Bie­nen­kun­de bei den Fach­leu­ten

Ak­ti­ons­tag am Län­der­in­sti­tut für Bie­nen­kun­de für Kin­der und Ju­gend­li­che an­läss­lich des ers­ten Welt­bie­nen­ta­ges

Märkischer Zeitungsverlag Oranienburger Generalanzeiger - - Vorderseite - Von Hei­ke Weiß­ap­fel

Vier Ju­gend­grup­pen wa­ren am Don­ners­tag an­läss­lich des Welt­bie­nen­ta­ges am kom­men­den Sonn­tag zu Gast im Län­der­in­sti­tut. Die Ho­hen Neu­en­dor­fer Grund­schü­ler be­staun­ten ei­ne au­to­ma­ti­sche Ho­nig-Schleu­der­an­la­ge.

Ho­hen Neu­en­dorf. Aus An­lass des am Sonn­tag erst­mals statt­fin­den­den Welt­bie­nen­ta­ges hat das Län­der­in­sti­tut für Bie­nen­kun­de in Ho­hen Neu­en­dorf ei­nen Fach­tag für Jun­gim­ker an Schu­len aus­ge­rich­tet. Aus Ho­hen Neu­en­dorf, Ber­lin, aber auch aus Sach­sen und Thü­rin­gen, reis­ten Kin­der und Ju­gend­li­che an.

Die Ho­hen Neu­en­dor­fer Grund­schü­ler, die sich am Don­ners­tag­vor­mit­tag im Län­der­in­sti­tut ein­fin­den, sind bie­nen­mä­ßig nicht un­er­fah­ren. So ist aus der Grund­schu­le Nie­der­hei­de ei­ne Grup­pe ge­kom­men. An der Schu­le gibt es schon län­ger ei­ne Im­ker-AG. Aus der Wald­grund­schu­le ha­ben sich Emi­ly, Ja­kob, Ni­ko­las, Tho­ra, Flo­ri­an, Fer­di­nand, Lu­kas, Lars und Col­lin mit ih­rer Mu­sik- und Ma­the­leh­re­rin Fi­des Soch­ac­zew­sky auf den kur­zen Weg ge­macht. Sie ge­hö­ren zur Bie­nen-AG, die sich als Jun­gim­ker re­gel­mä­ßig mit den drei Bie­nen­völ­kern im Schul­gar­ten be­schäf­tigt. „In ein bis zwei Wo­chen ern­ten wir den ers­ten Ho­nig“, be­rich­tet Emi­ly. „Und wir ma­chen Ab­le­ger.“Was heißt das? „Das Volk ist zu voll“, er­klärt Emi­ly. „Des­halb wird es ge­teilt“, fährt Fer­di­nand fort. „Sonst könn­te es sein, dass die Bie­nen nicht mehr zu­rück­keh­ren und sich wo­an­ders sam­meln. Dann darf sie sich nach dem Bie­nen­ge­setz aber je­der ho­len. Da tei­len wir sie lie­ber und ha­ben dann sechs Völ­ker.“

Für die gut in­for­mier­ten Kin­der ha­ben die Fach­leu­te vom Län­der­in­sti­tut trotz­dem noch je­de Men­ge Wis­sens­wer­tes pa­rat. Wie wich­tig es ist, für die rich­ti­gen Blü­ten zu sor­gen, da­mit die Bie­nen den Nekt­ar sam­meln kön­nen, er­läu­tert der Im­ker Mar­cel­lo Oh­men. Er er­klärt, wor­in sich Sil­ber­lin­den von Win­te­ro­der Som­mer­lin­den oder von der Hol­län­di­schen Lin­de un­ter­schei­den und dass sie bis zu tau­send Gramm Zu­cker am Tag pro­du­zie­ren kann. „Da flie­gen die Bie­nen manch­mal schon im Mond­licht hin“, er­zählt Oh­men. „Der Zu­cker, den sie früh am Mor­gen ern­ten, ist mild. Ge­gen Mit­tag ver­siegt die Qu­el­le, denn der Nekt­ar ver­duns­tet an der Blü­te. Abends ist dann wie­der mehr Nekt­ar da.“Klee, Fen­chel, Bor­retsch, Rin­gel­blu­me und La­ven­del eig­nen sich bei­spiels­wei­se als Bie­nen­wei­de, er­läu­tert Mar­cel­lo Oh­men.

Uwe Ger­ber zeigt den Kin­dern die gro­ße, mo­der­ne Im­ke­rei­tech­nik – und da­mit auch die neu­es­te Er­run­gen­schaft des In­sti­tuts: ei­ne au­to­ma­ti­sche Ho­nig­schleu­der­an­la­ge. Mit­tels Sä­gen wer­den an­fangs die Wa­ben ent­de­ckelt, am En­de wird der ge­won­ne­ne Ho­nig über ein Rohr in die Ab­füll­ma­schi­ne trans­por­tiert, in der er noch ein­mal ge­fil­tert wird. Die Ver­ar­bei­tung ge­schieht bei 39 Grad Cel­si­us. „Ho­nig muss flie­ßen“, sagt Uwe Ger­ber. „Wenn er kalt wird, ver­klebt er zu schnell.“Zu For­schungs­zwe­cken hal­te das Län­der­in­sti­tut et­wa 350 Völ­ker, er­gänzt Agrar­päd­ago­ge und Im­ker­meis­ter Dr. Jens Radt­ke, der den Tag or­ga­ni­siert hat. Sie sor­gen „ne­ben­bei“für ei­nen jähr­li­chen Ho­ni­ger­trag von et­wa 15 Ton­nen.

Ums Kos­ten geht es an der nächs­ten Sta­ti­on, aber nicht ums Pau­sen­brot. Erst ein­mal er­läu­tert Mit­ar­bei­ter Ei­nar Et­zold die Pol­len­ana­ly­se. Dann wird am Ho­nig ge­ro­chen, die Kon­sis­tenz ge­prüft und ei­ne Ge­schmacks­pro­be ge­nom­men. Auch von der stän­di­gen Ge­fahr für die Bie­nen, der Var­roa-Mil­be, ha­ben die Jun­gim­ker schon ge­hört. Mit­tels In­fra­rot­ka­me­ra las­sen sich die Bie­nen im Stock be­ob­ach­ten, oh­ne ge­stört zu wer­den. Zur Be­loh­nung gibt’s ein Bröt­chen – mit Ho­nig na­tür­lich.

Die Ver­samm­lung der Ver­ein­ten Na­tio­nen hat den Welt­bie­nen­tag aus­ge­ru­fen

Fo­to: Hei­ke Weiß­ap­fel

Hei­ke Weiß­ap­fel

Un­ter­richt beim Ex­per­ten: Im­ker Mar­cel­lo Oh­men vom Bie­nen­in­sti­tut er­klär­te der höchst in­ter­es­sier­ten Bie­nen-AG der Wald­grund­schu­le Ho­hen Neu­en­dorf die ver­schie­de­nen Lin­den und an­de­re wich­ti­ge Nah­rungs­grund­la­gen der flei­ßi­gen Be­stäu­ber. Fo­tos (2):

Pol­len­ana­ly­se be­deu­tet se­hen, rie­chen, kos­ten: Schmeckt die Pro­be nach Ka­ra­mell? Riecht sie nach Stall? Wel­che Sor­te ist es? Die Kin­der fan­den es her­aus.

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