Por­ti­xol

Al­ter Schwe­de, welch Whis­ky!

Mallorca geht aus! - - Palma -

Wir be­su­chen das Ho­tel-Re­stau­rant an ei­nem ver­reg­ne­ten Sams­tag­abend An­fang März. Manch­mal kann man es sich eben nicht aus­su­chen. Was in die­sem Fall scha­de ist. Denn bei schö­nem Wet­ter ist die Ter­ras­se di­rekt ne­ben dem Pool ein be­lieb­ter An­zie-

hungs­punkt für Ein­hei­mi­sche eben­so wie für Tou­ris­ten, ins­ge­samt ein ge­misch­tes, oft aber schi­ckes Völk­chen. So aber wer­den wir im Re­stau­rant an ei­nen Tisch am Fens­ter ge­führt und kön­nen zu­se­hen, wie di­rekt vor der Schei­be der Re­gen in den Pool pras­selt. Um­so ku­sche­li­ger ist es hier drin­nen. Wen­den wir un­se­ren Blick ins In­ne­re des Re­stau­rants, fällt uns das recht dunk­le Holzin­te­ri­eur mit sei­nen run­den Ti­schen auf – skan­di­na­vi­scher Schick, der der­zeit in al­len an­ge­sag­ten Re­stau­rants der Stadt Raum greift, hier im Por­ti­xol aber schon seit rund 17 Jah­ren zu be­stau­nen ist und ei­nen Be­weis für die Zeit­lo­sig­keit die­ses De­signs lie­fert. Das Por­ti­xol ist güns­tig zwi­schen Flug­ha­fen und Pal­ma ge­le­gen und wird auch von Bu­si­ness-Gäs­ten gern ge­nutzt. Die auf Mallor­ca le­ben­den schwe­di­schen Be­sit­zer, die üb­ri­gens auch noch das Ho­tel Es­ple­ndi­do in Sól­ler und ein Ho­tel in Ti­rol be­trei­ben, ha­ben das Por­ti­xol vor 17 Jah­ren um­ge­baut. Das er­klärt ver­mut­lich auch das De­sign der Me- tall­lam­pe di­rekt ne­ben uns. Sie könn­te ei­nem Ja­mes Bond-Film aus die­ser Zeit ent­sprun­gen sein. Ich se­he förm­lich Pier­ce Bros­nan vor mir, wie er an der an­gren­zen­den Ho­tel­bar ei­nen tro­cke­nen Mar­ti­ni be­stellt. Wir las­sen uns von die­sem Ge­dan­ken in­spi­rie­ren und be­stel­len als Ape­ri­tif zwei von den sechs zur Aus­wahl ste­hen­den Cock­tails. Der Por­ti­xol-Cock­tail (neun Eu­ro), be­ste­hend aus Pro­sec­co mit viel Erd­beer­si­rup, er­weist sich als äu­ßerst süf­fig und er­in­nert ein we­nig an den von mei­ner Be­glei­tung sehr ge­schätz­ten Straw­ber­ry Dai­qui­ri. Ich gön­ne mir ei­nen Mi­do­ri Sour für zehn Eu­ro, be­ste­hend aus Zi­tro­nen­saft, Li­me Juice, Zu­cker­si­rup und na­tür­lich Mi­do­ri, ei­nem fruch­tig-aro­ma­ti­schen Li­kör mit Me­lo­nen­ge­schmack. Der Mi­do­ri er­in­nert sehr an ei­nen Pis­co Sour, den wir aus Pe­ru ken­nen. Das fri­sche, leicht sau­re Ge­tränk ist je­den­falls ein gu­ter Start in den Abend. Was ich zu die­sem Zeit­punkt noch nicht ah­ne: Sun­to­ry wird mir an die­sem

Abend noch ein zwei­tes Mal be- geg­nen. Die Cock­tails wer­den üb­ri­gens in der Kar­te als „Whi­le wait­ing“-Über­brü­ckung an­ge­bo­ten. Das emp­fin­den wir als net­tes Un­der­state­ment. Ser­vice und Küche sind an die­sem Abend flott, der Gruß aus der Küche, Gua­ca­mo­le mit Kr­ab­ben, kommt nach we­ni­gen Mi­nu­ten und wird eben­so schnell wie über­aus freund­lich aus­ge­tauscht ge­gen frit­tier­te Stück­chen vom grü­nen Spar­gel, nach­dem wir an­ge­merkt ha­ben, dass wir kei­ne Mee­res­früch­te mö­gen. Auch auf die Vor­spei­se müs­sen wir nicht lan­ge war­ten. Wer den „Whi­le-Wait­ing“-Drink in die­ser Zeit schafft, hat ver­mut­lich ein Al­ko­hol­pro­blem. An die­ser Stel­le sei das aus­drück­lich er­wähnt: Der Ser­vice, so wie wir ihn an die­sem Abend er­lebt ha­ben, war nicht nur über­aus nett, son­dern auch hoch pro­fes­sio­nell. Das gan­ze Team ar­bei­te­te gut ab­ge­stimmt. Wir wur­den von ins­ge­samt drei Kell­nern be­dient, die uns das Ge­fühl ga­ben, je­der­zeit zu wis­sen, was wir mit den bei­den an­de­ren ab­ge­spro­chen hat­ten. Un­ser „Haupt“-Kell­ner hat­te zwi­schen­durch auch im­mer die Zeit für ei­ne freund­li­che Nach­fra­ge und ein kur­zes Ge­spräch. Cha­peau da­für. Zu­rück zum Es­sen: Als Vor­spei­se legt uns die Be­die­nung die Ta­ges­sup­pe ans Herz. An die­sem Abend ist das ei­ne Ka­rot­ten-Ing­wer-Sup­pe mit Oran­ge (zehn Eu­ro). Die Sup­pe ist sä­mig, schmeckt – wie wir es mö­gen – stark nach Ing­wer und wärmt in­ner­lich auf. An die­sem küh­len Abend ist das ge­nau das rich­ti­ge En­tree. Ei­ner un­se­rer bei­den Haupt­gän­ge ist ein me­di­um ge­grill­tes Ent­re­cote (24 Eu­ro) mit Pom­mes fri­tes und ge­grill­ten Pi­mi­en­tos de Pa­drón. Das Fleisch­stück ist groß, saf­tig und et­wa vier Zen­ti­me­ter dick. Am Rand ist das Fleisch ein we­nig knor­pe­lig und eher zäh. Aber das än­dert sich und wird deut­lich bes­ser, je wei­ter ich mit mei­nem Mes­ser zur Mit­te des Fleisch­stücks vor­drin­ge. Ich hat­te me­di­um be­stellt und ha­be me­di­um be­kom­men. Passt. Als zwei­te Haupt­spei­se liegt vor uns ein ve­ge­ta­ri­scher Ham­bur­ger mit Ret­tich-Mayon­nai­se und Pom­mes

fri­tes (14 Eu­ro). Was un­se­rer Mei­nung nach ver­bes­se­rungs­wür­dig ist: Dem Veg­gie-Bur­ger hät­te ein Dres­sing und et­was mehr Bei­la­ge als die ein we­nig ver­lo­ren wir­ken­den Ru­co­la-Blät­ter gut ge­tan. Der we­nig raf­fi­niert zu­be­rei­te­te Ham­bur­ger selbst ist eher weich als knusp­rig. Er schmeckt gut, ist aber kein High­light auf der an­sons­ten an­spre­chen­den Kar­te. Die­se bie­tet nicht nur die von uns ge­wähl­te Ta­ges­sup­pe für zehn Eu­ro, son­dern ei­ne rei­che Aus­wahl an ins­ge­samt zwölf Vor­spei­sen vom Rin­der-Car­pac­cio für 14 Eu­ro bis zum Ibe­ri­co-Schin­ken für 25 Eu­ro. Dar­un­ter na­tür­lich al­les, was in ei­nem an­ge­sag­ten Re­stau­rant in Pal­ma zur­zeit ein­fach da­zu­ge­hört: Roh­fisch et­wa. Aus­tern sind für vier Eu­ro pro Stück zu ha­ben. Ein „Sa­shi­mi Por­ti­xo“kos­tet me­di­um 19,50 Eu­ro, die gro­ße Por­ti­on 25 Eu­ro, auch ein Ce­viche steht auf der Kar­te. Ne­ben den fünf ver­schie­de­nen Fisch­ge­rich­ten (20 bis 29 Eu­ro) wie bei­spiels­wei­se ge­grill­ter Lachs mit Ko­kos­reis (20 Eu­ro) und See­barsch mit chi­ne­si­schem Senf­kohl, Spar­gel und Dai­kon-Ret­tich (29 Eu­ro) bie­tet das Por­ti­xol drei­mal Pas­ta (16 bis 19 Eu­ro) und sechs Fleisch­ge­rich­te zwi­schen 14 Eu­ro (das klei­ne Club­Sand­wich) und 55 Eu­ro (ge­grill­tes Sir­lo­in-Steak mit Kar­tof­feln, Trüf­fel und Par­me­san). Elf ve­ge­ta­ri­sche Spei­sen und Sa­la­te zwi­schen acht und 22,50 Eu­ro run­den das An­ge­bot ab – ei­ne be­acht­li­che Aus­wahl an Fleisch­lo­sem. Auch die Wein­kar­te ist er­wäh­nens­wert: Von den ins­ge­samt 67 ro­ten Wei­nen han­delt es sich aus­schließ­lich um spa­ni­sche Er­zeug­nis­se (ab 19 Eu­ro), 15 da­von wer­den auf den Ba­lea­ren ge­kel­tert (24,80 bis 62 Eu­ro). Der güns­tigs­te da­von ist ein 2014er Obac. Es darf aber auch ein

CLOS Eras­mus 2010 (800 Eu­ro) oder Pin­gus 2010 aus Ri­be­ra del Du­e­ro (1200 Eu­ro) sein. Wie so häu­fig auf Mallor­ca ist man aber mit den preis­wer­ten In­sel­wei­nen bes­tens auf­ge­ho­ben. Von 25 Wei­ßen (19 bis 80 Eu­ro), stam­men sie­ben aus Mallor­ca (19 bis 35,50 Eu­ro). Tipp des Kell­ners: Der „Pie­dra, Pa­pel, Ti­je­ra“2015, ein tro­cke­ner Weiß­wein aus den Rebs­or­ten Pren­sal Blanc, Char­don­nay und Mo­s­ca­tel (19 Eu­ro pro Fla­sche) eig­net sich ide­al zu leich­ten Ge­rich­ten mit Fisch, Mee­res­früch­ten, Reis­wein und wei­ßem Fleisch. Un­ser Des­sert, ein Li­mo­nen- und Man­go-Kä­se­ku­chen (sie­ben Eu­ro), ent­puppt sich lei­der als Flop. Der im Glas ge­schich­te­te und mit ei­ni­gen Frucht­stü­cken und Bis­kuit-Krü­meln gar­nier­te „Kä­se­ku­chen“ent­puppt sich als zä­he und di­cke, eher ge­schmacks­neu­tra­le Pud­ding­mas­se. Als der auf­merk­sa­me Kell­ner be­merkt, wie wir da­rin her­um­sto­chern, of­fe­riert er uns zwei Gra­tis-Ge­trän­ke. Und als wir un­ent­schlos­sen wir­ken, emp­fiehlt er uns zwei der wohl teu­ers­ten Drinks, die die Por­ti­xol-Bar her­gibt: ei­nen fei­nen Co­gnac für die Da­me und ei­nen Whis­ky für den Her­ren. Der Whis­ky ent­puppt sich als ein zwölf Jah­re al­ter Ya­ma­sa­ki, ein – im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes – aus­ge­zeich­ne­ter Sing­le Malt, der von der Whis­ky­bren­ne­rei Sun­to­ry in Ja­pan her­ge­stellt wird. Den fruch­ti­gen, rau­chi­gen Duft und den ker­ni­gen Ab­gang ha­be ich noch auf dem Nach­hau­se­weg auf der Zun­ge. War­um sich Ja­mes Bond nor­ma­ler­wei­se mit ei­nem Mar­ti­ni zu­frie­den gibt, kann ich nun nicht mehr nach­voll­zie­hen. Fa­zit: Es­sen gut, Ser­vice noch bes­ser! mva

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