Wei­ter Streit um Bi­ber­damm

Lee­ge­bru­cher Ge­mein­de­ver­tre­ter Frank Zachrau sieht Ent­wäs­se­rung der Muh­re ge­fähr­det / Ge­mein­de könn­te bei Stark­re­gen be­droht sein

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Ober­ha­vel. Der Bi­ber­damm in der Muh­re öst­lich von Lee­ge­bruch sorgt wei­ter­hin für Streit. Die Lee­ge­bru­cher hal­ten das Hin­der­nis für ei­ne gro­ße Ge­fahr bei Stark­re­gen. Sie be­fürch­ten ei­ne Über­flu­tung. Der Kreis be­ruft sich auf das Bun­des­na­tur­schutz­ge­setz, das ei­ne Be­sei­ti­gung von Bi­ber­bur­gen ver­bie­tet. „Das Pro­blem wird jetzt aber be­ar­bei­tet“, sag­te Bernhard Mein­ke, Ver­band­sin­ge­nieur beim Was­ser- und Bo­den­ver­band „Schnel­le Ha­vel“, nach ei­nem Vor-Ort-Ter­min mit der Un­te­ren Na­tur­schutz­be­hör­de. Nicht nur zu den Bi­bern, son­dern auch zur Ge­wäs­ser­un­ter­hal­tung be­zieht der Kreis klar Stel­lung, wie ein Bericht der Ver­wal­tung jetzt be­legt.

Lee­ge­bruch. Der El­be­bi­ber ist laut Bun­des­na­tur­schutz­ge­setz ei­ne streng ge­schütz­te Art, die nicht ge­tö­tet oder auch nur ge­stört wer­den darf. So­gar sei­ne Fort­pflan­zungs- und Ru­he­stät­ten sind ge­schützt. Dar­auf be­ruft sich die Un­te­re Na­tur­schutz­be­hör­de des Land­krei­ses Ober­ha­vel und weist aus­drück­lich dar­auf hin, dass die Bi­ber­burg in der Muh­re öst­lich von Lee­ge­bruch (aber schon auf Ora­ni­en­bur­ger Ge­mar­kung) nicht be­sei­tigt wer­den darf. Wer das den­noch tun wür­de, macht sich straf­bar.

Die­se Po­si­ti­on ist in ih­rer Strin­genz in Lee­ge­bruch auf gro­ßes Un­ver­ständ­nis ge­sto­ßen. „Ich ha­be das für ei­nen schlech­ten Scherz ge­hal­ten“, sagt der Ge­mein­de­ver­tre­ter Frank Zachrau (CDU). Er hat des­halb ei­nen „Brand­brief“un­ter an­de­ren an den Land­rat und al­le Land­tags­frak­tio­nen ge­schrie­ben. Dar­auf bis hat er bis heu­te aber kei­ne Ant­wort be­kom­men. Denn fast ein Jahr nach der ver­hee­ren­den Über­schwem­mung durch den Stark- und Dau­er­re­gen, des­sen Fol­gen im­mer noch nicht voll­stän­dig be­sei­tigt sind, wächst in Lee­ge­bruch die Sor­ge, dass sich ein sol­cher Ka­ta­stro­phen­fall wie­der­ho­len könn­te. Ein Hin­der­nis im Mo­or­gra­ben wä­re dann ab­so­lut kon­tra­pro­duk­tiv. „Die Muh­re ist ein Ent­wäs­se­rungs­gra­ben nicht nur für Lee­ge­bruch, son­dern auch für Ger­men­dorf, Eden, Tier­gar­ten und Tei­le von Ora­ni­en­burg“, sagt Zachrau. Wenn des­sen Funk­ti­on aber durch ei­nen Bi­ber­bau be­hin­dert wer­de, könn­te das bei Stark­re­gen ganz er­heb­li­che Aus­wir­kun­gen vor al­lem auf den nörd­li­chen und öst­li­chen Teil der Ge­mein­de ha­ben.

Wel­che Fol­gen das sein kön­nen, be­nennt Zachrau in sei­nem „Brand­brief“: Schä­den an Pri­vat­ei­gen­tum, am Ab­was­ser­sys­tem und der ge­sam­ten In­fra­struk­tur wie Stra­ßen, Strom­lei­tun­gen und Gassta­ti­on. „Ei­ne Über­flu­tung der Stra­ßen wür­de un­wei­ger­lich wie­der zu ei­nem tem­po­rä­ren Aus­fall des Un­ter- druck-Ab­was­ser­sys­tems füh­ren, und im Frei­ge­fälle­sys­tem wür­de es zu ei­ner Ver­mi­schung von Schmutz- und Ober­flä­chen­was­ser kom­men. Dann könn­te wie 2017 wie­der ei­ne Ge­fahr für Leib und Le­ben be­ste­hen“, be­fürch­tet Zachrau. Die Bil­der des vo­ri­gen Jah­res sei­en hof­fent­lich noch al­len in Er­in­ne­rung.

„Ich möch­te gern wis­sen, wer für ei­nen sol­chen Fall die Ver­ant­wor­tung über­nimmt“, sagt Zachrau und ver­weist dar­auf, dass al­le be­tei­lig­ten Kom­mu­nen, Ver­bän­de und der Land­kreis beim The­ma Ent­wäs­se­rung bes­ser zu­sam­men­ar­bei­ten müss­ten. „Die Mo­de­ra­ti­on und Ko­or­di­na­ti­on durch ei­ne über­ge­ord­ne­te Stel­le wä­re wich­tig“, sagt Zachrau.

Der Land­kreis Ober­ha­vel ver­weist auf die Ge­set­zes­la­ge. Ei­ne Aus­nah­me da­von sei nur mög­lich, wenn der Nach­weis er­bracht wer­de, dass bei der der­zei­ti­gen Stau­hö­he der Muh­re er­heb­li­che Schä­den zu er­war­ten sei­en. „Mes­sun­gen ha­ben er­ge­ben, dass über dem Bi­ber- damm noch 1,30 Me­ter Luft ist bis zur Ober­kan­te der Muh­re. Da­mit dürf­te von der Bi­ber­burg noch kei­ne dro­hen­de Ge­fahr aus­ge­hen“, sagt Con­stan­ze Gatz­ke, die Pres­se­spre­che­rin der Kreis­ver­wal­tung.

Bei ei­nem Vor-Ort-Ter­min der Un­te­ren Na­tur­schutz­be­hör­de mit dem Was­ser- und Bo­den­ver­band „Schnel­le Ha­vel“sei zu Wo­chen­be­ginn auch er­ör­tert wor­den, wel­che Al­ter­na­ti­ven noch denk­bar wä­ren. Das kön­ne et­wa ein „Bi­ber­täu­scher“sein. Da­bei han­delt es sich um ei­ne Art von Drai­na­ge im Bi­ber­damm, die ein Ab­flie­ßen des Was­sers we­nigs- tens teil­wei­se er­laubt und da­mit den Stau­pe­gel senkt.

Sei­tens des Was­ser- und Bo­den­ver­ban­des, der beim Land­kreis ei­ne Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung be­an­tragt hat­te, heißt es, das Pro­blem sei in Ar­beit, so Ver­band­sin­ge­nieur Bernhard Mein­ke. (bren)

Fo­to: Fried­helm Brenne­cke

Damm des An­sto­ßes: Der Bi­ber­bau in der Muh­re staut das Was­ser auf.

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