Es­ka­la­ti­on im Park­platz-Streit

Ge­denk­stät­ten-An­woh­ner Ha­san Kl­ann liegt nach ei­nem Streit mit ei­nem Bus­fah­rer im Kran­ken­haus / Po­li­zei ver­folgt vier Straf­an­zei­gen

Märkischer Zeitungsverlag Oranienburger Generalanzeiger - - Vorderseite - Von Frank osie­wacz

Ora­ni­en­burg. Der Kon­flikt um den Bu­spark­platz an der Ge­denk­stät­te Sach­sen­hau­sen hat ei­nen neu­en Hö­he­punkt er­reicht. Ein An­woh­ner liegt im Kran­ken­haus, nach­dem er am Him­mel­fahrts­tag in ei­nen Streit mit ei­nem Bus­fah­rer ge­ra­ten war. Die Po­li­zei ver­folgt vier Straf­an­zei­gen. (oz)

Ora­ni­en­burg. Der Streit um den Bu­spark­platz an der Ge­denk­stät­te Sach­sen­hau­sen ist am Him­mel­fahrts­tag es­ka­liert. Ein Bus­fah­rer und ein An­lie­ger ge­rie­ten kör­per­lich an­ein­an­der. Die ur­sprüng­li­che Ver­si­on, wo­nach der An­woh­ner den Bus­fah­rer frem­den­feind­lich be­lei­digt ha­ben soll, hat die Po­li­zei in­zwi­schen re­vi­diert. Der An­woh­ner selbst soll be­lei­digt wor­den sein. Zu­dem wur­de er schwe­rer ver­letzt, als zu­nächst von der Po­li­zei an­ge­ge­ben.

Ha­san Kl­ann liegt mit ei­nem Bruch und ei­nem Seh­nen­riss im klei­nen Fin­ger der rech­ten Hand im Ora­ni­en­bur­ger Kran­ken­haus. Der 38-Jäh­ri­ge muss­te An­fang der Wo­che ope­riert wer­den. Sei­nen Be­ruf als selbst­stän­di­ger Mas­seur wird er nun ei­ni­ge Wo­chen nicht aus­üben kön­nen. Für ihn ist das, was am 10. Mai um die Mit­tags­zeit ge­schah, noch im­mer un­be­greif­lich. Ihm kom­men mehr­fach die Trä­nen, als er da­von er­zählt.

Im Zu­ge der Er­eig­nis­se wur­den vier An­zei­gen ge­schrie­ben: Ge­gen den Bus­fah­rer er­mit­telt die Po­li­zei nun we­gen Kör­per­ver­let­zung, Volks­ver­het­zung und Dieb­stahls, um­ge­kehrt wur­de An­zei­ge we­gen Kör­per­ver­let­zung ge­gen Kl­ann ge­stellt. Das be­stä­tig­te Po­li­zei­spre­cher Toralf Rein­hardt am Don­ners­tag. Nun wer­de ge­prüft, ob im Fal­le des Bus­fah­rers al­le An­zei­gen zu­sam­men­ge­fasst wer­den kön­nen, oder ob sich zum Vor­wurf der Volks­ver­het­zung noch der Staats­schutz ein­schal­ten wird. Vier Zeu­gen hät­ten die Be­am­ten vor Ort er­mit­telt, so Rein­hardt, dar­un­ter zwei wei­te­re Bus­fah­rer. Sie al­le wer­den an­ge­hört.

Was aber war ge­sche­hen am Fei­er­tag? „Der An­woh­ner hat­te sich beim Fah­rer be­schwert, da der Bus mit lau­fen­dem Mo­tor auf ei­nem Park­platz stand. Es kam zu ei­ner hand­greif­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung, bei der der An­woh­ner frem­den­feind­lich be­schimpft und leicht ver­letzt wur­de“, heißt es in der – zwi­schen­zeit­lich kor­ri­gier­ten – Pres­se­mit­tei­lung der Po­li­zei. Doch auch das, sagt Kl­ann, ent­spre­che nicht dem, was sich er­eig­net ha­be. Im Kran­ken­haus schil­dert er die Er­eig­nis­se aus sei­ner Sicht: Kl­anns Grund­stück grenzt di­rekt an den Bu­spark­platz. „Wir wa­ren im Gar­ten. Wie so häu­fig, lie­fen bei meh­re­ren Bus­sen die Mo­to­ren“, sagt er. Er sei auf den Park­platz ge­tre­ten, um die Bus­se zu fo­to­gra­fie­ren und die Fah­rer zu bit­ten, die Mo­to­ren ab­zu­stel­len. Zwei Bus­fah­rer hät­ten dies so­fort ge­tan. Bei ei­nem drit­ten, laut Kl­ann bis da­hin un­be­tei­lig­ten Fah­rer, al­ler­dings stieß sein An­sin­nen wohl auf we­nig Ge­gen­lie­be. „Ich bin aufs Übels­te frem­den­feind­lich be­lei­digt wor­den“, sagt er. Im Po­li­zei­be­richt ist der Aus­druck „Ka­na­ke“fest­ge­hal­ten. Laut Kl­ann ha­be ihn der Fah­rer mit wei­te­ren nicht we­ni­ger dras­ti­schen frem­den­feind­li­chen und volks­ver­het­zen­den Aus­drü­cken be­legt.

„Das ist mir noch nie pas­siert“, sagt er un­ter Trä­nen. „Ich ha­be hier im­mer ge­ar­bei­tet und mir nie et­was zu Schul­den kom­men las­sen.“Erst vor zwei Wo­chen hat Kl­ann sei­nen tür­ki­schen Pass ab­ge­ge­ben und die deut­sche Staats­bür­ger­schaft an­ge­nom­men. „Weil ich hier ger­ne le­be, die Men­schen in Ora­ni­en­burg mag. Und dann das“, sagt er schluch­zend. Auf­grund der Be­lei­di­gun­gen ha­be er den Bus­fah­rer mit bei­den Ar­men um­fasst und ihn schüt­teln wol­len. Der Mann ha­be ihm mit den Hän­den ins Ge­sicht ge­fasst. Un­ter Kl­anns rech­tem Au­ge ist ein Blut­er­guss zu se­hen. Ir­gend­wann lan­de­ten sie auf dem Bo­den, und der Fin­ger brach.

Wäh­rend der Aus­ein­an­der­set­zung sei­en Kl­anns Son­nen­bril­le und sein Han­dy in den of­fen ste­hen­den Bus-In­nen­raum ge­fal­len. Die Son­nen­bril­le ha­be er sich si­chern kön­nen, das Han­dy nicht. Der Bus­fah­rer ha­be sich ge­wei­gert, das Mo­bil­te­le­fon her­aus­zu­ge­ben, ehe die Po­li­zei vor Ort sei. Spä­ter, so sagt der Po­li­zei­spre­cher, sei es für die Be­am­ten nicht auf­find­bar ge­we­sen.

Die an­de­ren Bus­fah­rer sei­en nicht ein­ge­schrit­ten, um den Streit zu schlich­ten, sagt Kl­ann. Sie hät­ten mit ih­ren Han­dys Auf­nah­men ge­macht. Schließ­lich wur­de von Bus­fah­rern der Ret­tungs­dienst ver­stän­digt. Die­ser wie­der­um alar­mier­te die Po­li­zei.

In­zwi­schen ist Kl­ann ope­riert und kennt sei­ne Pro­gno­se: Meh­re­re Wo­chen nicht ar­bei­ten und dann Re­ha. Was dies exis­ten­zi­ell für ihn be­deu­tet? „Das kann ich im Mo­ment nicht ein­schät­zen“, sagt Kl­ann. „Aber: kei­ne Ar­beit – kein Geld.“

In­zwi­schen hat sich die Pres­se­stel­le der Po­li­zei zwei­mal bei Kl­ann und sei­ner Frau für man­geln­de Kor­rekt­heit in den Pres­se­mit­tei­lun­gen ent­schul­digt. Die Mel­dung sei im In­ter­net voll­stän­dig ge­löscht wor­den, heißt es in ei­nem Schrei­ben der Po­li­zei von ges­tern. Die Ge­schäfts­füh­rung des Bus­un­ter­neh­mens, des­sen Na­me der Re­dak­ti­on be­kannt ist, war am Don­ners­tag für ei­ne Stel­lung­nah­me nicht er­reich­bar.

Fo­to: Frank Osie­wacz

Fin­ger ge­bro­chen, Seh­ne ge­ris­sen: Ha­san Kl­ann ist selbst­stän­di­ger Mas­seur. Sei­nen Be­ruf kann er vor­erst nicht wei­ter aus­üben.

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