Ge­denk­stein ent­hüllt

Bir­ken­wer­der er­in­nert an jü­di­sche NS-Op­fer aus dem Ort / Stol­per­stei­ne in Ho­hen Neu­en­dorf ge­putzt

Märkischer Zeitungsverlag Oranienburger Generalanzeiger - - S-BAHN-GEMEINDEN - Von Jür­gen Lie­be­zeit

Bir­ken­wer­der/Ho­hen Neu­en­dorf. Vor mehr als 70 Ein­woh­ner ist am Frei­tag­nach­mit­tag an­läss­lich des 80. Jah­res­ta­ges der Po­grom­nacht am S-Bahn­hof ein Ge­denk­stein für die jü­di­schen NS-Op­fer aus Bir­ken­wer­der ent­hüllt wor­den.

Für Bür­ger­meis­ter Ste­phan Zim­ni­ok (BiF) und Eri­ka Schür­hoff, Ge­mein­de­ver­tre­te­rin und Spre­che­rin vom Hei­mat­stüb­chen, steht der Stein nicht für ein rou­ti­ne­mä­ßi­ges Ge­den­ken, son­dern für den Be­ginn ei­ner kon­ti­nu­ier­li­chen Er­in­ne­rungs­kul­tur im Ort. „Die Dis­kus­si­on, wie wir er­in­nern wol­len, geht wei­ter“, so Zim­ni­ok, der die im Vor­feld teil­wei­se kon­tro­ver­sen Dis­kus­sio­nen als kon­struk­tiv be­zeich­ne­te.

Ge­plant seiauch, die For­schung nach wei­te­ren Schick­sa­len der jü­di­schen Mit­bür­ger, die durch den Ter­ror der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten er­mor­det oder ver­folgt wur­den, fort­zu­set­zen, so Eri­ka Schür­hoff. Gera­de an­ge­sichts der zu­neh­men­den Frem­den­feind­lich­keit sei es wich­tig, sich für die De­mo­kra­tie zu en­ga­gie­ren. „Es ist wich­tig, täg­lich für Men­schen­rech­te und De­mo­kra­tie zu kämp­fen, auch wenn man an­eckt“, sag­te Eri­ka Schür­hoff, die die Zu­nah­me von An­ti­se­mi­tis­mus und Frem­den­feind­lich­keit als „er­schre­cken­de Ent­wick­lung“be­zeich­ne­te.

Ve­ra Paulick vom Ge­schichts­stüb­chen ver­las zum En­de der Ver­an­stal­tung die Na­men der mehr als 50 jü­di­schen Op­fer aus Bir­ken­wer­der, die be­kannt sind.

An­schlie­ßend leg­ten Ofi­zi­el­le und Teil­neh­mer Blu­men vor dem Ge­denk­stein ab. Der evan­ge­li­sche Pfar­rer Phi­lip Ki­ril Prinz von Preu­ßen hielt im stil­len Ge­bet in­ne. Ge­mein­de­ver­tre­ter Pe­ter Li­g­ner (Lin­ke) leg­te nach jü­di­scher Tra­di­ti­on ei­nen Stein auf das Denk­mal.

Ur­sprüng­lich woll­ten die Mit­glie­der des Hei­mat­stüb­chens mit Stol­per­stei­nen an die jü­di­schen Op­fer er­in­nern. Da al­ler­dings die Re­cher­che schwie­rig war, ent­schie­den sich die Hob­by­his­to­ri­ker für ei­nen Ge­denk­stein.

Tors­ten Lind­ner, Vor­sit­zen­der des Ver­eins Nord­bahn­ge­mein­den mit Cou­ra­ge, kün­dig­te am Ran­de an, im nächs­ten Jahr mit ver­schie­de­nen Grup­pen ein Kon­zept für ei­ne Er­in­ne­rungs­kul­tur in Bir­ken­wer­der zu er­ar­bei­ten. Es sol­le ei­ne Form des Er­in­nerns ent­ste­hen, da­mit Bir­ken­wer­der ein le­ben­di­ger, of­fe­ner und lie­bens­wer­ter Ort blei­be.

Die Kos­ten in Hö­he von rund 1 700 Eu­ro, die NmC vor­streck­te, sol­len über Spen­den ge­deckt wer­den. Der För­der­ver­ein der Feu­er­wehr hat be­reits 500 Eu­ro ge­ge­ben.

An­läss­lich des 80. Jah­res­ta­ges der Reichs­po­grom­nacht ha­ben am Frei­tag die Mit­glie­der vom Ge­schichts­kreis und der Ar­beits­grup­pe „Brot und Salz“im Ho­hen Neu­en­dor­fer Kul­tur­kreis sie­ben Stol­per­stei­ne, die im Stadt­ge­biet an ver­trie­be­ne und er­mor­de­te Ho­hen Neu­en­dor­fer Ju­den er­in­nern, ge­putzt. An je­der Stol­per­stein-Stel­le wur­de kurz das Schick­sal der Men­schen vor­ge­stellt.

Der neue Ge­denk­stein trägt fol­gen­de In­schrift: „Zum Ge­den­ken an al­le jü­di­schen Ein­woh­ner von Bir­ken­wer­der, die durch das Na­zi­re­gime ver­folgt oder er­mor­det wur­den.“

Dür­fen trotz­dem be­tre­ten wer­den: Die Stol­per­stei­ne in Ho­hen Neu­en­dorf sind am Frei­tag ge­rei­nigt wor­den.

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