sind: En­de Mai 1945 über­roll­ten die T 34 den bei der Ort­schaft Me­se­ritz (heu­te: Mied­zyr­zecz) ge­le­ge­nen deut­schen Ost­wall in drei Ta­gen.

Sehr na­tu­ra­lis­tisch: Ein deut­scher Wehr­machts­of­fi­zier liest in sei­nem Bun­ker-Bü­ro den „Völ­ki­schen Be­ob­ach­ter“.

End­lo­se Gän­ge: Die Tun­nel sind mehr als 30 Ki­lo­me­ter lang.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.