Pol­ni­sche Wün­sche ver­zö­gern Brü­cken­bau

Um Con­tainertrans­por­te auf der Oder zu er­mög­li­chen, soll die künf­ti­ge neue Ei­sen­bahn­brü­cke bei Küs­trin hö­her wer­den als ge­plant

Märkischer Zeitungsverlag Oranienburger Generalanzeiger - - BRANDENBURG - Von Dietrich Schrö­Der

Küs­trin. Gin­ge es nach der Deut­schen Bahn, hät­te der Bau von zwei neu­en Ei­sen­bahn­brü­cken für die Ost­bahn bei Küs­trin be­reits be­gon­nen. Doch das pol­ni­sche Mi­nis­te­ri­um für Bin­nen­schiff­fahrt dringt auf ei­ne grö­ße­re Durch­fahrts­hö­he für Con­tai­ner­schif­fe, die bis­her auf der Oder gar nicht fah­ren.

Nicht 5,20 Me­ter, wie zu­nächst ge­plant, son­dern sie­ben Me­ter soll die lich­te Hö­he der zu­künf­ti­gen Ei­sen­bahn­brü­cke über den Grenz­fluss be­tra­gen. „So viel, da­mit Schif­fe mit zwei über­ein­an­der ge­sta­pel­ten Con­tai­ne­re­ta­gen durch­pas­sen“, er­läu­tert Michal Iwa­now­ski, Spre­cher der Wo­je­wod­schaft Le­bu­ser Land. Der vom War­schau­er Bin­nen­schiff­fahrts­mi­nis­te­ri­um zu Jah­res­be­ginn er­ho­be­ne Ein­wand sei für sei­ne Wo­je­wod­schaft ge­nau­so über­ra­schend ge­kom­men, wie für die Deut­sche Bahn, fügt er hin­zu.

Weil die pol­ni­sche For­de­rung bis­her aber noch nicht end­gül­tig fi­xiert wur­de, liegt das Bau­vor­ha­ben, für das laut ei­nem Staats­ver­trag über den Er­halt der Ei­sen­bahn­ver­bin­dun­gen die deut­sche Sei­te ver­ant­wort­lich ist, auf Eis. Die Pfei­ler der Brü­cke sind über 150 Jah­re alt – bis 1945 fuh­ren noch die eins­ti­gen Ex­press­zü­ge von Ber­lin ins ost­preu­ßi­sche Kö­nigs­berg dar­über. Und die nach den Kriegs­zer­stö­run­gen ein­ge­bau­ten Ober­tei­le der Brü­cke wa­ren ur­sprüng­lich auch nur als Pro­vi­so­ri­um ge­dacht.

„Die Re­gio­nal­zü­ge zwi­schen Kostrzyn (Küs­trin) und Ber­linLich­ten­berg kön­nen nur noch im Schne­cken­tem­po über die 300 Me­ter lan­ge Brü­cke fah­ren“, be­rich­tet ein Lok­füh­rer von der Nie­der­bar­ni­mer Ei­sen­bahn, die die Stre­cke be­treibt. Ähn­li­ches gilt für die Brü­cke über die Oder­vor­flut, die sich im Wes­ten gleich an­schließt.

Um das Na­del­öhr zu be­sei­ti­gen, hat­te die Deut­sche Bahn schon En­de 2015 ih­re Plä­ne für die Neu­bau­ten vor­ge­stellt. 47 Mil­lio­nen Eu­ro sol­len bei­de Brü­cken kos­ten. Ins­be­son­de­re die von der Ber­li­ner In­ge­nieur­ge­sell­schaft Schüß­ler-Plan ent­wor­fe­ne Haupt­brü­cke über den Grenz­fluss ist ein ech­tes Schmuck­stück. Im Ge­gen­satz zur bis­he­ri­gen Brü­cke soll sie kei­ne Pfei­ler im Fluss ha­ben, da­mit ihr Hoch­was­ser und Eis­schol­len nichts an­ha­ben kön­nen.

Doch durch die For­de­rung nach der grö­ße­ren Hö­he muss­te der für die­ses Jahr ge­plan­te Baustart be­reits ver­scho­ben wer­den. Das Pro­blem war auf dem deutsch-pol­ni­schen Bahn­gip­fel, zu dem Bran­den­burgs Re­gie­rungs­chef Diet­mar Wo­id­ke am Mon­tag die­ser Wo­che ein­ge­la­den hat­te, zu­nächst in­tern de­bat­tiert wor­den. Öf­fent­lich ge­macht hat es jetzt die Ver­wal­tungs­spit­ze der Wo­je­wod­schaft Le­bu­ser Land, weil man dort auch we­gen ei­ner wei­te­ren Oder­brü­cke, die bei Zie­lo­na Gó­ra ent­ste­hen soll, vor dem glei­chen Pro­blem steht. Die Ver­wal­tungs­che­fin Elz­bie­ta Polak hat­te Po­lens Re­gie­rungs­chef Ma­teusz Mora­wi­ecki be­reits En­de Mai in ei­nem Brief um ei­ne ra­sche Klä­rung ge­be­ten, bis­her aber kei­ne Ant­wort er­hal­ten.

Die Ver­zö­ge­rung kommt auch des­halb un­ge­le­gen, weil so­wohl Bran­den­burg wie auch die Nach­bar­wo­je­wod­schaft ihr In­ter­es­se be­kun­det ha­ben, die Ost­bahn von Ber­lin über Mün­che­berg und Küs­trin bis nach Gor­zów (Lands­berg) zu elek­tri­fi­zie­ren und die Zahl der Zü­ge dort zu er­hö­hen. Diet­mar Wo­id­ke sprach am Mon­tag von „ei­ner wei­te­ren at­trak­ti­ven Schie­nen­ver­bin­dung“.

Alar­miert sein über die pol­ni­schen Plä­ne zum Aus­bau der Oder für die Schiff­fahrt dürf­ten auch Um­welt­schüt­zer in bei­den Län­dern. Ih­re Be­den­ken wol­len sie auf ei­ner Ta­gung zum „Na­tur­ver­träg­li­chen Hoch­was­ser­schutz“for­mu­lie­ren, die nächs­ten Mitt­woch in Slubice statt­fin­det. (Mit Ad­ler­au­gen)

Fo­tos (2): dpa/Patrick Pleul

Im küh­nen Schwung über den Grenz­fluss: So soll die künf­ti­ge Ei­sen­bahn­brü­cke bei Küs­trin aus­se­hen, die ei­gent­lich bis 2020 fer­tig wer­den soll­te. Jetzt ver­zö­gert sich das Pro­jekt.

Ein Teil der frü­he­ren Ost­bahn: Über die Pfei­ler der bis­he­ri­gen Brü­cke fuh­ren einst schon die Zü­ge aus Ber­lin ins fer­ne Kö­nigs­berg in Ost­preu­ßen. Der Neu­bau soll 47 Mil­lio­nen Eu­ro kos­ten.

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