Man­che Sol­da­ten gel­ten bis heu­te als ver­misst

100 Jah­re nach dem Frie­dens­schluss (Teil 3): Der schwie­ri­ge Um­gang mit dem Ge­den­ken an die Kriegs­to­ten

Märkischer Zeitungsverlag Oranienburger Generalanzeiger - - HENNIGSDORF / VELTEN - Von Klaus Eu­hausEn

Hen­nigs­dorf/Nie­der Neu­en­dorf.

Als man im Ok­to­ber 1913 an die Frei­heits­krie­ge (1813 bis 1815) er­in­ner­te, lag der letz­te Feld­zug ge­gen den so­ge­nann­ten Erz­feind Frank­reich et­was mehr als vier Jahr­zehn­te zu­rück. Mit­te Au­gust 1914 stan­den deut­sche Trup­pen er­neut in Nord­frank­reich.

Et­li­che Sol­da­ten aus Hen­nigs­dorf und Nie­der Neu­en­dorf fie­len in den Kämp­fen vor Ver­dun und an der Som­me. Die­ses Schick­sal traf auch den Hen­nigs­dor­fer Leh­rer Fritz Gleich, der im Mai 1917 bei Ar­ras starb. Leh­rer Eu­gen Lang­hans wur­de ab April/Mai 1917 ver­misst und kehr­te erst An­fang 1920 aus der Kriegs­ge­fan­gen­schaft in den Hen­nigs­dor­fer Schul­dienst zu­rück.

Ge­gen En­de des Krie­ges wur­den im­mer jün­ge­re Män­ner ein­ge­zo­gen, vie­le 1917 und 1918 Ge­fal­le­ne wa­ren erst 19 Jah­re alt. Der jüngs­te, Fried­rich Gro­the, fiel kurz vor der Voll­en­dung sei­nes 19. Le­bens­jah­res im Fe­bru­ar 1917 in Ost­ga­li­zi­en. 28 der im Krieg ge­tö­te­ten Män­ner aus Hen­nigs­dorf wa­ren ka­tho­li­schen Glau­bens. Sie wa­ren Ar­bei­ter in den Hen­nigs­dor­fer Fa­bri­ken, stamm­ten zu­meist aus Po­sen, West­preu­ßen oder Schle­si­en.

Auch die Flie­ge­rei in Nie­der Neu­en­dorf, vor al­lem die Er­pro­bung und die Ab­nah­me von Flug­zeu­gen auf dem AEG-Werks­flug­platz, for­der­te Men­schen­le­ben. Ne­ben meh­re­ren Flie­gern ka­men dort zwei Chef­pi­lo­ten der Hen­nigs­dor­fer Flug­zeug­wer­ke bei Ab­stür­zen ums Le­ben: Theo­dor Schau­en­burg im Mai 1917, Wal­ter Hö­fig ein Jahr spä­ter.

Zum Kriegs­en­de am 11. No­vem­be 1918 la­gen vie­le Män­ner in La­za­ret­ten oder wa­ren in Ge­fan­gen­schaft. Vie­le Schick­sa­le konn­ten erst nach Mo­na­ten oder Jah­ren ge­klärt wer­den, an­de­re Sol­da­ten gel­ten bis heu­te als ver­misst. Be­son­ders tra­gisch traf es die Hen­nigs­dor­fer Fa­mi­li­en Ben­ditz, Hül­ler, Krü­ger, List, Pa­tel­la und Rzi­mian­ski, die je­weils zwei Söh­ne ver­lo­ren. Kriegs­ver­sehr­te wa­ren in den fol­gen­den Jahr­zehn­ten all­ge­gen­wär­tig, vie­le Män­ner wa­ren trau­ma­ti­siert.

Am 1. März 1925 fand ein ers­ter Lan­destrau­er­tag für die Kriegs­ge­fal­le­nen statt, ein Jahr spä­ter wur­de dar­aus der Volks­trau­er­tag. In Nie­der Neu­en­dorf hat­te man schon bald nach dem Krieg ei­ne schlich­te hel­le Holz­ta­fel für die sie­ben Ge­fal­le­nen in der Kir­che an­ge­bracht. Das Krie­ger­denk­mal auf dem An­ger – ein gro­ßer auf­rech­ter Find­ling mit die­sen Na­men – wur­de erst 1933 auf­ge­stellt, „im Jahr der na­tio­na­len Er­he­bung“, wie dar­auf zu le­sen stand. Spruch und Ha­ken­kreuz wur­den nach dem 8. Mai 1945 her­aus­ge­mei­ßelt.

Der Ers­te Welt­krieg ver­än­der­te das Le­ben der Men­schen in Eu­ro­pa. Durch den Krieg und die Fol­gen wur­de der Grund­stein für noch kom­men­des Übel und kom­men­de Schre­cken ge­legt. Heu­te ist die Er­in­ne­rung an das Ster­ben vie­ler Men­schen ver­blasst oder gänz­lich ver­drängt. An­ders als in Or­ten der Um­ge­bung gibt es in Hen­nigs­dorf kein öf­fent­li­ches Denk­mal mehr, das die­ses schreck­li­che Er­eig­nis ins Ge­dächt­nis ruft, das mah­nen kann und das auf­ge­sucht wer­den könn­te, um Ge­schich­te an­hand von Na­men nach­zu­voll­zie­hen.

Ei­ne Holz­ta­fel in der Kir­che er­in­nert an Nie­der Neu­en­dorfs Ge­fal­le­ne

Mit die­sem Bei­trag en­det die Se­rie zu den Aus­wir­kun­gen des Ers­ten Welt­kriegs auf Hen­nigs­dorf und Nie­der Neu­en­dorf.

Fo­to: Klaus Eu­hausen

Er­in­ne­rung am An­ger: Auf die­sem Find­ling in Nie­der Neu­en­dorf sind die Na­men der Ge­fal­le­nen ver­zeich­net.

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