Kind aus ver­dreck­ter Woh­nung ge­ret­tet

Mut­ter des ein­jäh­ri­gen Mäd­chens völ­lig be­trun­ken / Al­ko­ho­li­sier­ter Le­bens­ge­fähr­te fest­ge­nom­men

Märkischer Zeitungsverlag Oranienburger Generalanzeiger - - VORDERSEITE - Von Burk­hard keeVe

Ora­ni­en­burg. Die Po­li­zei und der Kin­der­not­dienst Ober­ha­vel ret­te­ten am Don­ners­tag­abend ein ein­jäh­ri­ges Mäd­chen aus ei­ner völ­lig ver­dreck­ten Woh­nung in Ora­ni­en­burg. Die Mut­ter und ihr Freund wa­ren völ­lig be­trun­ken.

Auf die­sen schwe­ren Fall von Kin­des­wohl­ge­fähr­dung stie­ßen zu­nächst Ret­tungs­sa­ni­tä­ter. Sie wa­ren ge­gen 21.30 Uhr alar­miert wor­den, weil der Ver­dacht auf Al­ko­hol­miss­brauch in der Schwan­ger­schaft be­stan­den ha­ben soll. Als die Ret­tungs­mit­ar­bei­ter den Zu­stand der Woh­nung so­wie der 23-jäh­ri­gen Frau (1,86 Pro­mil­le) so­wie ih­res 26-jäh­ri­gen Le­bens­ge­fähr­ten (2,17 Pro­mil­le) sa­hen und das klei­ne Mäd­chen dort vor­fan­den, in­for­mier­ten sie aus Sor­ge um das Klein­kind um­ge­hend die Po­li­zei und die Mit­ar­bei­ter des Kin­der- und Ju­gend­not­diens­tes. Die­se nah­men das ein­jäh­ri­ge Mäd­chen aus der völ­lig ver­dreck­ten und ver­müll­ten Woh­nung in Ob­hut.

Der 26-Jäh­ri­ge wur­de von der Po­li­zei ver­haf­tet. Denn bei wei­te­ren Er­mitt­lun­gen stell­ten die Be­am­ten fest, dass ge­gen den Mann zwei Haft­be­feh­le we­gen Trun­ken­heit am Steu­er und Kör­per­ver­let­zung vor­lie­gen. We­gen die­ser Ver­ge­hen soll­te er ent­we­der ins Ge­fäng­nis oder ei­ne Er­satz­leis­tung von 3 000 Eu­ro zah­len. Da er die Sum­me nicht be­glei­chen konn­te, wur­de der 26-Jäh­ri­ge gleich in ei­ne Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt ge­bracht. Ge­gen die Mut­ter wur­de ei­ne Straf­an­zei­ge we­gen Kin­des­wohl­ge­fähr­dung auf­ge­nom­men.

Wie die Land­kreis­ver­wal­tung am Frei­tag be­stä­tig­te, war am Don­ners­tag­abend der Fach­be­reich Ju­gend in den Fall in­vol­viert. Au­ßer­halb der Di­enst­zeit wer­de bei sol­chen Vor­fäl­len der Kin­des­wohl­ge­fähr­dung stets ein Be­reit­schafts­dienst ak­tiv. Der­zeit wer­de der Fall zum wei­te­ren Vor­ge­hen und Um­gang mit dem Kind ge­prüft. Wei­te­re An­ga­ben lehn­te der Kreis „aus Grün­den der Per­sön­lich­keits­rech­te“ab.

Al­lein im ver­gan­ge­nen Jahr wur­den im Land­kreis Ober­ha­vel 350 Ver­fah­ren zur Kin­des­wohl­ge­fähr­dung ein­ge­lei­tet, akut ge­fähr­det wa­ren da­von 104 Kin­der und Ju­gend­li­che. Im Jahr zu­vor wa­ren es 538 Ver­fah­ren, wo­bei bei 140 Kin­dern und Ju­gend­li­chen ei­ne aku­te Ge­fähr­dung vor­lag. In den meis­ten Fäl­len lag Ver­nach­läs­si­gung vor, aber manch­mal auch psy­chi­scher und kör­per­li­cher Miss­brauch.

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