Fri­sche­kur für den Kon­rads­berg

Andre­as von Kle­witz liest in Nie­der Neu­en­dorf

Märkischer Zeitungsverlag Oranienburger Generalanzeiger - - VORDERSEITE -

Hen­nigs­dorf.

Die We­ge im Stadt­park Kon­rads­berg sol­len im kom­men­den Jahr er­neu­ert wer­den. Al­ler­dings wird das nur ge­sche­hen, wenn der Stadt die er­hoff­te För­de­rung vom Land ge­neh­migt wird.

Nie­der Neu­en­dorf.

Andre­as von Kle­witz spannt in sei­nem Ro­man „Ke­gilé“ei­nen wei­ten Bo­gen, der die deut­sche Ko­lo­nia­li­sie­rung und Skla­ve­rei in West­afri­ka des 17. Jahr­hun­derts eben­so be­trach­tet wie die Ver­trei­bung der fran­zö­si­schen Hu­ge­not­ten nach Deutsch­land. Heu­te ab 15 Uhr wird von Kle­witz aus sei­nem Ro­man in Nie­der Neu­en­dorfs Dorf­kir­che le­sen. Der Ein­tritt ist frei.

„Ir­gend­wann hat­te ich es mit Ex­pe­di­ti­ons­be­schrei­bun­gen zu tun und fand im In­ter­net die Auf­zeich­nun­gen des Gra­fen Ot­to Fried­rich von der Gro­eben. Er war ein Mi­li­tär, der 1682 vom Gro­ßen Kur­fürs­ten die­se Ko­lo­ni­al­ex­pe­di­ti­on an die Gui­nea-Küs­te über­tra­gen be­kam“, er­zählt von Kle­witz, wie er auf die­ses The­ma stieß. „Die um­ständ­li­che Spra­che und die aus heu­ti­ger Sicht et­was nai­ve Wei­se, wie fer­ne Völ­ker be­trach­tet wur­den, die von Mit­leid bis Ver­ach­tung reich­te“, ha­be ihn be­schäf­tigt.

Als Di­plo­ma­ten­sohn und als En­kel von Pas­tor Mar­tin Nie­m­öl­ler, der als füh­ren­der Kopf der Be­ken­nen­den Kir­che in der Hit­ler-Dik­ta­tur über Jah­re im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger litt, kann von Kle­witz auf ei­ne be­weg­te Kind­heit zu­rück­schau­en. Bis zu sei­nem ach­ten Ge­burts­tag leb­te er fünf Jah­re in Ju­go­sla­wi­en. „Ich er­in­ne­re mich an die pi­to­res­ke Ti­to-Ver­eh­rung, aber auch an die Herz­lich­keit der Men­schen.“In die Er­in­ne­rung ein­ge­gan­gen ist auch der von ei­ner Non­ne er­teil­te Sport­un­ter­richt: „Das war ein span­nen­des Un­ter­neh­men.“

Und wie präg­te ihn der be­rühm­te und spä­ter in der Bun­des­re­pu­blik nicht un­um­strit­te­ne Groß­va­ter? „Sein Le­ben hat Ein­fluss ge­nom­men auf mei­ne Rom­an­schrei­be­rei. Mein Ro­man ,Das Lied des Po­ly­phem’ wur­de ge­speist von den Er­zäh­lun­gen mei­ner Mut­ter aus ih­rer Zeit in Ber­lin-Dah­lem: „Die Be­drü­ckun­gen im NS-Re­gime mit den wö­chent­li­chen Ver­hö­ren mei­ner Groß­mut­ter in der Prinz-Al­brecht-Stra­ße und den Kon­tak­ten zum Wi­der­stand.“Der Groß­va­ter sei von ihm und sei­nen Ge­schwis­tern eher als Au­to­ri­tät wahr­ge­nom­men. „Er ist 1892 ge­bo­ren und war da­mit ein ganz an­ders ge­präg­ter Mensch. In der preu­ßi­schen Gesellschaft hat­te man für Kin­der nicht so aus­ge­präg­tes Ver­ständ­nis. Bei Tisch hat­te man still zu sit­zen. An­sons­ten war das für uns die Graue Emi­nenz, die Zi­gar­re rauch­te.“Nai­ve Kin­der­fra­gen wie „Opa, wie war es im KZ?“hat er meis­tens mit ei­nem La­chen weg­ge­wischt.

Er spü­re durch­aus ei­ne Be­wun­de­rung für sei­nen Groß­va­ter, hät­te sich aber ge­wünscht, dass die­ser in der Bun­des­re­pu­blik di­plo­ma­ti­scher agiert hät­te. „Er hat­te ei­nen ge­wis­sen Hang zum Que­ru­lan­ten­tum“, er­in­nert sich von Kle­witz und denkt da­bei an den Ver­gleich, bei der Nie­m­öl­ler die Bun­des­wehr als „ho­he Schu­le des Be­rufs­ver­bre­cher­tums“be­zeich­net hat­te: „Er hät­te mehr er­reicht, wenn er das nicht so ka­no­nen­boot­mä­ßig her­aus­ge­pus­tet hät­te.“(rol)

Fo­to: privat

Stellt sei­nen Ro­man vor: Andre­as von Kle­witz.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.