Gip­fel­tref­fen in Sot­schi

Märkischer Zeitungsverlag Oranienburger Generalanzeiger - - Vorderseite - El­lEn HasEn­kamp

Mos­kau. We­gen der Russ­lands­ank­tio­nen schla­gen die deut­sche und die fran­zö­si­sche Wirt­schaft vor dem heu­ti­gen Tref­fen von Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel und Prä­si­dent Em­ma­nu­el Ma­cron mit Kreml­chef Wla­di­mir Pu­tin in Sot­schi Alarm. Die Deutsch-Rus­si­sche Aus­lands­han­dels­kam­mer warn­te am Don­ners­tag vor wirt­schafts­schäd­li­chen Be­schlüs­sen. (dpa)(Kom­men­tar

Wenn auf der Welt ein Staats- oder Re­gie­rungs­chef neu ge­wählt oder im Amt be­stä­tigt wird, ver­schickt An­ge­la Mer­kel ei­ne Gra­tu­la­ti­on. Und meist schreibt die Kanz­le­rin auch, dass sie sich auf die Zu­sam­men­ar­beit freue. Sie ver­teilt die­se Freund­lich­keit groß­zü­gig; zu­letzt an den Pre­mier von Äthio­pi­en und an den von Ma­lay­sia.

Nicht aber an Wla­di­mir Pu­tin. Als der im März den haus­ho­hen Sieg zu sei­ner vier­ten Amts­zeit ein­fuhr, war auf Mer­kels Sei­te von Freu­de kei­ne Re­de. Da­für von der Not­wen­dig­keit des Dia­logs und dem Be­mü­hen um Lö­sun­gen. Viel Pflicht, we­nig Kür – das wird auch die Be­geg­nung im sub­tro­pi­schen Ba­de­ort Sot­schi prä­gen. Freund­schaft­lich ist das Ver­hält­nis zwi­schen der Frau aus Ost­deutsch­land und dem ehe­ma­li­gen Ge­heim­dienst­mann in Mos­kau da­bei nicht. Krim-Kri­se, Krieg in der Ost­ukrai­ne, Ha­cker-An­grif­fe, Gift­gas-Atta­cke und Droh­ge­bär­den ge­gen Na­to-Staa­ten ha­ben die Be­zie­hun­gen dra­ma­tisch ver­schlech­tert. Doch Russ­land auf­zu­ge­ben, ist für Mer­kel kei­ne Op­ti­on. Russ­land als neu­er Part­ner al­ler­dings auch nicht. Kaum ei­nen aus­län­di­schen Kol­le­gen kennt Mer­kel so lan­ge wie Pu­tin. Und doch ist nun al­les an­ders. Dass die trans­at­lan­ti­schen Bin­dun­gen, die Deutsch­land und Eu­ro­pa jahr­zehn­te­lang fest an der Sei­te der USA ver­or­te­ten, in Zei­ten von Do­nald Trump po­rös ge­wor­den sind, hat Mer­kel selbst in al­ler Deut­lich­keit for­mu­liert.

Pu­tin will von die­sen Auf­lö­sungs­er­schei­nun­gen pro­fi­tie­ren. Mer­kel muss da­her da­für sor­gen, dass ih­re Wor­te von der neu­en Kraft Eu­ro­pas kei­ne Phra­se blei­ben. Da­bei hat sie es mit er­heb­li­chen Flieh­kräf­ten gleich auf meh­re­ren Ebe­nen zu tun. Die EU-Staa­ten set­zen – wie zu­letzt im Fall Skri­pal – auf un­ter­schied­li­che Hal­tun­gen ge­gen­über Mos­kau. Auch die we­gen der Ukrai­ne-Kri­se ver­häng­ten Sank­tio­nen ge­ra­ten im­mer wie­der in die Dis­kus­si­on. Mer­kel muss die EU hier zu­sam­men­hal­ten. Da­bei tritt nicht mal ih­re Ko­ali­ti­on ge­schlos­sen auf: Die SPD ist tief ge­spal­ten und selbst die Schwes­ter­par­tei CSU plä­diert mit Ver­weis auf die Wirt­schaft im­mer wie­der auf mehr Nach­sicht mit Mos­kau.

Den Wes­ten zu­sam­men­hal­ten, Pu­tin die Stirn bie­ten und trotz­dem Fort­schrit­te in den Kon­flik­ten von der Krim bis Sy­ri­en er­zie­len, lau­tet al­so die Auf­ga­be. Das ist nicht leicht und be­stimmt auch kei­ne Freu­de für Mer­kel. Aber es ist ih­re Pflicht.

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