Die Me­dien­scheu der Leh­rer

Bil­dungs­aus­schuss des Land­tags dis­ku­tiert über zu ge­rin­ge Com­pu­ter­nut­zung an Schu­len

Märkischer Zeitungsverlag Oranienburger Generalanzeiger - - RAT & TAT - Von Ma­thi­as haus­ding

Potsdam. Der Land­tag hat am Don­ners­tag ei­ne Be­stands­auf­nah­me zu Di­gi­ta­li­sie­rung und Me­dien­bil­dung an den Schu­len ge­macht. Fro­he Kun­de war kaum zu er­war­ten. Vom Aus­maß der De­fi­zi­te zeig­ten sich meh­re­re Ab­ge­ord­ne­te je­doch scho­ckiert.

Bran­den­bur­ger Schü­ler soll­ten früh an die Ar­beit mit mo­der­nen Me­di­en her­an­ge­führt wer­den. Dar­in wa­ren sich in der Ex­per­ten­an­hö­rung vor dem Bil­dungs­aus­schuss al­le ei­nig. Es ge­he dar­um, neue For­men der Wis­sens­ver­mitt­lung zu er­schlie­ßen und ei­nen kri­ti­schen Um­gang mit Me­di­en zu ler­nen.

So weit die Theo­rie. In der Pra­xis sieht es so aus, dass sich im Bran­den­burg des Jah­res 2018 nicht ein­mal an­ge­hen­de Leh­rer im Stu­di­um mit dem The­ma be­fas­sen. Es war vor al­lem der Vor­trag von Il­ka Goetz vom Zen­trum für Lehr­er­bil­dung an der Uni Potsdam, der für Kopf­schüt­teln und teils schar­fe Kri­tik der Ab­ge­ord­ne­ten sorg­te. Goetz räum­te ein, dass es kei­ne ver­pflich­ten­de Lehr­ver­an­stal­tung zur Me­dien­bil­dung ge­be. Di­gi­ta­le Me­di­en wür­den in der Leh­re „nur punk­tu­ell“zum Ein­satz kom­men.

Hin­zu kom­me, dass Lehr­amts­stu­den­ten ten­den­zi­ell eher we- nig Nei­gung zur Ar­beit mit den di­gi­ta­len Me­di­en hät­ten. Il­ka Goetz konn­te da­zu auf Stu­di­en ver­wei­sen, wo­nach bei Nach­wuchs-Leh­rern das ge­druck­te Buch wei­ter­hin höchs­te Wert­schät­zung ge­nie­ße und mo­der­ne Me­di­en teil­wei­se ganz be­wusst ge­mie­den wer­den.

Die Grü­nen­ab­ge­ord­ne­te Ma­rie Lui­se von Ha­lem zeig­te sich „er­schro­cken“von die­sen Schil­de­run­gen und sprach von ei­nem „ver­nich­ten­den Fa­zit“. Helmut Bart­hel (SPD) warf der Uni Ta­ten­lo­sig­keit vor. „Wenn ich das hö­re, muss ich mich fra­gen, ob wir mit dem Zen­trum für Lehr­er­bil­dung gut auf­ge­stellt sind“, är­ger­te sich der Ab­ge­ord­ne­te. Er woll­te ge­nau­so wie Kath­rin Dan­nen­berg (Lin­ke) wis­sen, was die Uni­ver­si­tät für ei­ne Ver­bes­se­rung der Si­tua­ti­on un­ter­neh­me.

Il­ka Goetz blieb in ih­ren Ant­wor­ten va­ge. Ein ver­pflich­ten­des Mo­dul zur Me­dien­bil­dung sei wich­tig, aber nicht so ein­fach um­zu­set­zen. Wo ge­nau die Hür­den lie­gen, ließ sie of­fen. Im­mer­hin ha­be man im ver­gan­ge­nen Jahr ei­nen Ar­beits­kreis ge­grün­det, um das The­ma an­zu­ge­hen. Im Üb­ri­gen sei der Schul­be­reich „ein Tan­ker, bei dem Ve­rän­de­run­gen ih­re Zeit brau­chen“.

Mat­thi­as Specht vom Lan­des­fach­ver­band Me­dien­bil­dung Bran­den­burg (LMB) be­müh­te sich in sei­nem Vor­trag um ei­nen op­ti­mis­ti­schen Grund­ton. So ge­be es vie­le Ak­teu­re und Pro­jek­te im Land zum The­ma Me­dien­bil­dung. Es feh­le je­doch Ver­net­zung so­wie ein Kon­zept für die flä­chen­de­cken­de Ver­sor­gung.

Der Me­di­en­wis­sen­schaft­ler Gui­do Bröck­ling be­rich­te­te mit Ver­weis auf ei­ne Stu­die über die Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen ex­ter­nen Part­nern und Schu­len, dass es an bil­dungs­po­li­ti­schen Vor­ga­ben feh­le, was Me­dien­bil­dung zu leis­ten ha­be. „Al­les wird bei den Schul­trä­gern ab­ge­la­den, über Ver­ant­wort­lich­kei­ten und Zie­le wird kaum ge­spro­chen.“Bröck­ling er­zähl­te an ei­nem Bei­spiel, wie gu­te Me­dien­bil­dung aus­se­hen kön­ne. So ha­be man vor ei­nem Jahr an ei­ner Schu­le in Prenz­lau fä­cher­über­grei­fend den stark über Me­di­en ge­führ­ten US-Wahl­kampf ana­ly­siert. „Die Schü­ler schlüpf­ten in ver­schie­de­ne Rol­len, und die Haupt­auf­ga­be war die me­dia­le Ver­mitt­lung von Stand­punk­ten.“

Fo­to: dpa/Bernd Settnik

Mo­dern: Ein Schü­ler der Vol­taire-Schu­le in Potsdam löst ei­ne Auf­ga­be mit iPad und Com­pu­ter.

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