Ei­ne un­heil­ba­re Krank­heit

Le­ser äu­ßern ih­re Mei­nung zu Al­ko­hol­ab­hän­gig­keit und mög­li­chen Hil­fen

Märkische Oderzeitung Schwedt - - Leserbriefe - FritZ GuDDat eBerswaLDe mar­tin Zan­Der suchttheraPeut, hiL­Fe Für men­schen wrie­Zen in not

Zu „Mit­be­woh­ner Flat­ter­mann“(Aus­ga­be vom 5. Ok­to­ber):

Es ist gut zu se­hen, dass Sie sich die­ses wich­ti­gen The­mas an­neh­men. Wenn Trai­nings­an­ge­bo­te zum Er­ler­nen des „Kon­trol­lier­ten Trin­kens“ge­macht werden, um Ve­rän­de­rungs­wil­li­ge zu er­fas­sen, so bin ich da­mit ein­ver­stan­den. Der Er­folg wird al­ler­dings aus­blei­ben.

Schon der Be­griff „Kon­trol­lier­tes Trin­ken“ist falsch. Ein ge­sun­der Mensch muss sein Trin­ken nicht kon­trol­lie­ren. Au­ßer­dem ist es Quä­le­rei und auf Dau­er nicht aus­zu­hal­ten.

Die Al­ko­hol­krank­heit ist ei­ne un­heil­ba­re Stoff­wech­sel­krank­heit und ver­langt ei­ne le­bens­lan­ge Ab­sti­nenz als ei­ne be­son­de­re Di­ät, die ein ge­sun­des Le­ben ga­ran­tiert. Preis­er­hö­hun­gen wür­den den ab­hän­gi­gen Trin­ker nicht be­ein­dru­cken, son­dern nur sei­ne Fa­mi­lie be­las­ten. In dem Ar­ti­kel be­an­stan­den wir ei­nen in­halt­li­chen Feh­ler. Das Tro­cken­dock in Wrie­zen bie­tet ent­ge­gen Ih­rer Darstel­lung kei­ne Grup­pen- oder an­de­re An­ge­bo­te für Al­ko­hol kon­su­mie­ren­de Kli­en­ten an, oh­ne dass die­se dem Ab­sti­nenz­ge­bot fol­gen.

Der Be­richt zeigt aus­führ­lich und vielseitig, dass die Ver­sor­gung und Be­treu­ung von Per­so­nen, die im Rah­men der An­ge­bo­te der klas­sisch ab­sti­nenz­ori­en­tier­ten Sucht­hil­fe nicht er­reicht werden kön­nen, ei­ne gro­ße Her­aus­for­de­rung dar­stellt, der man be­geg­nen muss. Nun rich­tet sich die Ar­beit des Tro­cken­dock Wrie­zen eben gera­de an die In­ten­siv­ver­sor­gung chro­nisch mehr­fach ge­schä­dig­ter Ab­hän­gig­keits­kran­ker, die in Ge­mein­schaft Ab­sti­nenz her­stel­len möch­ten.

Die Kom­bi­na­ti­on kon­trol­lie­ren­der, kon­sum­re­du­zie­ren­der An­sät­ze oder ak­zep­tie­ren­der Dro­gen­ar­beit ein­zel­ner Ab­hän­gi­ger zu an­de­ren ab­sti­nenz­ori­en­tier­ten Be­treu­ten im Rah­men von Ge­mein­schafts­ein­rich­tun­gen er­ach­te ich nicht als sinn­voll. Die Rück­fall­ri­si­ken stei­gen für die­se Grup­pe deut­lich an. Dass ei­ne Viel­falt von Be­treu­ungs­an­ge­bo­ten in der Sucht­hil­fe den ein­zel­nen Be­dar­fen und auch Mög­lich­kei­ten des Be­trof­fe­nen ent­ge­gen kom­men, stün­de au­ßer Fra­ge.

Dass zur „Scha­dens­min­de­rung“auch ei­ne Be­glei­tung von Sucht­kran­ken, die wei­ter­hin un­ge­min­dert kon­su­mie­ren, für sie selbst, aber auch fi­nan­zi­ell, zur Ver­mei­dung von Be­hand­lungs­kos­ten etc., loh­nend ist, un­ter­stüt­ze ich. Dies soll­te aus mei­ner Sicht aber nicht die Sucht­hil­fe leis­ten, son­dern Teil der all­ge­mei­nen so­zia­len Be­treu­ung oder Für­sor­ge sein.

Fo­to: Ar­no Bur­gi

Der Griff zur Fla­sche: In Deutsch­land gel­ten 1,3 Mil­lio­nen Men­schen als al­ko­hol­ab­hän­gig, je­des Jahr ster­ben 20 000 an den Fol­gen des Miss­brauchs.

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