Den ei­ge­nen Ak­ku mit Son­ne la­den

Strom­spei­cher er­gän­zen Fo­to­vol­ta­ik­an­la­gen sinn­voll und rech­nen sich zu­neh­mend

Märkische Allgemeine - - IMMOBILIEN - Von Sebastian Hoff

Ber­lin. Mehr als 1,7 Mil­lio­nen Fo­to­vol­ta­ik­an­la­gen sind in Deutsch­land mitt­ler­wei­le in Be­trieb, ein Groß­teil da­von in pri­va­ten Haus­hal­ten. Der pro­du­zier­te Strom wird zum gro­ßen Teil ins Netz ein­ge­speist. Das lohn­te sich in der Ver­gan­gen­heit, weil es da­für ei­ne ho­he Ver­gü­tung gab. Doch bei neu­en An­la­gen wird emp­foh­len, den Strom selbst zu nut­zen. Al­ler­dings wird die­ser vor al­lem tags­über pro­du­ziert, wenn vie­le Be­woh­ner nicht zu Hau­se sind. Strom­spei­cher kön­nen das Pro­blem lö­sen.

Ihr Ver­kauf steigt stark an – nicht zu­letzt , weil die Prei­se fal­len und es ho­he För­de­run­gen gibt. „Im Früh­jahr 2020 wur­de in Deutsch­land der 200000. Heim­spei­cher in­stal­liert“, sagt Cars­ten Kör­nig, Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Bun­de­ver­ban­des So­lar­wirt­schaft (BSW).

■ War­um sind Strom­spei­cher sinn­voll? Wer selbst pro­du­zier­ten Strom ins Netz ein­speist, er­hält da­für nur noch we­ni­ge Cent pro Ki­lo­watt­stun­de. Im Schnitt knapp 30 Cent be­tra­gen die Kos­ten, wenn der Strom vom Ver­sor­ger be­zo­gen wird. Al­so soll­te mög­lichst viel Ener­gie selbst ge­nutzt wer­den. Mit Strom­spei­chern stei­ge der ei­ge­ne Ver­brauch auf bis zu 80 Pro­zent der er­zeug­ten Ener­gie, sagt Bar­ba­ra Witt­mann-Gin­zel, Spre­che­rin des Bun­des­ver­bands Ge­bäu­de­ener­gie­be­ra­ter In­ge­nieu­re Hand­werk (GIH). Kör­nig hat auch die Kli­ma­zie­le der Bun­des­re­gie­rung im Au­ge: Um Strom­lü­cken bei den er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en zu ver­mei­den und Er­zeu­gungs­schwan­kun­gen aus­zu­glei­chen, sei ei­ne Ver­zehn­fa­chung der Spei­cher­ka­pa­zi­tä­ten er­for­der­lich.

■ Wann lohnt sich ein Strom­spei­cher? Kör­nig weist dar­auf hin, dass vie­le Fak­to­ren be­trach­tet wer­den müs­sen, un­ter an­de­rem das Nut­zer­ver­hal­ten. „Je grö­ßer der ei­ge­ne Ver­brauch, des­to eher macht sich die An­schaf­fung be­zahlt“, er­gänzt Witt­mann-Gin­zel. Wich­tig ist es, dass der Spei­cher rich­tig di­men­sio­niert ist. Pro Ki­lo­watt Leis­tung der Fo­to­vol­ta­ik­an­la­ge soll­ten 0,7 Ki­lo­watt­stun­den Spei­cher­ka­pa­zi­tät vor­han­den sein, heißt es auf der Web­site fi­nanz­tip.de. Wird ei­ne Wär­me­pum­pe be­trie­ben oder ein E-Au­to be­tankt, soll­te die Ka­pa­zi­tät grö­ßer aus­ge­legt wer­den, er­klärt Kör­nig. Die Ren­ta­bi­li­tät hängt auch von der Le­bens­dau­er des Spei­chers ab. Die soll­te laut fi­nanz­tip.de 15 Jah­re oder mehr be­tra­gen oder an­ders aus­ge­drückt: Der Spei­cher soll­te im Ide­al­fall min­des­tens 6000-mal ge- und ent­la­den wer­den kön­nen, oh­ne dass die Ka­pa­zi­tät stark ein­bricht.

■ Wel­che Pro­duk­te sind auf dem Markt? Laut An­bie­ter So­lar­watt sind 390 Mo­del­le von 40 ver­schie­de­nen An­bie­tern er­hält­lich. Li­thi­um-Io­nen-Bat­te­ri­en ha­ben Blei­bat­te­ri­en fast voll­stän­dig vom Markt ver­drängt. Die Ge­rä­te sind in der Re­gel klei­ner als ein Kühl­schrank und pas­sen gut in ei­nen Kel­ler- oder Tech­nik­raum. Sie soll­ten kühl ste­hen, denn ab ei­ner Tem­pe­ra­tur von über 25 Grad sinkt ih­re Le­bens­dau­er. Beim Kauf soll­te dar­auf ge­ach­tet wer­den, dass das Ge­rät ei­ne mög­lichst lan­ge Ga­ran­tie­zeit und ei­nen ho­hen Wir­kungs­grad be­sitzt. „Der

Bar­ba­ra Witt­mann-Gin­zel,

Trend geht zu So­lar-sorg­los-Pa­ke­ten, be­ste­hend aus ei­ner So­lar­an­la­ge auf dem Dach, ei­nem So­lar­spei­cher im Kel­ler und im­mer häu­fi­ger ei­ner Solar­tank­stel­le vor der Haus­tür“, sagt Kör­nig.

■ Was kos­ten Strom­spei­cher und wel­che För­der­mit­tel gibt es? „Die Prei­se für Strom­spei­cher ha­ben sich in den letz­ten Jah­ren mehr als hal­biert“, sagt Kör­nig. Witt­mann-Gin­zel geht für ei­nen Pri­vat­haus­halt von Kos­ten in Hö­he von bis zu 8000 Eu­ro aus. Die Kre­dit­an­stalt für Wie­der­auf­bau (KfW) ver­gibt zins­güns­ti­ge Kre­di­te für den Aus­bau er­neu­er­ba­rer Ener­gi­en.

Da­zu ge­hö­ren auch Strom­spei­cher. In vie­len Bun­des­län­dern und Kom­mu­nen be­ste­hen spe­zi­el­le För­der­pro­gram­me.

■ Ist ein nach­träg­li­cher Ein­bau mög­lich? Grund­sätz­lich ja. „Ist ein spä­te­rer Ein­bau ge­plant, soll­ten aber mög­lichst früh­zei­tig die Vor­aus­set­zun­gen da­für ge­schaf­fen wer­den“, sagt Witt­mann-Gin­zel. Das ver­rin­ge­re die Kos­ten. An­bie­ter So­lar­watt weist dar­auf hin, dass mit ei­nem nach­träg­li­chen Ein­bau meist ein gro­ßer In­stal­la­ti­ons­auf­wand ver­bun­den sei. Au­ßer­dem sei­en oft tech­ni­sche Ve­rän­de­run­gen nö­tig.

Je grö­ßer der ei­ge­ne Ver­brauch, des­to eher macht sich die An­schaf­fung be­zahlt.

spre­che­rin des bun­des­ver­bands Ge­bäu­de­ener­gie­be­ra­ter In­ge­nieu­re hand­werk

Fo­to: malp/ado­be stock

Un­ter Strom: Mo­der­ne De­sign­spei­cher ma­chen selbst über dem So­fa im Wohn­zim­mer ei­ne gu­te Fi­gur.

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