Öf­fent­lich­keit aus­ge­bremst

Ak­ti­ons­bünd­nis Con­tra Klär­schlamm­ver­bren­nungs­an­la­ge spricht von Ta­schen­spie­ler­trick

Märkischer Zeitungsverlag Oranienburger Generalanzeiger - - Vorderseite - Von Fried­helm Brenne­cke

Ora­ni­en­burg. Das Ak­ti­ons­bünd­nis Con­tra Klär­schlamm­ver­bren­nungs­an­la­ge (KVA) in Ger­men­dorf hat die von der Stadt be­schlos­se­ne Än­de­rung des Be­bau­ungs­plans von ei­nem In­dus­trie- in ein Ge­wer­be­ge­biet be­grüßt. Gleich­zei­tig bit­tet das Bünd­nis um Spen­den für sei­ne wei­te­re Ar­beit.

Die Än­de­rung des Be­bau­ungs­plans sei nur ein ers­ter Schritt. Al­lein da­mit sei die von der In­tec En­gi­nee­ring ge­plan­te Mo­no-Klär­schlamm­ver­bren­nungs­an­la­ge im Ger­men­dor­fer Ge­wer­be­ge­biet je­doch kei­nes­wegs vom Tisch, warn­ten Mar­tin Hin­ze, Dirk Bern­hard, Jörg Fal­kow­ski und Mar­co Ba­bat­schew als Ver­tre­ter des Ak­ti­ons­bünd­nis­ses in ei­ner In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung im Ora­ni­en­werk. Gut 60 Ein­woh­ner aus Ger­men­dorf, Lee­ge­bruch, Ora­ni­en­burg und Ober­krä­mer wa­ren da­zu ge­kom­men.

Hin­ze zu­fol­ge soll die In­tec En­gi­nee­ring, die die An­la­ge bau­en will, ih­ren „un­zu­rei­chen­den Ge­neh­mi­gungs­an­trag“beim Lan­des­amt für Um­welt in­zwi­schen zu­rück­ge­zo­gen ha­ben. Das ist ges­tern vom Lan­des­um­welt­amt be­stä­tigt wor­den. Gleich­zei­tig ver­si­cher­te die Be­hör­de, dass zwi­schen­zeit­lich ein schrift­li­ches Sco­ping-Ver­fah­ren oh­ne Sco­ping-Ter­min statt­ge­fun­den ha­be. Hin­ze sprach von ei­nem Ta­schen­spie­ler­trick, weil auf die­se Wei­se ein öf­fent­li­ches Ver­fah­ren ver­hin­dert wur­de.

Das Ak­ti­ons­bünd­nis Con­tra KVA wer­de am Ball blei­ben und das wei­te­re Vor­ge­hen kri­tisch be­glei­ten. „Wir sind nicht ge­gen die Ver­bren­nung von Klär­schlamm. Aber Ger­men­dorf ist aus öko­no­mi­scher und öko­lo­gi­scher Sicht ein­fach der fal­sche Stand­ort“, sag­te Dirk Bern­hard. Mit dem Ber­li­ner Rechts­an­walt Phil­ipp Heinz ha­be man sich ju­ris­ti­schen Bei­stand ge­holt und be­reits ers­te Fra­gen klä­ren kön­nen.

Das sei aber auch mit Kos­ten ver­bun­den. Des­halb bit­tet das Ak­ti­ons­bünd­nis um Spen­den. Der Ger­men­dor­fer Künst­ler und Hu­mo­rist Han­no Loy­da bot dem Ak­ti­ons­bünd­nis an, mit ei­ner Cha­ri­ty-Ver­an­stal­tung Geld ge­gen die Klär­schlamm­ver­bren­nungs­an­la­ge ein­zu­spie­len. Mehr da­zu auf www.pro-Ger­men­dorf. de.

Das Ak­ti­ons­bünd­nis Con­tra KVA hält Ger­men­dorf für den fal­schen Stand­ort für ei­ne Klär­schlamm­ver­bren­nungs­an­la­ge – auch weil der in der Re­gi­on an­fal­len­de Klär­schlamm be­reits in An­la­gen der Ber­li­ner Was­ser­wer­ke be­han­delt wird. „Die­se An­la­ge ist da­mit über­flüs­sig und wird hier nicht ge­braucht“, er­läu­ter­te Mar­co Ba­bat­schew in der In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung. Der Klär­schlamm für die Ger­men­dor­fer An­la­ge müss­te von wei­ter her an­ge­fah­ren wer­den, was schon aus lo­gis­ti­schen Grün­den un­sin­nig wä­re. Al­lein die­se Trans­por­te – die Re­de ist von 78 zu­sätz­li­chen Lkw-Fahr­ten in der Wo­che – wür­den un­wei­ger­lich für ei­ne Ge­ruchs­be­läs­ti­gung in den An­lie­ger­ge­mein­den sor­gen, so das Bünd­nis. Das Ak­ti­ons­bünd­nis Con­tra KVA stellt sich auf ein lang­wie­ri­ges Ver­fah­ren ge­gen die An­la­ge ein.

Mit Phil­ipp Heinz hat sie ei­nen Fach­an­walt ge­win­nen kön­nen, der das Bünd­nis jetzt ju­ris­tisch ver­tre­ten wird. Mit den da­ma­li­gen Ak­teu­ren ge­gen die Ener­gos­Müll­ver­bren­nungs­an­la­ge konn­te Heinz 2003 das Ener­gos-Vor­ha­ben ver­hin­dern. Die An­la­ge soll­te üb­ri­gens auf dem­sel­ben Grund­stück ent­ste­hen, auf dem jetzt die Mo­no-Klär­schlamm­ver­bren­nungs­an­la­ge ge­plant ist.

Jetzt bit­tet das Ak­ti­ons­bünd­nis Con­tra KVA um Un­ter­stüt­zung und Spen­den. Ein Kon­to ist bei der MBS Pots­dam ein­ge­rich­tet: IBAN De78160500004740040145; Zah­lungs­emp­fän­ger: In­ter­es­sen­ge­mein­schaft; Ver­wen­dungs­zweck: Kei­ne KVA in Ger­men­dorf. (bren)

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