Ad­rián Qu­et­glas

Ar­gen­ti­ni­en auf Mallor­ca und das Rät­sel der Ster­ne

Mallorca geht aus! - - Palma -

Al­les voll an die­sem Mit­tag am Pass­eig Mallor­ca, kein Tisch bleibt un­be­setzt. Muss wohl auch am Stern lie­gen, den das Re­stau­rant von Ad­rián Qu­et­glas im Herbst 2016 zu­ge­spro­chen be­kam. Der lockt ja, wie Ken­ner wis­sen, im­mer noch den ei­nen oder an­de­ren Gast an, der sonst nicht ge­kom­men wä­re. Das schick ge­klei­de­te eng­li­sche Paar et­wa, links von uns, das schon beim ers­ten Gang ver­ba­le Be­geis­te­rung er­ken­nen lässt („wow“), be­vor ein ein­zi­ger Bis­sen ver­zehrt wur­de. Vi­el­leicht fra­gen sich die bei­den zwi­schen den Spei­sen, war­um ein schlich­tes Bis­tro mit schma­len Ti­schen denn ei­nen Stern be­kom­men hat. Auf der Rech­nung hat­te es tat­säch­lich wohl kei­ner der Ex­per­ten. Das Kon­zept, mit dem der in Ar­gen­ti­ni­en ge­bo­re­ne Qu­et­glas Gäs­te lockt, ist denk­bar ein­fach. In der In­sel­mit­te prak­ti­zie­ren zwar gleich meh­re­re Kö­che die Ein-Me­nü-Politik zum Schnäpp­chen­preis – für Pal­ma ist die­ses Prin­zip aber noch et­was Un­ge­wöhn­li­ches. Es gibt al­so, was es gibt, und das kommt an: mit­tags fünf Gän­ge zu 33 Eu­ro, abends sie­ben zu 50. Die Wein­be­glei­tung mit fünf Sor­ten kos­tet im­mer gleich viel: 20 Eu­ro. Was nicht be­deu­tet, dass man nicht auch aus der Fla­schen­lis­te wäh­len könn­te: Das An­ge­bot ist gut, aber nicht dra­ma­tisch fo­kus­siert. Für 125 Eu­ro be­kä­me man ei­nen Ve­ga Si­ci­lia

Val­bue­na, was wir güns­tig nen­nen, für 59 könn­ten wir den Pa­go de los Ca­pel­la­nes No­gal be­stel­len, was wir aus­ge­spro­chen sym­pa­thisch fin­den. Wir be­gnü­gen uns mit Ca­va, des­sen Fla­sche nicht am Tisch ge­zeigt wird, und mit dem mus­ter­gül­tig prä­sen­tier­ten Bru­nus, ei­nem Rot­wein aus Mont­sant, aus der Ma­gnum ins Glas ge­schenkt: toll. Und wenn wir schon An­teil­nah­me zei­gen, dann ge­bührt die­se auch dem Ser­vice. Hier hat al­les un­kom­pli­zier­ten Stil, man fragt nach dem Wohl­be­fin­den, und ei­ne herz­li­che Emp­fangs­da­me gibt es auch. Was es noch gibt, ist Brot: meh­re­re Sor­ten, von gu­ter Aio­li be­glei­tet. Zu we­nig Bo­hei für ein Ster­ne­re­stau­rant? Ach was.

Stimmt schon. Doch der Ge­flü­gel­sa­lat mit Idia­zá­bal (Schafs­milch­Kä­se aus dem Bas­ken­land mit ge­schütz­ter Her­kunfts­be­zeich­nung), der ers­te Gang, bleibt dann blas­ser als er­hofft, ist sehr zag­haft ge­würzt, da kann auch die Pa­pri­ka­creme nicht mehr viel her­aus­rei­ßen. Fei­ner ge­rät da schon die Sup­pe von aro­ma­ti­schen Kräu­tern, die mit To­pi­n­am­bur (tol­le Idee!) und Schin­ken­krü­meln zu ei­nem mil­den, fri­schen Zwi­schen­gang auf­ge­motzt wird. Das schmeckt gut, das macht Spaß – aber mit ei­nem Stern hat es nichts zu tun. An den kommt am ehes­ten der Ka­bel­jau her­an, ei­ne schön ge­gar­te Tran­che mit dünn ge­ho­bel­ten Pil­zen, Ro­te Be­te und Wild­pilz­jus; Frucht und er­di­ge Wür­ze er­gän­zen den Fisch aus­ge­zeich­net. So wie auch das ge­schmor­te Stück Schwei­ne­ha­xe auf das An­ge­nehms­te von Kür­bis und ei­ner Man­del­luft (al­so ein gro­ber Schaum) be­glei­tet wird. An die­se Stel­le des Es­sens an­ge­kom­men, neh­men wir ei­nen gro­ßen Schluck Rot­wein, in den sich die En­g­län­de­rin von ne­ben­an gera­de Eis­wür­fel kip­pen lässt. Wir füh­len uns sehr wohl, fin­den das Es­sen sehr gut, das Preis-Leis­tungs-Ver­hält­nis toll, emp­feh­len den Be­such un­ein­ge­schränkt. Aber wenn Qu­et­glas für die­se Küche ei­nen Stern be­kommt, müss­ten un­se­res Erach­tens nach Jo­an Marc, das Team vom Dai­ca und San­ti Tau­ra schon längst ei­nen ha­ben. Das Des­sert macht üb­ri­gens zum wie­der­hol­ten Mal Freu­de, es han­delt sich um Scho­koBrow­nie mit Pas­si­ons­frucht-Sor­bet und Wal­nuss-Mous­se, es ist ta­del­los, und es wird mit ei­nem Lä­cheln ser­viert. Ei­nen Mo­ment lang über­le­gen wir, ob wir nicht für den nächs­ten Tag er­neut re­ser­vie­ren sol­len, so gut ge­fällt uns der ar­gen­ti­ni­sche Mal­lor­qui­ner, der mit ei­nem Preis-Leis­tungs-Ver­hält­nis auf­war­tet, nach dem man in Pal­ma lan­ge su­chen muss. wf

Ad­rián Qu­et­glas

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