Flug­zeug­bau­er Air­bus dros­selt Pro­duk­ti­on dras­tisch

Wäh­rend die Eu­ro­pä­er am Spar­pro­gramm ar­bei­ten und Mas­sen­ent­las­sun­gen dro­hen, schöpft Kon­kur­rent Bo­eing Hoff­nung auf Wie­der­zu­las­sung der 737 Max

Märkische Allgemeine - - ERSTE SEITE - Von Frank-Tho­mas Wen­zel

dem Flug­zeug­bau­er air­bus droht ein dras­ti­scher stel­len­ab­bau. als re­ak­ti­on auf die luft­fahrt-Kri­se will der Kon­zern für zwei Jah­re sei­ne pro­duk­ti­on um 40 pro­zent kür­zen.

Ber­lin. Das Air­bus-Ma­nage­ment will mit ge­brems­ter Fer­ti­gung durch die Co­ro­na-Kri­se kom­men. Auch im nächs­ten Jahr soll die Pro­duk­ti­on noch um 40 Pro­zent un­ter den ur­sprüng­li­chen Pla­nun­gen lie­gen. Tau­sen­de von Ar­beits­plät­zen sind ge­fähr­det, und auch Kün­di­gun­gen schließt Kon­zern­chef Guil­lau­me Fau­ry nicht aus.

Noch im vo­ri­gen Jahr konn­te der eu­ro­päi­sche Flug­zeug­bau­er die Ma­schi­nen gar nicht schnell ge­nug mon­tie­ren. Be­son­ders die Nach­fra­ge nach den Mit­tel­stre­cken-Jets der A320-Fa­mi­lie und nach de­ren be­son­ders spar­sa­men „Neo“-Va­ri­an­ten war rie­sig. Hän­de­rin­gend such­te der Kon­zern nach Fach­kräf­ten un­ter an­de­rem für das gro­ße Werk in Ham­burg-Fin­ken­wer­der, das an der Ka­pa­zi­täts­gren­ze ar­bei­te­te.

Erst im vo­ri­gen Jahr wur­de die Pro­duk­ti­on der 320er auf ins­ge­samt 60 Ma­schi­nen pro Mo­nat an vier Stand­or­ten hoch­ge­fah­ren – ne­ben Ham­burg noch Tou­lou­se, Tian­jin (Chi­na) und Mo­bi­le (USA). 2021 soll­te die Zahl wei­ter auf 63 ge­stei­gert wer­den.

Doch mit der Pan­de­mie ist das Ge­schäft ein­ge­bro­chen. Im April ord­ne­te Fau­ry an, die Fer­ti­gung auf 40 Stück zu brem­sen. Bei den Langstre­cken-Ma­schi­nen A330 und A350 wur­de auf zwei und sechs Ex­em­pla­re pro Mo­nat ge­dros­selt. Da­bei soll es nun auch im Jahr 2021 blei­ben, was rech­ne­risch ei­ner Re­du­zie­rung des Out­puts um 40 Pro­zent im Ver­gleich zur ur­sprüng­li­chen Pla­nung ent­spricht.

Vie­le Air­lines ha­ben die Über­nah­me der neu­en Ma­schi­nen erst ein­mal ver­scho­ben, die nun bei Air­bus ge­parkt wer­den. Im April/Mai hät­ten die Aus­lie­fe­run­gen 80 Pro­zent un­ter Plan ge­le­gen, sag­te Fau­ry der Ta­ges­zei­tung „Die Welt“. Das wird für die Be­schäf­tig­ten Kon­se­quen­zen ha­ben, auch Kün­di­gun­gen sind mög­lich: „Es ist schwie­rig, der­zeit Ga­ran­ti­en ab­zu­ge­ben in ei­ner Si­tua­ti­on, die sich noch ver­schlech­tern könn­te.“Fau­ry meint da­mit ei­ne zwei­te Pan­de­mie­wel­le. Die könn­te auf den Flug­ver­kehr gra­vie­ren­de Aus­wir­kun­gen ha­ben.

Ei­gent­lich wol­len die Flug­li­ni­en in den nächs­ten Wo­chen die Zahl

der Ver­bin­dun­gen all­mäh­lich wie­der hoch­fah­ren, ers­te In­ter­kon­ti­nen­tal-Flü­ge wer­den be­reits an­ge­bo­ten. Doch wenn neue Rei­se­be­schrän­kun­gen kom­men, könn­ten die Air­lines in noch viel stär­ke­re Tur­bu­len­zen flie­gen, was auch die Flug­zeug­bau­er in zu­sätz­li­che Schwie­rig­kei­ten bräch­te. Das Luft­han­sa-Ma­nage­ment et­wa er­war­tet, dass die Pas­sa­gier­zah­len erst 2023 wie­der auf das Ni­veau von vor der Kri­se zu­rück­keh­ren. Und Fau­ry geht da­von aus, dass der Ab­satz an neu­en Flug­zeu­gen so­gar erst 2025 wie­der die al­ten Hö­hen er­reicht.

Das hat da­mit zu tun, dass nach Air­bus-Pro­gno­sen die Nach­fra­ge nach Groß­raum­flug­zeu­gen für die lan­gen Stre­cken erst mit deut­li­cher Ver­spä­tung wie­der zu­rück­kehrt. Hier gab es be­reits vor der Kri­se ein Über­an­ge­bot – un­ter an­de­rem, weil zu­neh­mend die Lang­ver­sio­nen von Mit­tel­stre­cken­jets bei In­ter­kon­ti­nen­tal-Flü­gen ein­ge­setzt wer­den.

Fau­ry will in den nächs­ten Wo­chen mit Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern über An­pas­sun­gen ver­han­deln. Die Er­geb­nis­se sol­len im Ju­li vor­ge­stellt wer­den. Die Strei­chung von bis zu 15 000 der ins­ge­samt 90 000 Ar­beits­plät­ze in der Spar­te für Zi­vil­flug­zeu­ge ist im Ge­spräch. Vor al­lem Nord­deutsch­land könn­te das hart tref­fen: Größ­ter Stand­ort ist Fin­ken­wer­der mit 12000 Be­schäf­tig­ten, hin­zu kom­men Sta­de (2000), Bremen (3000) und die Toch­ter Pre­mi­um Ae­ro­tec mit mehr als 4000 Mit­ar­bei­tern vor al­lem in Va­rel und Nor­den­ham. Dort ha­ben al­ler­dings nicht al­le An­ge­stell­ten mit Zi­vil­flug­zeu­gen zu tun. Aber Fin­ken­wer­der ist das größ­te Werk für die 320er-Fa­mi­lie.

Ge­werk­schaf­ter be­fürch­ten hier tie­fe Ein­schnit­te. Denn 2019 wur­den be­reits Plä­ne ge­schmie­det, ei­nen Teil der Pro­duk­ti­on nach Tou­lou­se zu ver­la­gern. Al­ler­dings han­delt es sich um ei­ne po­li­tisch höchst bri­san­te An­ge­le­gen­heit. Frank­reich und Deutsch­land, die größ­te Ak­tio­nä­re bei Air­bus sind, ach­ten sehr ge­nau dar­auf, dass Las­ten gleich­mä­ßig ver­teilt wer­den. Ein wei­te­rer Punkt: Bei Air­bus ar­bei­ten hoch­qua­li­fi­zier­te und hoch­spe­zia­li­sier­te Fach­kräf­te. Zieht die Nach­fra­ge nach Pas­sa­gier-Jets wie­der an, wer­den sie drin­gend ge­braucht. Des­halb hat auch das Ma­nage­ment ein In­ter­es­se, die Be­leg­schaft zu­sam­men­zu­hal­ten. So ge­hen Fau­ry und vie­le Markt­for­scher da­von aus, dass die Air­lines nach der Kri­se vor al­lem nach spar­sa­men Mit­tel­stre­cken­ma­schi­nen ver­lan­gen wer­den.

Da könn­te schon bald die Kon­kur­renz wie­der punk­ten. Die USLuft­fahrt­auf­sicht FAA hat nun Test­flü­ge für die 737 Max ge­neh­migt, der ers­te Start war noch für Mon­tag ge­plant. Al­le Max-Ma­schi­nen müs­sen nach zwei Ab­stür­zen we­gen un­zu­läng­li­cher Soft­ware seit 15 Mo­na­ten am Bo­den blei­ben. Ver­lau­fen die Über­prü­fun­gen nun aber er­folg­reich, könn­te die Ma­schi­ne im Sep­tem­ber wie­der im re­gu­lä­ren Flug­be­trieb ein­ge­setzt wer­den, und zahl­rei­che Flug­zeu­ge könn­ten aus­ge­lie­fert wer­den.

Fo­to: Chris­ti­an Cha­ri­si­us/dpa

Ein Air­bus-Tech­ni­ker ar­bei­tet in ei­nem Rumpf­seg­ment der Air­bus A320-Fa­mi­lie in Ham­burg-Fin­ken­wer­der.

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