Grand Can­yon der Schweiz

Viel Na­tur, we­nig Men­schen – und kei­ne lan­ge An­rei­se: Das ist die Er­folgs­for­mel für den Ur­laub in Co­ro­na-Zei­ten. Der Kan­ton Grau­bün­den ver­kör­pert sie in Rein­kul­tur.

Märkische Allgemeine - - V2 - Von Bern­hard Krie­ger

Sma­ragd­grün, Tür­kis, dann wie­der Eis­blau: Der Rhein glit­zert im­mer in an­de­ren Far­ben. Mal mä­an­dert er ge­mäch­lich da­hin, mal schäumt er zwi­schen mäch­ti­ge Fels­bro­cken ge­presst wild auf. An sei­nen Ufern ra­gen Kalksteil­wän­de bis zu 400 Me­ter in die Hö­he. Ge­schaf­fen wur­de die spek­ta­ku­lä­re Rhein­schlucht durch den Flim­ser Berg­sturz vor 10 000 Jah­ren.

„Für mich ist das der Grand Can­yon der Schweiz“, sagt Lou­is Hen­der­son. Der wil­de Rhein kurz hin­ter sei­nem Qu­ell­ge­biet am Obe­ralp­pass ist für ihn Spiel- und Ar­beits­platz zu­gleich. Seit zwölf Jah­ren be­glei­tet der En­g­län­der als Gui­de Boots­tou­ren durch die 14 Ki­lo­me­ter lan­ge Rhein­schlucht. „Der obe­re Teil ab Ilanz ist nur was für Kön­ner. Zwi­schen Ver­sam und Rei­chen­au ge­hen wir mit Fun­yaks, aber auch mit An­fän­gern aufs Was­ser“, er­klärt Hen­der­son. Die prall auf­ge­bla­se­nen Gum­mi­ka­jaks lie­gen weit­aus sta­bi­ler im Was­ser als klas­si­sche Wild­was­ser­ka­jaks.

Start­platz des Aben­teu­ers ist Ilanz, der Ge­burts­ort von Andre­as Ca­mina­da. Der Mann ist der Star un­ter den Schwei­zer Kö­chen. Seit 2010 zeich­net ihn der Gour­met­füh­rer Gui­de Mi­che­lin mit der Höchst­wer­tung von drei Ster­nen aus. Da­mals war Ca­mina­da erst 34 Jah­re alt. Sein Re­stau­rant Schloss Schau­en­stein liegt süd­lich von Chur in Fürs­ten­au. Es gibt Fein­schme­cker aus al­ler Welt, die nur des­halb nach Grau­bün­den pil­gern.

Ein wei­te­res von Ca­min­a­das Re­stau­rants, das Ig­niv, be­fin­det sich in St. Mo­ritz, im Ho­tel Bad­rutt’s Pa­lace. Es öff­net nur im Win­ter, in­zwi­schen Haupt­sai­son im En­ga­din wie fast über­all in Grau­bün­den. Erst 1864 er­fand der Ho­te­lier Jo­han­nes Bad­rutt den Win­ter­tou­ris­mus, in­dem er mit sei­nen eng­li­schen Gäs­ten wet­te­te, dass der Win­ter in St. Mo­ritz ge­nau­so schön sei wie der Som­mer. So wur­de die war­me Jah­res­zeit mit den Jah­ren zur Ne­ben­sai­son.

Zum Ku­ren kom­men nur noch we­ni­ge. Das En­ga­din zieht mit war­men Ta­gen und küh­len Näch­ten heu­te eher Ak­tiv­ur­lau­ber an. Platz ist in dem wei­ten Tal ge­nug: Wan­de­rer spa­zie­ren rund um die Se­en, Berg­stei­ger er­klim­men bis zu 4000 Me­ter ho­he Gip­fel. Rad­fah­rer tou­ren ent­spannt mit E-Bi­kes oder quä­len sich mit Renn­rä­dern an den Via­duk­ten der Rhä­ti­schen Bahn vor­bei über den Al­bu­la-Pass. Gleit­schirm­flie­ger dre­hen ih­re Run­den, wäh­rend Gol­fer in Sa­me­dan auf dem äl­tes­ten Platz der Schweiz ab­schla­gen.

Wenn sich im Herbst die sich bis hoch auf die grü­nen Al­men hoch­zie­hen­den Lär­chen gelb fär­ben und Schnee­hau­ben die Berg­mas­si­ve auf bei­den Sei­ten des Tals über­zie­hen, wirkt die Ku­lis­se fast schon kit­schig. Die Dich­te an Lu­xus­ho­tels, Top-Re­stau­rants, Edel­bou­ti­quen und No­bel­ka­ros­sen zeigt, dass das Obe­r­en­ga­din kein bil­li­ges Pflas­ter ist.

Das Un­ter­en­ga­din rund um Scuol ist güns­ti­ger. Scuol ist ei­nes der To­re zum Schwei­ze­ri­schen Na­tio­nal­park. 1914 er­öff­net, ist er der äl­tes­te der Al­pen. Ei­ne Flä­che von der Grö­ße des be­nach­bar­ten Fürs­ten­tums Liech­ten­stein wird dort sich selbst über­las­sen. Tie­re wer­den nicht be­jagt, To­t­holz nicht weg­ge­schafft. Die al­pi­ne Wild­nis ist ein For­schungs­ob­jekt für Wis­sen­schaft­ler.

Be­su­cher kön­nen den Park auf rund 100 Ki­lo­me­ter lan­gen We­gen er­for­schen. Au­ßer Rot­hir­schen und Gäm­sen zäh­len St­ein­bö­cke zu den häu­fig an­zu­tref­fen­den Tie­ren. Auf die Mur­mel­tie­re ist fast im­mer Ver­lass. Die Na­ger tum­meln sich auch auf den Al­men ober­halb von Sils Ma­ria im heu­te au­to­frei­en Val Fex, über das Fried­rich Nietz­sche einst schrieb: „Im Grun­de ge­fällt mir’s nir­gend­wo so gut.“In den 1880er-Jah­ren leb­te der Phi­lo­soph zeit­wei­se in Sils Ma­ria, sei­ne Un­ter­kunft im Ort ist heu­te ein Nietz­sche-Mu­se­um.

Nietz­sche wan­der­te gern ins Val Fex. Re­stau­rants und Alm­hüt­ten ti­schen dort def­ti­ge Spe­zia­li­tä­ten auf. Wan­dert man hin­un­ter nach Iso­la, kann man auf Eu­ro­pas höchst­ge­le­ge­ner Li­ni­en­schif­frou­te über den Sils­er­see zu­rück­fah­ren. Nur ab und zu kreu­zen dort Se­gel­schif­fe den Weg.

Auf dem be­nach­bar­ten Sil­va­pla­ner­see tum­meln sich bei schö­nem Wet­ter Hun­der­te Ki­te- und Wind­sur­fer. Früh­mor­gens schim­mert der Berg­see in den­sel­ben Grün- und Blau­tö­nen wie der wil­de Al­pen­rhein.

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