Krea­tiv­werk steht auf der Kip­pe

Bei Sa­nie­rung des Al­ten Gym­na­si­ums klafft Fi­nan­zie­rungs­lü­cke von fünf Mil­lio­nen Eu­ro / Zu­dem Zeit­druck

Märkischer Zeitungsverlag Oranienburger Generalanzeiger - - HENNIGSDORF / VELTEN - Von Ro­land BEcKER

Hen­nigs­dorf. Der Um­bau des Al­ten Gym­na­si­ums zum Krea­tiv­zen­trum wird deut­lich teu­rer als ge­dacht. Au­ßer­dem ist zu ei­nem Zeit­punkt, an dem der Baustart schon längst voll­zo­gen sein soll­te, völ­lig un­klar, ob das Pro­jekt über­haupt rea­li­siert wer­den kann.

Als Bür­ger­meis­ter Tho­mas Gün­ther (SPD) jüngst der Pres­se den Stadt­haus­halt für 2019 vor­stell­te, ver­schwieg er ganz be­wusst, wie er jetzt ein­räum­te, ei­nen der dicks­ten In­ves­ti­ti­ons­bro­cken: Wei­te­re zwei Mil­lio­nen Eu­ro sol­len in die Re­ak­ti­vie­rung des Al­ten Gym­na­si­ums flie­ßen. Doch, selbst wenn die Stadt­ver­ord­ne­ten die­sen er­neu­ten Zu­schuss ge­neh­mi­gen, klafft noch im­mer ei­ne Fi­nan­zie­rungs­lü­cke von fünf Mil­lio­nen Eu­ro.

Co-Wor­king Space heißt das Zau­ber­wort, das dem denk­mal­ge­schütz­ten Ge­bäu­de neu­es Le­ben ein­hau­chen soll: Bei die­ser Form von Ar­beits­räu­men tei­len sich Frei­be­ruf­ler und klei­ne Star­tUps ge­mein­sam ein Haus und des­sen An­ge­bo­te wie Com­pu­ter­tech­nik, Ru­he­zo­nen und Kin­der­be­treu­ung. Als die Stadt das Vor­ha­ben – da­mals als vor­wie­gend Frau­en vor­be­hal­te­nes Grün­de­rin­nen­zen­trum – im Stadt-Um­lan­dWett­be­werb (SUW) als För­der­pro­jekt ein­reich­te, gab es Bei­fall aus Pots­dam.

Ak­tu­ell schätzt der Bür­ger­meis­ter die Kos­ten auf 20,6 Mil­lio­nen Eu­ro. Zur Er­in­ne­rung: Als das Vor­ha­ben im Ok­to­ber 2016 vor­ge­stellt wur­de, stan­den 13,8 Mil­lio­nen Eu­ro im Raum. Mit ei­ner städ­ti­schen Fi­nanz­sprit­ze von vier Mil­lio­nen Eu­ro plus dem Ge­bäu­de im Wert von ei­ner Mil­li­on Eu­ro so­wie ei­ner Lan­des­för­de­rung von 7,8 Mil­lio­nen Eu­ro schien das Pro­jekt an­fangs so gut wie aus­fi­nan­ziert. Doch die Pra­xis sieht kom­pli­zier­ter aus.

Ers­tes Pro­blem: Das Land hat laut Gün­ther die SUW-Töp­fe spe­zi­fi­ziert. Für die Krea­tiv- und Grün­der­zen­tren ste­hen zehn Mil­lio­nen Eu­ro zur Ver­fü­gung, fürs gan­ze Land wohl­ge­merkt. Dass al­lein Hen­nigs­dorf da­von 7,8 Mil­lio­nen Eu­ro be­kommt, klingt we­nig rea­lis­tisch. Zwei­tes Pro­blem: Da Tei­le der In­ves­ti­ti­on nicht aus dem SUW-Topf be­zu­schusst wer­den dür­fen, soll auf das För­der­pro­gramm Ak­ti­ve Stadt­zen­tren (ASZ) aus­ge­wi­chen wer­den. Nur: Des­sen För­der­höchst­satz liegt bei 67 ent­ge­gen 80 Pro­zent beim SUW. Wie die Dif­fe­renz aus­ge­gli­chen wer­den soll, ist bis­her un­klar. Drit­tes Pro­blem: Der För­der­mit­tel­ge­ber stell­te laut Gün­ther stän­dig neue For­de­run­gen. Da­zu zäh­len ei­ne de­tail­lier­te Kos­ten­auf­stel­lung nach den zu er­war­ten­den Bau­prei­sen für 2021. Auch soll ei­ne Lis­te mit Miet­ab­sichts­er­klä­run­gen vor­ge­legt wer­den. Doch wer ist da­zu vier Jah­re vor dem Ein­zug be­reit? Da­bei hat die Stadt hier schon Kom­pro­mis­se ge­macht. „Be­züg­lich der in­halt­li­chen Aus­rich­tung sind wir of­fen Rich­tung Ge­wer­be­zen­trum. Es müs­sen auch nicht mehr von Frau­en ge­führ­te Un­ter­neh­men im Fo­kus ste­hen“, sagt Gün­ther.

Wenn am 23. No­vem­ber BauStaats­se­kre­tä­rin Ines Jes­se Hen­nigs­dorf be­sucht, will Gün­ther mit ihr „über das not­wen­dig zu de­cken­de De­fi­zit re­den“. Und wenn das schief­geht? Für die­sen Fall beugt der Bür­ger­meis­ter schon mal vor: „Es gibt kei­ne Si­cher­heit, dass das Pro­jekt Rea­li­tät wird.“Klar ist für ihn: „Die Ge­samt­för­de­rung muss bis zum En­de des ers­ten Halb­jahrs 2019 ste­hen.“Das ver­langt al­lein die vom För­der­mit­tel­ge­ber vor­ge­schrie­be­ne Zeit­schie­ne. Die EU, von der das Geld für den SUWFör­der­topf ur­sprüng­lich kommt, schreibt vor, dass die Pro­jek­te bis zum 30. Ju­ni 2022 schlüs­sel­fer­tig zu über­ge­ben und bis 30. De­zem­ber 2022 auf den Eu­ro ge­nau ab­zu­rech­nen sind. Und noch ein Da­tum drängt: Laut Gün­ther läuft die er­teil­te Bau­ge­neh­mi­gung am 22. Au­gust 2022 ab.

Bür­ger­meis­ter will wei­te­re Geld­sprit­ze ge­neh­mi­gen

Ar­chiv­fo­to: Ro­land Becker

Vom Gym­na­si­um zum Krea­tiv­zen­trum: Der Ter­min für den Baustart ist voll­kom­men of­fen.

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