15 Jah­re für ein ru­hi­ges Dorf­le­ben

Bür­ger­ge­mein­schaft Klein-Zie­then küm­mert sich seit 15 Jah­ren ums Dorf / Gro­ßer Floh­markt am Sonn­tag

Märkischer Zeitungsverlag Oranienburger Generalanzeiger - - VORDERSEITE - Von Mar­co Wink­ler

Klein-Zie­then. Seit 15 Jah­ren küm­mert sich die Bür­ger­ge­mein­schaft Klein-Zie­then um die Be­lan­ge und das nach­bar­schaft­lich gu­te Ver­hält­nis des klei­nes Or­tes in Ober­krä­mer. Rund 90 Mit­glie­der ge­hö­ren dem Ver­ein an, der auch den Au­to­bahn­aus­bau vor der Haus­tür kri­tisch be­glei­ten möch­te.

Klein-Zie­then. „Le­ben und le­ben las­sen“könn­te das Mot­to der Klein-Zie­the­ner sein. Seit 15 Jah­ren küm­mert sich die dor­ti­ge Bür­ger­ge­mein­schaft um das Wohl des klei­nes Or­tes – und lässt doch je­den nach sei­ner Fas­son ge­wäh­ren.

Es gibt wohl kaum ei­nen Ort in Ober­krä­mer, der so auf­ge­räumt wirkt wie Klein-Zie­then. Grün­flä­chen ge­mäht, die Stra­ße sau­ber, ge­pfleg­te Gär­ten, kein Müll­ei­mer quillt über. Spie­ßi­ges Idyll? Wach­sa­me Nach­barn, die we­gen ei­nes im fal­schen Farb­ton ge­stri­che­nen Zauns jah­re­lang Groll he­gen? Mit­nich­ten! „Je­der hat hier sei­nen Rück­zugs­ort ge­fun­den, kann ma­chen, was er möch­te“, sagt Marc Kie­le, Vor­sit­zen­der der 90 Mit­glie­der und meh­re­re Ge­ne­ra­tio­nen um­fas­sen­den Bür­ger­ge­mein­schaft. Das Zu­sam­men­spiel aus Lais­sez-fai­re und em­pa­thi­scher Nach­bar­schafts­hil­fe zeich­net den Ort aus. „Wenn je­mand den Bus ver­passt, springt ein an­de­rer ein und fährt“, so Vor­stands­mit­glied Ga­b­rie­le Stadt. Pe­tra Ro­the, Vi­ze-Vor­sit­zen­de, fällt ein wei­te­res Bei­spiel ein. Sie hat vor Jah­ren Ver­kehrs­männ­chen vor ih­rem Grund­stück auf­ge­stellt. „Die klei­nen Fah­nen an den Fi­gu­ren wur­den nicht ein­mal ge­klaut. Dar­an lässt sich ei­ne Ge­sell­schaft mes­sen.“Und si­cher auch dar­an, dass die an ih­rer Scheu­ne an­ge­brach­te, knal­li­ge Spi­der­man-Fi­gur kei­nen An­stoß fand.

Der Ur­sprungs­ge­dan­ke der Bür­ger­ge­mein­schaft war ein so­li­da­ri­scher. „Wir woll­ten bei der Be­glei­tung der Au­to­bahn-Er­wei­te­rung nicht als Ein­zel­kämp­fer agie­ren“, so Kie­le, der den ak­tu­el­len Aus­bau kri­tisch be­glei­ten möch­te, je­doch we­nig Mit­spra­che­recht ha­ben dürf­te. Doch die Bür­ger­ge­mein­schaft kann mehr als Stel­lung­nah­men ge­gen un­zu­rei­chen­de Schall­schutz­vor­ha­ben schrei­ben: Spen­den für die Neu­be­pflan­zung des Dorf­teichs wur­den ge­sam­melt, Fes­te auf die Bei­ne ge­stellt, ei­ne Ort- schro­nik er­stellt, jah­re­lang für die Tem­po-30-Zo­ne ge­kämpft, Kirsch­bäu­me ge­pflanzt, da­mit die gleich­na­mi­ge Al­lee ih­res Na­men wür­dig ist.

Die Bür­ger­ge­mein­schaft hat zu­dem ein erns­tes An­lie­gen: „Wir brau­chen end­lich ei­nen Rad­weg zwi­schen Veh­lefanz und Wolfs­la­ke“, so Marc Kie­le. Die Lan­des­stra­ße (Per­we­nit­zer Chaus­see), von der aus es nur we­ni­ge Me­ter bis zur ih­rer Haus­tür sind, sei ge­ra­de in er S-Kur­ve ge­fähr­lich für Rad­fah­rer. Es ha­be hier schon Un­fäl­le mit töd­lich Ver­letz­ten ge­ge­ben.

Vor 15 Jah­ren wur­de der Na­tur­ver­bun­den­heit der Ein­woh­ner Rech­nung ge­tra­gen: Vier Mit­glie­der er­war­ben den Edis-Strom­turm, re­no­vier­ten ihn zu­sam­men mit Na­tur­schüt­zern. „Wir ha­ben ihn für un­se­re Turm­fal­ken ge­kauft, die hier brü­ten“, so Ga­b­rie­le Sta­de. Glei­ches könn­te sich die Bür­ger­ge­mein­schaft mit der rie­si­gen Scheu­ne im Dorf­kern vor­stel­len. Sie steht leer; der Eigentümer wol­le das denk­mal­ge­schütz­te Ge­bäu­de aber nicht ver­kau­fen. „Wir wün­schen uns, dass die Scheu­ne ei­ne Nut­zung er­fährt, viel­leicht als Ate­lier, sonst ver­fällt sie im­mer mehr“, so Pe­tra Ro­the.

Sehr sta­bil prä­sen­tiert sich die­sen Sonn­tag ei­ne Tra­di­ti­ons­ver­an­stant­lung im Ort: Zum elf­ten Mal rich­tet die Bür­ger­ge­mein­schaft mit Un­ter­stüt­zung der Ge­mein­de und des Orts­bei­rats Neu-Veh­lefanz ei­nen Ga­ra­gen­und Scheu­nen­floh­markt aus. „Das ist ein Selbst­läu­fer“, sagt Marc Kie­le. „Dich­tes Ge­drän­ge wird es al­ler­dings nicht ge­ben, es wird al­les so über­sicht­lich wie un­se­re Ort­schaft“, re­la­ti­viert er die Be­fürch­tung, dicht an dicht ge­dräng­te Stän­de vor­zu­fin­den. Ent­lang der Kir­schal­lee und im Dorf­kern öff­nen Be­woh­ner zwi­schen 10 und 15 Uhr ih­re To­re, um Ge­brauch­tes, Neu­es, An­ti­qua­ri­sches und Über­ra­schen­des zu ver­äu­ßern. Bei schlech­tem Wetter kon­zen­triert sich der Markt auf die Spi­der­manScheu­ne. Der Floh­markt hat sich her­um­ge­spro­chen, Stamm­gäs­te kom­men aus den um­lie­gen­den Dör­fern – oder von weit her. „Ein­mal wa­ren Schwe­den zu Gast, die un­se­re Zimt­schne­cken ge­lobt ha­ben“, so Ga­b­rie­le Sta­de. Die Skan­di­na­vi­er fühl­ten sich wie zu Hau­se im auf­ge­räum­ten Klein-Zie­then.

Ver­ein 2003 als Be­glei­tung für den Aus­bau der Au­to­bahn ge­grün­det

Fo­to: Mar­co Wink­ler

Bür­ger für Bür­ger: Marc Kie­le, Pe­tra Ro­the (links) und Ga­b­rie­le Sta­de

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