Ein fai­rer Blick auf die Jagd

Neu­er Do­ku­men­tar­film stößt bei mär­ki­schen Waid­leu­ten und Na­tur­schüt­zern glei­cher­ma­ßen auf Zu­stim­mung

Märkischer Zeitungsverlag Oranienburger Generalanzeiger - - Brandenburg - Von Ma­thi­as haus­ding

Buckow. Ei­nem neu­en Do­ku­men­tar­film ge­lingt das Kunst­stück, den Gr­a­ben zwi­schen Na­tur­schüt­zern und Jä­gern zu über­win­den. Mär­ki­sche Ver­bän­de sind voll des Lo­bes. Am Pfingst­mon­tag gibt es ei­ne Film­vor­füh­rung mit an­schlie­ßen­der Dis­kus­si­on im Bei­sein der Re­gis­seu­rin.

So viel darf ver­ra­ten wer­den: Die Fra­ge, die der Film im Ti­tel stellt, be­ant­wor­tet er nur in­di­rekt. In „Auf der Jagd – Wem ge­hört die Na­tur?“kommt Re­gis­seu­rin Ali­ce Ag­nes­kirch­ner zu dem Schluss, dass es das, was man all­ge­mein un­ter dem Be­griff „Na­tur“ver­steht, in Deutsch­land so gut wie gar nicht gibt. 99 Pro­zent des Lan­des ist Kul­tur­land­schaft. Das heißt: Al­les ist durch­ge­plant, und es gibt ver­schie­de­ne Zu­stän­dig­kei­ten, ver­schie­de­ne In­ter­es­sen, ver­schie­de­ne Ak­teu­re.

Schön kann die­se Kul­tur­land­schaft den­noch sein, un­ge­stör­te Wald­wan­de­run­gen sind eben­so mög­lich. Nur soll­te man sich vor all zu ro­man­ti­schen Vor­stel­lun­gen hü­ten. Bei­des zeigt der vor we­ni­gen Ta­gen in den Ki­nos an­ge­lau­fe­ne Film – atem­be­rau­ben­de Na­tur­bil­der aus Deutsch­land und das Agie­ren et­wa von Förs­tern und Wild­bio­lo­gen.

Im Zen­trum des Films ste­hen aber die Jä­ge­rin­nen und Jä­ger. Und die Zunft fühlt sich ver­stan­den und fair be­han­delt. Die Ber­li­ner Re­gis­seu­rin Ali­ce Ag­nes­kirch­ner ist da­für be­kannt, sich ih­ren The­men of­fen, oh­ne Vor­fest­le­gung zu nä­hern. Über die Jagd wuss­te sie vor den Dreh­ar­bei­ten kaum et­was. Freun­de hät­ten ein we­nig die Na­se ge­rümpft, als sie er­zähl­te, in wel­che Ge­fil­de sie sich be­ge­ben wol­le.

Der Film be­schreibt mit gro­ßer Ru­he, wie viel Ge­duld Jä­ger auf­brin­gen müs­sen, um ein Tier zu er­le­gen, wie sie da­für Sor­ge tra­gen, dass das Wild nicht lei­det, und wie sie mit­un­ter von ver­pflich­ten­den Ab­schuss­quo­ten un­ter Druck ge­setzt wer­den, mehr zu schie­ßen als sie für rich­tig und ver­tret­bar hal­ten.

Denn da gibt es die Bau­ern und die Förs­ter, die je­weils mög­lichst we­nig Wild im Wald wol­len. Die ei­nen, weil sie ih­re Ern­te auf den Fel­dern nicht ge­fähr­det se­hen wol­len, die an­de­ren, weil sie durch Ver­biss Ein­bu­ßen bei der Holz­pro­duk­ti­on be­fürch­ten.

„Der Film zeigt die Jagd wirk­lich­keits­nah, neu­tral und un­vor­ein­ge­nom­men. Er stärkt den Jä­ge­rin­nen und Jä­gern den Rü­cken“, freut sich Hel­ge von Gie­se, Spre­che­rin des Lan­des­jagd­ver­bands Bran­den­burg. Fried­helm Schmitz-Jersch, Lan­des­chef des Na­tur­schutz­bunds (Na­bu), hat den Film eben­falls be­reits ge­se­hen und fühlt sich dar­in be­stä­tigt, „dass Jä­ger ge­nau­so wie wir In­ter­es­se an land­schaft­li­cher Viel­falt ha­ben“. Mit nach­hal­ti­ger und na­tur­ver­träg­li­cher Jagd kön­ne der Na­bu sehr gut le­ben. Un­ter­schied­li­che Auf­fas­sun­gen, so Schmitz-Jersch, ge­be es frei­lich zum Wolf, des­sen Rück­kehr im Film auch be­leuch­tet wird.

Film­vor­füh­rung und an­schlie­ßen­de Dis­kus­si­on un­ter an­de­rem mit der Re­gis­seu­rin und Bran­den­burgs Bau­ern­prä­si­den­ten am 21. Mai ab 17 Uhr in den „Park­licht­spie­len“Buckow (Mär­ki­sche Schweiz). Wei­te­re Ter­mi­ne in der Re­gi­on un­ter: www.wem­ge­ho­ert­die­na­tur.de

Ab­schuss­quo­ten trei­ben Jä­ger oft da­zu, mehr zu schie­ßen, als sie für rich­tig hal­ten

Fo­tos: Broad­view Pic­tu­res

Ge­duld ist ge­fragt: Sze­ne aus dem Do­ku­men­tar­film „Auf der Jagd – Wem ge­hört die Na­tur?“

Auf Bil­der­su­che: Re­gis­seu­rin Ali­ce Ag­nes­kirch­ner mit Ka­me­raas­sis­tent Mar­kus Kreuz und dem süd­afri­ka­ni­schen Ka­me­ra­mann Owen Prümm (v. l.), der ei­nen be­son­de­ren Blick auf die deut­sche Tier­welt hat

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