Die Na­tur er­zählt uns was

Vo­gel­be­ob­ach­tung, Wan­dern und Ge­nie­ßen: An der Meck­len­bur­gi­schen Se­en­plat­te ist der Herbst da­für die idea­le Jah­res­zeit

Märkische Allgemeine - - Reise Reporter -

Ralf Koch,

Tau­sen­de Grau-, Bläss- und Saat­gän­se ras­ten, be­äugt vom See­ad­ler, der hier wie am ge­deck­ten Tisch sitzt. Ein Mi­lan kreist, ein Storch stakst über ei­ne Wie­se. Kin­ke­le zer­brö­selt ei­ne Wildhop­fen­dol­de. Was für ein aro­ma­ti­scher Duft! Kein Trom­pe­ten, kein Schnat­tern, höchs­tens mal ein bol­lern­der Tre­cker stört die Stil­le we­ni­ge Ki­lo­me­ter wei­ter im Na­tur­park Nos­sen­ti­ner/ Schwin­zer Hei­de im Wes­ten der Se­en­plat­te – dem schöns­ten Na­tur­park Meck­len­burgs. „Hier­her kom­men Men­schen, die ab­seits von Se­en­plat­te und Küs­te et­was er­le­ben wol­len“, sagt Ralf Koch. Das muss er sa­gen, der 56-jäh­ri­ge Mann mit Voll­bart und ro­ter Strick­müt­ze ist Lei­ter des Na­tur­parks und führt zu Tie­ren, de­ren Kom­mu­ni­ka­ti­on Men­schen nicht hö­ren. Koch ist Spe­zia­list für Fle­der­mäu­se. Auf ei­nem frü­he­ren Mi­li­tär­ge­län­de ha­ben sie ei­nen at­trak­ti­ven Lehr­pfad rund um die Fle­der­maus an­ge­legt. 17 Ar­ten gibt es in Deutsch­land, elf da­von ja­gen in der Nos­sen­ti­ner Hei­de Mü­cken und Co. In auf­ge­las­se­nen Bun­kern und in schwar­zen und wei­ßen Käs­ten an den Kie­fern fin­den die Fle­der­mäu­se idea­le Schutz- und Schlaf­räu­me. Mit­mach­sta­tio­nen und der Gang in meh­re­re

lei­ter des na­tur­parks nos­sen­ti­ner/schwin­zer hei­de

der Bun­ker we­cken Sym­pa­thie für die klei­nen Säu­ge­tie­re – und für ih­ren Schutz.

Ralf Koch wirkt wie je­mand, der sich ei­nen Traum er­füllt hat. Meck­len­burg bie­tet da­für viel Platz.

Bernd Kleist im 65-Ein­woh­nerOrt Ges­sin zählt auch zu die­ser Spe­zi­es. Der Mann hat sei­ne Le­bens­auf­ga­be ge­fun­den: „Wir zei­gen, dass sich ei­ne Re­gi­on weit­ge­hend selbst er­näh­ren kann.“Kleist hat „in the midd­le of now­he­re“ei­nen Bio-La­den samt Café auf­ge­macht, der wei­test­ge­hend Pro­duk­te der Re­gi­on an­bie­tet. „Re­gi­on, das sind im Qu­er­schnitt in et­wa 50 Ki­lo­me­ter“, sagt er. Hier ha­ben sie ei­ne Ge­nos­sen­schaft ge­grün­det, zu der rund 80 Pro­du­zen­ten ge­hö­ren. Per App wird die Ver­mark­tung be­darfs­ge­recht ge­steu­ert. Ge­lie­fert wird mit zwei E-Trans­por­tern.

Ei­ne Be­grü­ßungs­kis­te mit ty­pisch Meck­len­bur­gi­schem von Brot bis Bier lie­fern sie Ur­lau­bern in Ap­part­ments und Fe­ri­en­häu­sern.

Es lohnt sich, die Ge­schmä­cker Meck­len­burg-Vor­pom­merns ken­nen­zu­ler­nen. In Zeis­lers Ess­zim­mer in Plau am See wis­sen sie, wie man Steck­rü­ben­sup­pe zum Ge­nuss er­hebt, und sie be­rei­ten den Ta­ges­fang des Mü­ritz­fi­schers zu.

Noch bes­ser: selbst ko­chen. Mit zei­ti­ger An­mel­dung lässt sich ein Platz beim Koch­kurs in Ja­na Schä­fers Kräu­ter-Er­leb­nis­haus er­gat­tern. Die 50-Jäh­ri­ge kommt aus Lu­plow, ei­nem der schöns­ten Dör­fer der Se­en­plat­te. 160 Kräu­ter, nicht al­le aus hei­mi­schem Gar­ten, ver­wen­det sie in ih­rem Ei­ne-Frau-Un­ter­neh­men. Sie schwärmt beim Kräu­ter­ko­chen von Schot­ti­schem Lieb­stö­ckel statt Pe­ter­si­lie und vom chi­ne­si­schen Ge­mü­se­baum.

Was tun, wenn es nass ist in Meck­len­burg mit Land­re­gen, grau­em Him­mel und Ne­bel­luft? Auch für Na­tur­su­cher gibt es ein Schlecht­wet­ter­pro­gramm: Das Mü­rit­ze­um in Wa­ren in­sze­niert Wald und Se­en, Fisch- und Vo­gel­welt auf sinn­li­che und sin­ni­ge Wei­se. Bei Re­gen aber wird es voll im Haus der 1000 Se­en, ide­al eig­net sich der Be­such zum Ein­stieg in die Re­gi­on.

Bei Schiet­wet­ter gibt es trotz­dem viel zu se­hen und zu ent­de­cken, und da­für lohnt ein Weg zur Kunst – ins Schloss Kum­me­row. In die ba­ro­cke An­la­ge des Her­ren­hau­ses soll­te ein Ho­tel ein­zie­hen. Die Plä­ne platz­ten. Der mitt­ler­wei­le ver­stor­be­ne Ber­li­ner Un­ter­neh­mer Tors­ten Ku­nert kauf­te das Schloss am See und re­stau­rier­te be­hut­sam das Haupt­haus. Heu­te ist – von April bis Ok­to­ber – auf 3500 Qua­drat­me­tern ei­ne der bes­ten deut­schen Samm­lun­gen zeit­ge­nös­si­scher Fo­to­gra­fie zu se­hen. Stars von Andre­as Gurs­ky über Wolf­gang Till­mans bis Can­di­da Hö­fer sind mit groß­for­ma­ti­gen Wer­ken ver­tre­ten. Meck­len­burg über­rascht.

Mehr über se­hens­wer­tes in Meck­len­burg-Vor­pom­mern auf

www.rei­se­re­por­ter.de

Fo­tos: hans-Martin koch (3), Uwe eng­ler; gra­fik: open­s­tree­tMap-Mit­wir­ken­de

Breit­wand­ki­no am Re­der­ang­see: Kommt die Däm­me­rung, be­ginnt das War­ten auf die Kra­ni­che, die ih­re Schlaf­plät­ze auf­su­chen (run­des Bild im Kas­ten). Aus der Hüt­te am Ufer hat man den bes­ten Blick (1). Bernd Kleist zeigt im 65-Ein­woh­ner-Dorf Ges­sin, wie sich ei­ne Re­gi­on auf ei­ge­ne Pro­duk­te be­sin­nen kann (2). Die Kräu­ter­päd­ago­gin Ja­na Schä­fer nutzt bei den Kur­sen in ih­rer Kü­che ei­ne Aus­wahl aus 160 Kräu­tern (3).

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