„Über­all Müll, wo­hin man schaut“

Nicht nur die Op­po­si­ti­on im Ab­ge­ord­ne­ten­haus be­klagt ei­ne Ver­wahr­lo­sung der Stadt / Rot-Rot-Grün will neue We­ge ge­hen

Märkischer Zeitungsverlag Oranienburger Generalanzeiger - - Berlin - Von Jan­ne Kie­sel­bach und ste­fan Kru­se

Ber­lin.

Das Ber­li­ner Ab­ge­ord­ne­ten­haus ver­langt mehr Maß­nah­men zur Re­du­zie­rung des Mülls in der Stadt. In ei­nem am Don­ners­tag ge­fass­ten Be­schluss for­der­te das Par­la­ment den Se­nat auf, ent­spre­chen­de Kon­zep­te zu ent­wi­ckeln. Nö­tig sei­en mehr Ab­fall­ver­mei­dung und Wie­der­ver­wer­tung, um die Rest­müll­men­gen dras­tisch zu ver­rin­gern. An­ge­regt wird auch ein Mo­dell­pro­jekt, in des­sen Rah­men noch funk­ti­ons­fä­hi­ge Elek­tro­ge­rä­te, Mö­bel und an­de­re Haus­halts­ge­gen­stän­de auf­ge­ar­bei­tet, re­pa­riert und ver­kauft wer­den. Hilf­reich sei­en zu­dem mehr Ab­fall­be­ra­tung und Um­welt­bil­dung.

In der De­bat­te be­klag­te die AfD ei­ne ih­rer An­sicht nach zu­neh­men­de Ver­wahr­lo­sung der Stadt. „Über­all Müll, wo­hin man schaut. Die Haupt­stadt ist nur noch ein jäm­mer­li­ches Ab­zieh­bild ih­rer selbst“, sag­te der AfDAb­ge­ord­ne­te Frank Schol­ty­sek. Pro­ble­ma­tisch sei­en ne­ben dem Ab­fall auch Leih­fahr­rä­der, die auf den Stra­ßen her­um­lie­gen.

Dan­ny Frey­mark von der CDU kri­ti­sier­te au­ßer­dem ei­ne Ver­schmut­zung öf­fent­li­cher Ge­bäu­de. Den Se­nat frag­te er: „Wie kön­nen Sie ei­gent­lich zu­las­sen, dass wir in je­dem Be­zirk ver­wahr­los­te Schu­len ha­ben?“Frey­mark warf der Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on Un­tä­tig­keit vor. „Goo­geln Sie mal Müll und Lin­ke, da gibt’s nichts!“, rief er ins Plenum.

Ver­tre­ter der rot-rot-grü­nen Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on be­ton­ten, dass der Hand­lungs­be­darf er­kannt wor­den sei und be­reits ei­ni­ges ge­tan wer­de. Der Se­nat ha­be be­reits 35 Mil­lio­nen Eu­ro für ein Ak­ti­ons­pro­gramm „Sau­be­re Stadt“be­reit­ge­stellt, sag­te Da­ni­el Buch­holz von der SPD. Es ge­he dar­um, ei­ner­seits für ein stär­ke­res En­ga­ge­ment der Bür­ger in ih­ren Kie­zen zu wer­ben und an­de­rer­seits die Ber­li­ner Stadt­rei­ni­gungs­be­trie­be (BSR) zu un­ter­stüt­zen. Die BSR wer­den am 1. Ju­ni die Rei­ni­gung von 34 wei­te­ren Parks, Grün­flä­chen und Spiel­plät­zen über­neh­men – ei­gent­lich ist das Sa­che der Be­zir­ke.

„Ja, wir ha­ben ein Müll­pro­blem. Und es gibt Ecken, da wird es schlim­mer. Uns geht es um Lö­sun­gen“, sag­te der Ab­ge­ord­ne­te Ge­org Köss­ler von den Grü­nen. Man wer­de un­ter an­de­rem da­für sor­gen, dass es mehr Müll­ei­mer gibt. Au­ßer­dem kön­ne schon jetzt je­der Bür­ger Ver­schmut­zun­gen beim Ord­nungs­amt mel­den. „Ei­ne sau­be­re Stadt ist auch ei­ne Fra­ge der so­zia­len Ge­rech­tig­keit“, sag­te Köss­ler. Gera­de Fa­mi­li­en mit ge­rin­gem Ein­kom­men könn­ten nicht ein­fach ins Grü­ne fah­ren und der Ver­schmut­zung ent­flie­hen.

In Ber­lin pro­du­zie­ren al­lein pri­va­te Haus­hal­te jähr­lich 1,35 Mil­lio­nen Ton­nen Ab­fall, die zum Groß­teil ver­brannt wer­den. Au­ßer­dem wer­den in der Haupt­stadt 175 Mil­lio­nen Ein­weg­be­cher pro Jahr ver­braucht – das sind 20 000 pro St­un­de. (dpa)

In Ber­lin wer­den pro St­un­de

20 000 Ein­weg­be­cher ver­braucht

Fo­to: dpa/Paul Zin­ken

Müll­feld auf dem Forck­en­beck­platz: Die Ber­li­ner pro­du­zie­ren über ei­ne Mil­li­on Ton­nen Ab­fall im Jahr.

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